Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1844)
- Date
- 1844-04-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 der Heiligkeit des Wort- und Schwurhaltens gegen die Gojim (?!) entbindet?" Soll man sich hier ärgern über die boshafte Verleumdung, oder soll man lachen über das kecke Dreinreden, in Sachen von denen man nicht einmal einen Schatten von Kenntniß hat? — „Warum geben sie nicht Aufklärung über den Glauben, der noch immer unter dem gemeinen Volke herrscht, daß sie bei schweren Entbindungen sich getrockneten unschuldigen Blutes bedienen?" Abermals sonderbar! als hätten die Juden voraussehen können daß ein Deputirter der Stadt Debrezin Anno ein tausend acht hundert vier und vierzig noch an solche Mährchen erinnern werde; als hätten die Juden voraussehen können daß ein Deputirter, der mit solcher Arroganz von einer Sache spricht, nicht einmal wissen wird, daß schon in frühern Jahrhunderten so viele Erklärungen über diese Sache gegeben wurden, und so überzeugende Erklärungen, daß man die Sache schon längst für abgemacht hätte betrachten können! — Referent beabsichtiget weder die Rede des D. Dep. *) hier wieder zu geben, noch sie lächerlich zu machen, er wollte nur zeigen, welcher Waffengattungen die Feinde der guten Sache sich zu bedienen genöthiget waren; genug, dieser ehrenwerthe Redner mußte manche beißende Bemerkung, bald ernster bald witziger Art anhören. „Was die Berufung auf die Behauptung M. Blochs betrifft" bemerkte ein Redner unter Andern „so können und dürfen wir ihr um so weniger Gewicht beilegen, da sie aus dem Munde eines getauften Juden kommt, und solche die größten Feinde der von ihnen verlassenen Religion sind." Einige Redner wünschten daß die Berathung dieser Angelegenheit aufgeschoben werde, bis über Emanzipation der Juden als Sache sür sich und von so großem Interesse eigens diskutirt werden wird. Der k. Personal als Präsident der Ständetafel war auch dieser Meinung. Es ward aber trotz dem auf Votisalion gedrungen, und so erklärte der k. Personal, daß die Mehrheit sich für die unveränderte Beibehaltung des Paragraph ausgesprochen. Da traten mehre städtische Ablegaten im Namen ihrer Kommittenten mit der Erklärung auf, daß sie in keinem Falle die Juden als Bürger in ihrer Mitte aufnehmen werden, so lange die Emanzipation nicht auf das ganze Land ausgedehnt wird. Noch in der 99sten Reichstagssitzung erklärten sich Mehre, besonders die Deputirtcn der Bcrgstädte, daß sic die Juden um so weniger aufnehmen, als es zu ihren Grundprivilegicn gehört, die Juden nicht aufnehmen zu dürfen *). Die Bcrgstädte, sagten sie, sind von höchster Wichtigkeit für das Land und dürfen nicht durch die Aufdringling eines ihnen verhaßten Elements unzufrieden gemacht werden. Dieses Verlangen der Bergstädte fand bei den Deputirren nicht nur keine Theiinahme, sondern sogar entschiedene Entgegnung. Nachdem noch mehre Redner in diesem Sinne sich geäußert hatten, wurde der Beschluß ausgesprochen: daß unter dem gestrigen Beschluß auch die Bcrgstädte mit einbegriffen sind. Da aber dieser Beschluß, der Beibehaltung des Allsten Paragraphs nämlich, noch eine weite Tour zu machen hat, wünschen wir ihm eine glückliche Reise und eine wohlbehaltene Wiederkehr! — K. F. IO. Marz. (Privatmitth.) Die Petition um Emanzipation ist bereits einer Deputation zur Begutachtung übergeben, und wird bald zur Berathung kommen. — Der hier bestehende „Jugendwohlthätigkeitsvercin" hat vor Kurzem durch einen glänzenden Ball I2.'rOFl. W. W. eingenommen. — Unser Synagogen - und Schulwesen gedeiht immer mehr. Der feiertägigc Gottesdienst wird fortwährend von Orgel und Chor begleitet. — Bei der schrecklichen Ueberschwemmung, die uns betroffen, haben sich auch die Israeliten vortheilhaft ausgezeichnet. Der oben genannte Verein war unter den Ersten, dic Brod auslheilten; die israelit. Gemeinde vertheilte IliOOfl. W. W. an die Verunglückten; unter denen, die Verunglückten das Leben retteten mit eigener Gefahr, waren drei Israeliten; ölr Individuen sprachen öffentlich ihren Dank dem H. W. Steinitzer aus, der sie mit vielem Röthigen versah; eine jüdische Dilettanten-Gesellschaft in Pesth führte ein un- *) Man merke: Ein Privilegium — nicht aufnehmen zu dürfen! — ) S. No. 12. Redakt.