Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1844)
- Date
- 1844-04-15
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Blättern die Rede war, hinsichtlich deren aber sich bis jetzt diejenigen noch nicht vereinigen konnten, die sonst bereitwillig sind, die Errichtung jüdischer Ackerbau-Kolonien durch Geldmittel zu unterstützen. —. Der neue Rabbiner Leopold Stein ist vor einigen Tagen hier eingetroffen und durch den Vorstand der israelitischen Gemeinde in der Synagoge vorgestellt worden. Man hofft eine Aussöhnung zwischen ihm und dem alten Rabbiner um so mehr, als sich an diese Bedingung die Erfüllung des von Rothschild gemachten Versprechens knüpft, für den Bau einer neuen Synagoge die Summe von 200,000 Fl. herzugeben. Mit dem ältesten Chef des Banquierhauses Rothschild hatte Herr Stein eine längere Unterredung, in welcher ein für den jüdischen Handelsstand wichtiges Glaubensdogma verhandelt worden sein soll. Es betrifft dasselbe die Statthaftigkeit von Wechsel-Akzepten und andern kommerziellen Manipulationen am Sabbat und an jüdischen Festtagen. Praktisch aber ist dies Dogma besonders im gegenwärtigen Augenblicke wichtig, da es sich bei den Staatsbehörden um eine Reform unserer Wechselordnung handelt und die Rede davon ist, in dem befragten Punkte von der seitherigen Uebung für die Zukunft Umgang zu nehmen. Preußen. Marienwerder, I. April. (Privatmitth.) Ohne ein Opfer zu scheuen, schließe ich mich gern und willig den von Ihnen noch näher zu bestimmenden Rabbinerversammlungen an; denn ich erkenne in diesen die einzige sichere Heilanstalt zur Wiederbelebung unseres leider innerlich und äußerlich so sehr zerfallenen Judenthums und zersplitterten jüdischen Lebens. Mögen dieses mit mir auch die jüdischen Theologen einer orthodoxeren Richtung, als der ich angehöre, erkennen; und gewiß Israel erfreuet sich bald einer besseren Zukunft, jeder lebt wieder friedlich in seinen Gemeinden und läßt sich nicht mehr so bald von jedem Wind der Lehre wiegen und wägen. Doch, wozu noch den Vortheil und Nutzen eines Instituts näher hervorheben und bezeichnen, welches jedem redlich denkendem Israeliten, der nicht seinen Glauben in die laufende Münze der Zeit umzusetzen wünscht, als das dringendste Zeitbedürfniß entgegentritt? Mögen daher auch manche Spiritualistischbefangene die Rabbinerversammlungen verdächtigen und verleumden; letztere sind und bleiben für Israel das dringendste Zeitbedürfniß, und werden und müssen zu Stande kommen. lieber Schul-, Synagogen- und israel. religiösen Verhältnisse Westpreußens mache ich Ihnen deßwegen keine Mittheilungen, weil diese nur Jeremijaden wären, deren die geehrten Leser Ihrer Zeitung gar zu viel schon anders woher lesen müssen. Doch kann ich nicht umhin Sie davon in Kenntniß zu setzen, daß lediglich in Folge der angedeuteten Mißstande, welche mit Ausnahme in meiner achtbaren Gemeinde, in dem ganzen Regierungsbezirke sich vorsinden, auch das sämmtliche hiesige stimmfähige Regierungspersonal, als es vor nicht langer Zeit höher» Orts um ein Gutachten über die Emanzipation der Juden angegangen worden, gegen dieselbe stimmte; nur der einzige Herr Regierungsrath Rothe trat diesem Beschlüsse nicht bei, und schrieb ein Separatvotum für die Emanzipation nieder. So schaden die einzelnen Gemeinden dem Gesammtwohle ihrer Brüder. Erfreulicher, als dieses dürste Ihnen die Nachricht sein, daß ich vor zehn Tagen von der hiesigen Regierung aufgefordcrt worden bin, ihr einen ausführlichen Plan zur Regulirung des jüdischen Schulwesens vorzulegen. Mit dem größten Vergnügen habe ich mich dieser Arbeit ergeben, und werde Ihnen in Bälde darüber umständlicher berichten. Hi-. H. Jolowicz, ist. Prediger. Breslau, 27. Marz. (Brest. Z.) Die hiesige jüdische Kaufmannschaft hat den Beschluß gefaßt, auf Gleichstellung der Rechte mit der jetzt bestehenden kaufmännischen Korporation zu dringen und ein Komitv gewählt, das mit den Vorstehern jener Korporation wegen Rezeption der jüdischen Kaufleute unterhandeln soll. Bevor diese nicht erfolgt ist, sollen sich die jüdischen Kaufleute aller etwanigen Unterschriften, welche das jetzige Börsen-Konnte verlangen sollte, enthalten. Haben die Unterhandlungen aber bis zum 25. Juni d. I. zu keinem Ergebniß geführt, so soll bei einer Konventionalstrafe von 200 Thlrn. für den Uebertreter, der Besuch der Börse ausgesctzt werden, bei der die jüdischen Kaufleute bis jetzt nur gegen ein Eintrittsgeld von 3 Thlrn. jährlich als geduldet betrachtet werden. Diesem Be-