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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-15 · Heft 16 (15.4.1844) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 16 (15.4.1844)
Date
1844-04-15
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 Zeitungsnachrichten. Holland. Amsterdam, im März. Ueber die hiesige jü, dische Bevölkerung enthalten die Arch. isr. de Fr. einen Artikel, aus dem wir das Wichtigste hervorheben. Man zählt in Amsterdam fast 25,000 Israeliten , unter denen 2—3000 vom portugiesischen Ritus. In keiner Stadt giebt es so viele unglückliche Israeliten als in Amsterdam, und obgleich es eine ziemliche Anzahl reicher und bemittelter Familien giebt, ist doch noch Nichts geschehen, um die Bettelei auszurotten, welche unter den hiesigen Juden herrscht. Man hat zwar eine Anzahl Bettler nach den friesischen Kolonieen und anderwärts hingeschickt, wo sie durch Arbeit leben können; aber nicht die israelit. Administration, sondern die wohlwollende Regierung hat diese heilsame Maßregel getroffen. Aber hiermit ist die Bettelei durchaus nicht zerstört. Am Freitag, an den Festvortagen, am Neumondstage drängt sich ein Haufe Bettler nach dem andern vor den Häusern, wo ihnen eine schwache Beihülfe gegeben wird. Männer, Frauen, Kinder, Blinde, Lahme, bedeckt mit Lumpen, drängen, stoßen, schlagen, beschimpfen sich, um zuerst das kleine Almosen zu empfangen, da sie nach einer andern Straße, vor ein andres Haus müssen, zu demselben Aufzuge. Sie placiren sich vor der Synagoge, zwei bis drei Mann hoch, um den Ausgang einiger frommen Männer zu erwarten, die ihnen einige Sous geben, sie unter sich zu vertheilen. Welche Vorwürfe müssen sich die reichen Israeliten Amsterdam's deshalb machen! Die Gemeinde giebt nichts, als einige Pfund Mazzoth am Peßach. Geschieht dies aus Oekonomie oder Mangel an Mitteln? Die Gemeinde legt keine Rechenschaft über ihr Budget ab. Während die Bettelei in der Stadt streng verboten ist, herrscht sie im jüdischen Viertel. Der Ursprung dieser schreckhaften Erscheinung ist — die Unwissenheit, in der die Administration diese Unglücklichen verkommen läßt. Nur eine einzige Freischule für beide Geschlechter giebt es hier. Es werden nur Kinder von 6—7 Jahren ausgenommen, und wenige Eltern benutzen sie. Hat die Administration keine Mittel, den Schulbesuch zu erzwingen? Vom sechsten bis siebenten Jahre an halten die Eltern ihre Kinder zum Hausiren an, eine Pflanzschule aller Laster. Jndeß giebt es auch arme Israeliten genug, die ihr Brod im Schweiße ihres Angesichts erwerben. Männer, Frauen, junge Leute beiderlei Geschlechts sieht man vom frühen Morgen bis zum späten Abend eine lange Karre, beladen mit Torf, Holz, Hülsen- und anderen Früchten, ziehen, glücklich, wenn sie die Karre des Abends leer und 20 — 30 Sous gewonnen haben. Man sieht oft Frauen vor solchen Karren, die eben Kindbett gehalten, und von Zeit zu Zeit ihre Säuglinge, die auf der Karre liegen, nähren. Uebrigens sehen diese Frauen ganz gesund aus. Nicht minder giebt es Lastträger, Steinschneider, Schneider, Schuhmacher, Maler und Gläser, einen oder zwei Schlösser, viele Petschaftstecher, und unter den Mädchen Stickerinnen. Nicht zu vergessen die Fischhändler, die einen eigenen Markt halten, wo auch der Arme sehr wohlfeilen Einkauf macht, so daß er öfter Fische als Brod hat. Jedoch ist kein Gewerbe unter den Juden Amsterdam's so verbreitet, wie der Kleiderhandel und Trödel. Es ist ihr Monopol. Den ganzen Tag laufen sie durch die Straßen, und schreien: „Kleider kaufen!" Die meisten derselben haben nur sehr kleine Summen, die ihnen einen geringen Verdienst abwerfen. — Ueber die höheren Stände braucht man nicht weiter zu berichten; man kennt die ausgezeichneten Juristen, so wie einige Aerzte, Notare, Huissiers ff. Es giebt auch zwei oder drei hebräische Druckereien, aber sie sind wenig beschäftigt; denn außer der Mulder'schen Bibel und einigen hebräischen Grammatiken kennt man seit mehreren Jahren keine anderen Produktionen, als den Almanach (nib). Die Musik, insbesondere der Gesang findet unter den Juden Am, sterdam's viele Rekruten. Frankreich. Paris, im März. Das Gerücht, daß Prof. Franck in seiner Stelle durch einen Protestanten ersetzt sei, ist unwahr. — Jndeß muß bei dem heftigen Streite zwischen der Universität und der Geistlichkeit die Stellung jüdischer Professoren gefährdet sein, da die Arch. isr. de Fr. einen Aufsatz, unterzeichnet „Moritz Meyer, Sekretär der Kommission

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