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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-08 · Heft 15 (8.4.1844) · p. Seite 211

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 15 (8.4.1844)
Date
1844-04-08
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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211 niß, aber auch keine Beförderung gegeben werden dürfe, sondern daß es vielmehr deren Pflicht sei, den betreffenden Personen vorher alle die Momente warnend vorzusühren, denen sie sich zur Untergrabung des ehelichen Glücks und zur Irrung in der Kindererziehung aussetzcn. Denn es kommt hier der Umstand hinzu, daß das Menschenherz sehr schwankend ist, und oft einerseits frühere Neigung spater erlischt, andrerseits Interessen, die früher schlummerten, spater zu großer Kraft aufwachen. — Es versteht sich von selbst, daß wir hiermit nur eine individuelle Ansicht aufstellen wollten; die Diskussion über diese wichtige Angelegenheit ist noch lange nicht geschlossen. — Aus dem Sächsischen, 21. März. (Privatmitth.) Unter den deutschen Blättern, die den konsequentesten, anrüchigsten Judenhaß immer wieder zum Ausdruck bringen, siguriren zwar auch solche, welche als universelle durch einen großen Theil der Welt wandern, und auf die höheren Stände bedeutenden Einfluß üben, doch nicht minder etliche, welche, für das Volk berechnet und wirksam, sich nicht scheuen in diesem die alte Flamme immer wieder anzufachen. Zu diesen gehört die „Dorfzeitung," die stets im schnödesten Ton alles, was ihr nur irgend, jüdische Individuen oder Judenthum Betreffendes und Berührendes vorkommt, bespricht, und durch Affektirung von Verachtung, durch Schmähung und Lieblosigkeit zwar eigentlich sich selbst brandmarkt, jedoch in der Wirklichkeit ihre Leser erbittert. Sie, die beständig „christlich" und als Gegensatz „jüdisch" im Munde führt, sie, die so christlich fromm sich stellt, was weiß sie von Liebe,,von Duldung, ja nur von der Billigkeit, ganze Massen um einiger Individuen willen nicht zu belasten? Nichts! Um des schadhaften Daumens willen mordet sie den ganzen Körper, sich stellend, als ob sie heil wäre von der Sohle bis zum Scheitel! Unter vielen Artikeln hebe ich nur den einen vom 20. März hervor: „(Eingesandt.) Ist der Tag des Herrn zum Tag der Juden geworden? Auch aus Meiningen wird im Volksblatt geklagt, daß man dort am Sonntage die Juden, sogar die Viehhändler, von Haus zu Haus durch alle Straßen laufen sehe, um ein Geschäftchen zu machen. In Hildburghausen sieht man wenigstens Einen den ganzen Sonntag in den verwandten christlichen Häusern herumwandern. Auf mehren Dörfern, wo Juden in der Nähe wohnen, wird dieselbe traurige Klage geführt. Die Hauptgeschäfte werden unter der Kirche gemacht. Sollte dem Unfug nicht abzuhelsen sein? Wer hat mehr Schuld, die zudringlichen Juden oder die Christen, die die Juden nicht hinauswerfen? Sollten sich nicht Alle zusammenthun, um der Entweihung des Tages des Herrn zu steuern. Soll den Juden ihr Sabbat heiliger sein, als den Christen ihr Sonntag? Ist den christlichen Gemeinden zu verargen, daß sie, wenn sie noch keine Juden unter sich haben, auch keine aufnehmen, sondern sie los werden wollen?" — —. Wir wollen der „Dorfzeitung" nicht das Recht benehmen, darüber zu klagen, wenn von einigen Juden am Sonntag Geschäfte betrieben werden, obgleich wir schon in mancher christlichen Handelsstadt waren, wo gar keine, oder wenige Juden wohnen, und die größte Geschäftigkeit, eine völlige Entweihung des Sonntags wahrnahmen. Wir wollen es ganz recht finden, wenn sie es der Polizei denunzirte, und aus strenge Handhabung des Gesetzes dränge. Nun lese man aber die Art und Weise, wie sie dies thut, dies höhnische und verächtliche Wesen; nun sehe man, wie sie allein den Juden die Entweihung des Sonntags zuschreibt, als wenn nicht auf einen Juden hundert Christen kämen, die sich solches zu Schulden kommen ließen; nun merke man, wie sie die Gemeinden auffordert, allen Juden deshalb einen Platz in ihrer Mitte zu verweigern! Ein jeder Vernünftige wird deshalb die Sprecherin verachten — aber was hilft's, wenn diese nun einmal auf der Vernünftigen Achtung keinen Werth legt, sondern sich besser gefällt, wenn sie im Schmutze der Menschenentwerthung, des Haffes, der Ungerechtigkeit sich herumbewegt, um — für die Mehrzahl der Leser pikant zu sein?! Wehe, wo der Witz (auch ohne witzig zu sein,) auf Kosten des Herzens und des Menschenglücks sich Nahrung sucht! Oesterreich. Preßburg, 15. März. (A. A. Z.) Heute wurde bei der Magnatentafel der zweite Theil des Städtcoperats in Verhandlung genommen, und nach kurzer Debatte erlitten die Juden eine Niederlage.

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