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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-01 · Heft 14 (1.4.1844) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 14 (1.4.1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 Ist auch dieser Gesetzesvorschlag ganz im Geiste des vorigen Landtagsbeschluffes abgefaßt, so war doch leicht zu ersehen daß dieser Paragraph zu großen Debatten Anlaß geben wird. Zwischen Idee und Wirklichkeit liegt ein unermeßlicher Raum, und es müssen alle Stadien des Gährungsprozesses durchgemacht werden, soll eine Sache hell und klar hervorgehen. Schon in den Sommermonaten des vorigen Jahres hatte dieser verhangnißvolle Paragraph in den vorbereitenden Zirkularsitzungen den ersten Sturm zu überstehen. Die angrcifendc Partei wollte Bresche schießen, und die Klausel „ohne Unterschied der Religion" mit der „christlichen Religion" verwechselt wissen. Ihr Angriff war lebhaft, sie mußten aber, der Majorität weichend, das Gewehr strecken. Der §.S9 wurde am 10. Oktober von der Zirkularsitzung ohne Modifikation gut geheißen. Der nach dieser Beschlußnahme erfolgte Waffenstillstand verschaffte der feindlichen Partei nur Zeit, sich nach diesem unglücklich abgelausenen Vorpostenseuer zu neuem Angriffe beim entscheidenden Kampfe vorzubereiten. Schriftsteller und Schriftstellericin thaten das Ihrige, und bereicherten zum Heile der Menschheit — die ungarische Literatur mit einem neuen ihr noch unbekannten Zweige, dem des Judenhasses. Welch ein Gewinn für die Ungar. Terminologie! — Es fehlte aber bei dieser literarischen Äffaire auch an wackern Vertheidigcrn nicht. Die Wahrheit und die Gerechtigkeit suchten und fanden ihre Repräsentanten unter den Reihen anerkannter, in allgemeiner Achtung stehender Autoritäten. So suchten die Eifrigsten und fähigsten beider Parteien die Gemüther auf die bevorstehende landtägliche Sitzung der l. Stände vorzubereiten. Und wie haben sich die Juden in dieser Zeit benommen? werden Sie fragen; mäuschenstille! — Auf dem ungarischen Boden scheinen die Rießers nicht gedeihen zu wollen. Die Repräsentanten des jüdischen Kaufmannstandes, diese verdienstvollen Männer, die durch ihre keine Opfer schonende Thäligkeir, schon zu wiederholten Malen aus allen Komitaten und Städten, wo Juden in bedeutender Zahl wohnen, bevollmächtigte Deputirten zur allgemeinen Berathung nach Pesth beriefen, diese um die ungarische Jsraelitenschaft sehr verdienten Männer reichten auch wirklich am 13. Januar dem Präsidium der 137sten Zirkularsitzung eine Bittschrift ein, wo im Namen aller in Ungarn wohnenden Juden um völlige Emanzipation gebeten wird; — unsere Gelehrten aber, die von Rechts wegen unsere öffentliche Wortführer sein sollten, denn nur jüdische Gelehrten können ihre Sache gründlich vertheidigen, begnügten sich mit dem Zusehen, wie christliche Gelehrte unsere Religion — oft sehr ungeschickt — und unser Recht vertheidigten! — Am 9. u. 10. Februar, in der 97sten und Wsten Landtaassitzung, ward bei den l. Ständen über den obenerwähnten H. ^9 debattirt. An der Spitze der Opposition stand der Dcputirte der59,000 Einwohner zählenden protestantischen Stadt Debrezin, der, eine Bittschrift mit 3060 Unterschriften in der Hand, eine lange Rede auf der Zunge, den Reigen begann. Zeigt auch diese Rede einerseits eine vielseitige Belesenheit Eiscnmcnger'scher Literatur, so zeigt sie anderseits nur eine oberflächliche, jeder tiefen Eindringung, jeder gründlichen Sachkenntniß bare Belesenheit, eine totale Unkenntniß des Kerns jüdischer Religionsangclegenheiten, Der Redner bereitete sich lange vor, suchte und fand aber trotz der langen Vorbereitung nur das was er suchen und finden wollte. Er sprach von Ben-Chochab, von Zabathai Zevi und von andern Pseudo -Messiasen. Er sprach von der ungeheuer» Menge ihrer (der Juden) Feiertage, die sic zwingen beinahe die Hälfte des Jahres (!?) müßig zu zubringcn. Unserem Moses machte der Redner ein große- Komplimenr, hingegen spricht er sehr wegwerfend von den Satzungen der Mischna und Gemara, denn, Moritz Bloch (Sonderbar! als hatte die Ernennung zum Mitglieds der Ungar. Gelehrten Gesellschaft ihn, auch den Stempel talmudischer Autorität aufgcdrückt! —) hätte irgendwo behauptet: daß die Prinzipien des Talmuds der Existenz eines christlichen Staates durchaus zuwider wären. „Denn, wenn cs nicht so wäre," fährt der Redner fort, „warum machen die Juden aus dem Talmud noch immer ein Geheimniß? warum geben sie nicht eine Konfession von sich, wie es die Protestanten in Ungarn in den Jahren 3549, 1562, 1567 gethan?" Man stehet hieraus, daß sich der ehrenwerthe Redner nicht einmal die Mühe genommen, eine mosaische Religionslehre, deren es so viele in deutscher Sprache giebt, zu lesen; ja, daß er nicht einmal von deren Existenz weiß. „Warum wollen sie uns nicht aufklären" sagt er ferner „über die Beschaffenheit des Kol nidre-Gebetes das sie von

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