Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1844)
- Date
- 1844-03-25
- Page
- Seite 188 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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188 dürsten gar nicht so viel Bibel lesen, und hätten an dem 22sten Kapitel des Evangeliums Matthäus wo sie den Satz finden: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, genug. Wenn sie sich vor der Religion der Juden fürchten, so sollten sie dieselben um so mehr und eher unter sich aufnehmen, damit sie sich etwa auch mctamorphosiren, wie die Stadt D. selbst, die bis 1525 katholisch und bis 1550 lutherisch war, dann erst reformirt wurde. Daß die Juden einen Messias erwarten! lassen wir den armen Unterdrückten seine Hoffnung daß er nicht verzweifle! Uebrigens sind die Juden nicht so einfältig zu glauben, daß der Messias aus ihnen selbst hervorgehen wird. — Was den Aberglauben der Juden betrifft, so hatten und haben diesen die Juden nicht allein. Die D. Bürger brauchen nur in ihren eigenen Annalen ein wenig zu blättern um die bezeichnendsten Beispiele zu finden, z. B. u. s. w. In demselben Sinne erklärte sich der Deputirte einer stark bevölkerten Stadt an der Theiß, nach ihm ein als Redner sehr angesehener Komitatsdeputirter, der die gegen die Juden insgesammt angeführten Anschuldigungen und die Brandmarkung eines ganzen Volkes durch grundlose Anklagen mit dem Namen „bürgerliches Verbrechen" bezeicknete. Als vorzügliche Tugend der Juden führte er die Barmherzigkeit und den Wohlthätigkeitssinn der Juden an. Die Verfolgung der Juden in den k. Freistädten schrieb er dem selbstsüchtigen Egoismus der Zünfte zu, der mit der Engherzigkeit und der Gewinnsucht mancher Beamten sich verbunden hat, welche den Juden wie eine Milchkuh benutzen, und ihnen für Gulden und Dukaten geben wollen was ihnen das Gesetz versagt. Ich bin kein Freund des Aufschiebens, und bin bereit den Juden sogleich auch in den Komitaten vollkommene Gleichheit mit den Nichtadeligen zu ertheilen. Aus den Kriminalstatistischen Tabellen sagte er ferner, weiß ich, daß unter den Verbrechern nach Proportion der Bevölkerung, die wenigsten Juden sind. Schon die Idee der Freiheit erheischt es, daß wir den Juden emanzipiren sollen, da derjenige sich nicht frei nennen darf, der andere als Sklaven behandelt. Se. Exzellenz der k. Personal theilte ebenfalls die Ansicht mit jenen indem er erklärte: daß die gegenwärtige Zeit der Reform, wo alle Momente des öffentlichen Lebens in Bewegung sind, nicht geeignet ist, die Entscheidung solcher Fragen zu improvisircn und vom Alpha bis zum Omega mit einem Sprunge kommen zu wollen. Es giebt eine ungeheuere Anzahl Einwohner im Lande, die uns näher als die Juden stehen, und mehr Aufmerksamkeit als diese verdienen. Wir thun genug, wenn wir ihnen den Weg öffnen, sich uns anzunähern u. s. w. Diese Ansicht fand wenig Anklang. Die Majorität beharrte auf die Annahme der Bestimmung, in deren Sinne auch Se. Exzellenz nach einer längern Debatte den Beschluß aussprach, demzufolge die Juden in den k. Freistädten Bürger werden können. 21. Februar 106teReichstagssi'tzung.— Bei dem §. 398, der von der Wählbarkeit zum Deputirten handelt, und die Juden in den Worten: „die Juden im Allgemeinen ausgenommen" von der Wählbarkeit ausschließt, regte ein angesehener Redner an, diese Ausnahme wegzulassen, da bereits im §. 146 den Juden die Wählbarkeit gänzlich abgesprochen wird. Sein Vorschlag wurde von vielen Rednern unterstützt, die Mehrheit verharrte jedoch bei der Fassung des Operats, die auch unverändert angenommen wurde. — —. Für die durch schrecklichen Brand am 2. Febr. l. I. in Rechnitz Verunglückten beider Konfessionen sendete Baron Salomon v. Rothschild 500 Fl. K. M. Zur Fondirung der in Karlburg, Wieselburger Komitat, jüngst organisirten Normalschule 200 Fl. K. M. Auch der Großhändler Herr Herrmann Todesko in Wien sicherte jener Gemeinde einen jährlichen Zuschuß von 10 Fl. K. M. zu. Der christlichen Kleinkinder-Bewahranstalt zu Tyrnau spendete der hochherzige Menschenfreund S. v. Rothschild ein Geschenk von 200 Fl. K. M. —. Daß die Preßburger israelitische Jugend einen Schritt zur Verbesserung des Kultus gethan, daß sie in einem kleinen Bcthause einen Chorgesang einführte, und viele der Reichen besonders der Gelehrten dazu getreten, besonders die Partei der Kassinv, ist schon nichts Neues, doch neu und der Neuheit unpassend ist es, daß von Seiten der Gemeinde so starr dagegen mit allen Waffen protestirt wird. Sie petitionirten bei der Statthalterei, und es stehet eine Umwälzung zu erwarten. E. P. in K.