Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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201 den! Der Mann vertheidigt sein Prinzip, die Frau ihr Gefühl: der Schwiegervater vermittelt, das Kind wird beschnitten. Der Mann aber überläßt die Feierlichkeit Anderen, er selbst ist seinem Prinzipe schuldig, sich nicht darum zu bekümmern. Das sind die Folgen des Reformvereins! Einigkeit. Friede in Familien wird gestört, sonst war die Beschneidung ein Freudenfest, und jetzt-Die werden es zu verantworten haben, welche die Fackel geschleudert, und wenn sie nicht taub sind für die Stimme ihres Gewissens, ist ihr Eigendünkel genug bestraft. 2 Frankfurt am Main, 17. Marz. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen heute wenig Neues zu berichten. Der Rabbiner Stein ward erwartet, soll aber, wie es heißt, vorläufig nicht predigen. Aus dem Synagogenbau wird nichts, und es könnte noch lange dauern, ehe wir dahin kommen. — Ende dieses Monats wird in der hiesigen Gemeindeschule öffentliche Prüfung sein; der Oberlehrer Dr. Heß ladet dazu durch ein Programm ein, in welchem er über das Verhalten der Eltern zur Schule spricht. Wenn man glaubt, daß darin von Religion, von häuslicher religiöser Erziehung gesprochen wird, wie man es wol erwarten könnte, irrt man sehr. Vielmehr wird das wenn auch praktische doch langweilige Thema über das Benehmen der Eltern, dem Verhältnisse zwischen Lehrer und Schüler gegenüber, auf eine unerquickliche Weise breit getreten. Ich kann nicht begreifen, daß man hier nocb nicht die Ueberzeugung gewonnen hat, daß diese Schule das unzweckmäßigste Institut ist, das besteht: grade hier, wo der Judenhaß noch so mächtig, sollte man darauf bedacht sein, die Separatschulen auszuheben, damit die Jugend wenigstens den Haß verlerne. Freilich fürchtet man die ersten Stadien! Ich habe mir übrigens vorgenommen, gelegentlich einmal dieses Thema ausführlich zu behandeln. — x. x. Frankfurt am Main, 22. März. (Privatmitth.) Seit mehreren Tagen zirkulirt hier ein Brief aus Posen, den ein hiesiger Banquier empfangen, worin die Mittheilung gemacht wird, daß die polnischen Rabbiner alle diejenigen, welche sich einer Schmuggelei schuldig gemacht haben, oder eine solche verhehlen, in den Bann gethan werden! Ob diese Maßregel mehr hilft als ein Ukas des Kaisers? — Sonderbar ist es aber, daß solche Mittheilungen hier als ein diplomatisches Geheimniß betrachtet werden: sie gehören der Oeffentlichkeit an, damit sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Was eine „öffentliche Meinung, ihr Werth und ihre Wichtigkeit" sei, haben so manche Banquicrs noch nicht begriffen. —. Seit gestern ist Herr vr. Stein hier, Montag wird er verpflichtet, und Pfingsten seine Stelle antreten. Möge es ihm gelingen, alles Feindliche zu versöhnen! , x. x. Preußen. Gumbinnen, 13 März. Die hiesige Königliche Regierung erläßt in dem heutigen Amtsblatte folgende Bekanntmachung: „Höherer Anordnung gemäß, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß für die Zukunft der nach No. 17 unserer Amtsblatt-Bekanntmachung vom 22. Jan. 1842 bei dem Aufgreifen fremder, unlegitimirter Juden zu gewährende Denunzianten-Antheil von der Halste auf ein Drittheil des von den etwaigen Konsiskaten, nach Abzug der Kosten, verbleibenden Erlöses herabgesetzt worden ist, und daß Nichtbeamten ein solcher Denunzianten-Antheil gar nicht mehr gezahlt werden darf." Literarische Nachrichten. Leipzig, 18. März. In diesen Tagen wird in die Presse gegeben: Kleiner Katechismus der jüdischen Geschichte und Liturgik, nebst Bibetkunde und Beschreibung des gelobten Landes, von vr. Ludwig Philippson, Rabb. Es ist dies ein Supplement zu desselben Verfassers „Kl. Katechismus der israelit. Schule," der bereits eine sehr bedeutende Verbreitung, und Eingang in viele Schulen gefunden hat. Welchem Bedücfniß durch diesen zweiten Katechismus abgehotfen wird, weiß der praktische Lehrer. Halberstadt, 20. Marz. Die ersten Nummern der, durch alle Buchhandlungen zu beziehenden „Religiösen Wochenschrift für gottgläubige Gemüther aller Ko nfessionen," herausgegeben von vr. Ludwig Philippson (wöchentlich 14»