Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1844)
- Date
- 1844-03-25
- Page
- Seite 190 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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190 hat vor einem Jahre eine Sonntagsschule für Israeliten errichtet, die am 13. August eine öffentliche Prüfung ablcgte, welche außerordentlich günstig aussiel, und wobei von den Behörden der Stadt sieben Preise ausgetheilt wurden. 63 Kinder besuchen sie. Eine Anzahl der Gemeindcmitgliedcr überreichten dem Herrn Wolff eine schmeichelhafte Dankadresse. Die Gemeinde wollte das Gebetbuch der Londoner Reform-Synagoge einführen. Der neue Geistliche derselben, Herr B. C. Cavillon, hat sie davon zurückgehalten. Derselbe hat regelmäßige Konfirmation und eine angemcffne Ordnung in den Gottesdienst eingeführt, so wie geordneten Religions - und hebräischen Sprachunterricht bewirkt. — Am 20. August ging die Wahl des Vorstandes abermals vor sich, und wurde Herr A. Wolff als oberster Vorsteher gewählt. Cincinnati, im Oktober. Neben der alten Gemeinde hat sich hier seit zwei Jahren eine neue „ljeiini Jesdwni»" gebildet, die jetzt schon über achtzig Familien zahlt. Sie hat bereits über tausend Dollars gesammelt, um eine Synagoge zu bauen. Sie will darin über fünfhundert Sitze anbringen, da der Anwachs der Israeliten in Cincinnati ungeheuer ist. Am Istcn dieses hat die Gemeinde einen neuen Vorstand aus II Personen gewählt (es sind meist deutsche Namen z. B. Fechheimer, Aub, Sachs, Friedman, Bamberg.) Die alte Gemeinde hat den polnischen, die neue den deutschen Ritus. In diesem Augenblicke soll ein allgemeines Meeting statt finden, um eine strengere Observanz des Sabbats und anderer religiösen Gesetze zu bewirken. Montrval in Kanada, im Oktober. Am Vorabend von R. II., am 24. September, wurde eine Versammlung der Israeliten gehalten, um eine deutsche und polnische Gemeinde zu organisiren. Der Vorstand wurde in fünf Männern erwählt. Sie haben die Vorbereitung zur Erbauung einer Synagoge getroffen, und von Sr. Exzellenz Sir Charles Metcalf, Generalgouverneur, ein Geschenk von 10 Pf. St. erhalten. (He Occid.) Literarische Nachrichten. attö* Die Arch. isr. de Fr. enthalten eine Anzeige, daß sich in Paris ein Konnte zur Uebersetzung des Talmuds in's Französische gebildet, bestehend aus den Herren Cahen, Alb. Cohen, Derenburg, Franck, Munk, PH. Sander und O. Terquem. Beigelegt ist ein Prospekt, der aber bereits 1841 gedruckt ist. Wir heben einige Stellen aus demselben hervor. „Wir besitzen in's Französische übertragen die vorzüglichsten religiösen Werke der Chinesen, Hindus, alten Perser, Hebräer, Christen, Mahomedaner. Die Arbeiten des berühmten de Sacy haben den Schleier selbst vom Glauben der Drusen gelüftet. Sonderbar! eine einzige Genossenschaft, deren Glieder über die ganze Oberfläche der Erdkugel zerstreut sind, scheint, durch diese Stellung, die größtmögliche Oeffentlichkeit zu erheischen, nnd man findet bei ihr die geringste. Die Fundamentalschristen unsres Glaubens sind bei weitem weniger bekannt, als die der Bewohner des äußersten Asiens. Und nicht allein außerhalb unsrer, sondern auch in unsrer Mitte. Wer kennt außer den Rabbinen mehr als die Namen der Mischna, Gemara, des Schulchan Aruch? Und dennoch regeln diese Werke unser religiöses Leben von.der Wiege bis zum Grabe. Es ist wahr, die Gemara leitet von der Bibel her, aber wie weit entfernt ist oft der Anknüpfungspunkts Erinnern wir an den Unterschied zwischen Milch- und Fleischspeisen, der lediglich von 2 M. 23, 19 herkömmt, die unzähligen Vorschriften über das Schachten und Untersuchen der Thiere, die nur von 2 M. 7,14. 17, 15. 22,8. abgeleitet sind. Wir könnten noch viele Beweise bringen, daß wir unsre Religion noch nicht kennen, wenn wir lediglich die Bibel kennen. Darum nimmt auch die christliche Welt so wenig Interesse am Talmud, man begreift nicht, daß das Gesetz Mosis und das Gesetz des Talmuds zweierlei sind, die zwar einige gemeinsame Punkte haben, aber die im Ganzen völlig verschieden sind. Der Code civil und die Institutionen Justinrans berühren sich auch; sind sie darum dieselbe Gesetzgebung? — Es ist jetzt aber eine Zeit, wo Jeder mit eigenen Augen sehen will und muß. Wir müffen daher den Talmud, den Schulch. Aruch in der Muttersprache lesen können, und nicht davon abhängen, was die Theologen daraus zitiren. — Ich habe oft den Einwand gehört, daß das talmudische Idiom und die darin abgehandelten Materien unübersteigliche Hinderniffe legten. Aber er ist nichtig. Wir besitzen in Europa