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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-01 · Heft 14 (1.4.1844) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 14 (1.4.1844)
Date
1844-04-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 öffentlichen Blättern) auch von Herrn Dr. Zunz ein Gutachten jetzt gefordert worden sein. Ein Wort an Juden und Slaven, VON David Kuh. Motte: „Wie ihr gering geachtet unter den Völkern wäret, so sollt ihr durch meine Hrlfe zum Segen werden." Crtn oft verkanntes, und vielfach falsch gedeutetes Zeiten unserer Zeit ist das Streben der Völker nach Festbegründuug, und deshalb theilweiser Umordnung ihrer staatlichen Verhältnisse, und nach Belebung, Erfrischung und Stärkung ihrer Nationalitäten. Ersteres laßt sich im Westen, letzteres im Osten Europa's klar Nachweisen. Welche jedoch von diesen beiden Manifestationen des Zeitgeistes wichtiger sei, und folgenreicher, wer sollte dieses nachzuweisen im Stande sein?! — Unter den Nationen aber des Ostens sind die bei weitem zahlreichsten, bedeutendsten und fähigsten die Stamm- und Sprachverwandten Völker der Slaven, und diele begnügen sich nicht damit, und brauchen sich auch nicht mehr mit dem Ruhme zu begnügen, nur den Namen eines Volkes zu gewinnen, oder gewonnen zu haben. Nicht auch die Sucht ist es, ihre etwaigen eigenthümlichen Sitten und Gebräuche stärker und schroffer zu markiren; nicht das Streben allein ist es, ihre Nationalitäten zu erfrischen, festzubegrüttden und zu veredlen, was sie jetzt so stark, so mächtig beseelt. — Nein — durchglüht sind sie von einem noch weit schönerem, noch weit edlerem Gedanken: Einen Platz wetten, und glauben sie sich zu erringen in der Kulturgeschichte der Menschheit, einen Platz, den ihnen kommende Geschlechter anweisen werden, neben den Aegyptcrn, Juden, Griechen, Römern und Arabern der Vorzeit. Dieser geistige Glaube aber ist es, der sie bewahren wird vor jedem Einflüsse roherer Elemente, er ist es, der ihrem nationalem Streben Richtung geben wird und Haltung, der sie stark machen wird und ausdauernd auf dem Wege zu einer höhern und eigenthümlicbern Bildung; und eben dieser stolze Glaube auch ist cs, der sie behüten wird vor Dünkel, er ist es, der sie Achtung lehrt, oder lehren sott vor ihren hochgebildeten Nachbarn. Mögen nur auch diese, denen sie sich so gerne befreunden, nicht die hohe und wichtige Bedeutung und Bestimmung der Slaven ganz verkennen, mögen sie sich von ihren Bemühungen und Wünschen, von ihren Bestrebungen und ihrem Wirken nicht gleichgültig, oder gar mit Verachtung abwenden und ihnen hohnlachten. ,,Haß erweckt Streit, aber alle Vergehungen bedeckt die Liebe." Eben so aber, wie die Slaven wünschen, daß ihre Aufgabe, ihr Wollen und ihr Wirken von den Fremden nicht verkannt werde, so sollten auch sie selbst sie in keiner Art und Weise verkennen, sollten sich hüten und verwahren, daß Nationalität und Patriotismus nicht das Her; verengere und begränze; denn nicht die geistigen und Materiellen Güter sind es, die die Nationen und Geister verschieden bildet; nur die Art und Weise und auch die Maunichfaltigkeit der Anschauung ist es, die di§ Verschiedenheit begründet und den geistigen Reichthum und die I Eigenthümlichkeit in den Massen und in den Individuen! hervorzubringen im Stande ist. Darum müssen auch alle Kräfte geübt werden, kein Vorurthcil darf sie hemmen, das später oder früher gar böse Früchte tragen könnte, jede Richtung des Geistes muß angebaut, und jede Quelle des Geistes ihnen zugänglich gemacht werden. Nicht ein pferchen dürfen sie sich zwischen Mauern und unter einem Dache, und war' auch dieses Dach die Kuppel eines Do> mes, und die Mauern die Säulen eines Tempels. Die Nationalität und die Aristokratie des Geistes sind von Gott eingesetzt, was der Stolz des Geistes auch dem Geiste gegenüber, das ist der Stolz der Nation, der Na. tion gegenüber. Doch die Geister erfreuen sich, stärken sich, kräftigen sich, nützen und achten sich gegenseitig, und daß sie dieß als Nation nicht thun, der Vorwurf trifft zwar dw Slaven nicht allein, aber gerecht. Was hat die! Deutschen so geistig groß gemacht, was hat sie bin ge stellt! als das gebildetste und denkendste Volk des Erdballs, als! daß sie, bis auf eine große Ausnahme dem Geiste! niemals Achtung versagten, alles und jedes durchdachten! und besprachen, daß ihre Gelehrten auch das Geringste j und Kleinste ihrer gründlichen Beachtung nicht unwürdig fanden, und daß sie auf keinem, und auch dem dürrsten Boden fremd sein wollten. Das hat ibnen dre Achtung der Völker erworben, und ihnen Sympathien erweckt, und! wackere Helfer und tüchtige Kräfte; auch da, wo sie haßj ten, ja sogar, wo sie verachteten: Franzosen und Inden, Dänen und Slaven haben um die Wette Steine herbeigetragen zum Bau des deutschen Ruhmestempels. — Wer aber hat den Slaven geholfen?! Wahrlich, ein trauriger Ruhm wäre dieß und ein falscher Stolz, wenn sie sich gar noch rühmen wollten: Was wir sind und werden, sind und werden wir nur durch uns selbst. Unter unfern Helden und Weisen, unter unser»

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