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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-03-25 · Heft 13 (25.3.1844) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 13 (25.3.1844)
Date
1844-03-25
Page
Seite 187 (sequence 11)
Language
German
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187 men? Diese Unterdrückung hat in den Juden die edleren Empfindungen erstickt, so wie der Druck tim gend veredelt, niemand verbessert, höchstens die Menschen einander entfremdet; er versperrt den Weg zur wahren Tugend, und indem er die Theilnahme an dem öffentlichen Leben unmöglich macht, prägt er der Privattugend einen gewissen Charakter der Bitterkeit ein, oder er macht egoistisch und gleichgütrig für Alles, was nicht einen materiellen Nutzen liefert. Uebrigens ist cs ein illusorischer Zustand, wenn den Juden in der Theorie die bürgerlichen Rechte versagt werden, und sie dennoch durch ihr Geld mächtig, dem größten Staate nach Belieben eine Richtung s?!) geben können. Sie sind von den Zünften und Innungen ausgeschlossen und wissen durch ihre unermüdete Emsigkeit und ihren kühnen Unternehmungsgeist diese mittelalterlichen Institutionen mit Schlauheit zu umgehen und die Vortheile derselben zu entbehren. Eine neue Bewegung hat die Schranken der alten Zeiten durchgebrochen und die theoretische Stellung der Juden ist zur Satire geworden, über die sich die Praxis lustig macht. — Judenthum und Christenthum haben einander seit zweitausend Jahren unaufhörlich verfolgt und zu bekämpfen gesucht, aber keines von beiden hat gesiegt, und es scheint, beide sind des Kampfes überdrüssig geworden. Das unablässige Streben der Juden nach Emanzipation und die Theilnahme die sie beim Christcnthum gefunden, sind unläugbare Zeichen, daß beide anfangen, die Schranken niederzureißen, die sie bisher abgesondert hielten. Bei zwei mächtigen Nationen sind diese Schranken schon gänzlich verschwunden, und die Folgen hiervon widerlegen mehr als hundert Argumente die Prophezeiungen und Raisonnements der Gegner. — In England sind vor nicht langer Zeit noch die Katholiken mit den Juden in einem Range gestanden. Gegen die Emanzipation der ersteren wurden daselbst fast ganz dieselben Gründe angeführt als bei uns jetzt gegen die Juden, endlich hat die Intelligenz gesiegt, und man hat jetzt beinahe schon vergessen, daß die beiden Konfessionen einst unterdrückt waren. Demungeachtet wurde die Staatsmaschiene nicht aus ihrem Geleise verrückt, noch war irgend eine bedeutende Veränderung im soziellen Leben bemerkbar. Lassen wir die Sache von selbst gehen, der Zeitpunkt, der nicht ausbleiben kann, wird sich schon einstellen, so sprechen diejenigen, die weder die Unebenheit der bestehenden Verhältnisse für immer beibehalten wollen, noch es wagen entschieden und bestimmt aufzutreten. Aber glauben wir nur nicht, daß wir durch ein so schwankendes Verfahren zum Ziele kommen. Menschen die Rechte der Freiheit und der Menschheit zugestehen, eine tausendjährige Ungerechtigkeit wieder gut machen, das sind Pflichten, bei deren Erwähnung die Sturmglocke von Debrezin verstummen muß. Meiner Ansicht nach hält das Warten auf einen Messias die Juden nicht ab, gute Staatsbürger zu sein. Ich will nichts mehr von ihnen als daß sie nur so lange gute Staatsbürger sein sollen. — Bezüglich auf diejenigen, welche die Frage der Emanzipation verschieben wollten, bemerkte ein Redner: wenn die l. Stände diese Frage nicht verhandeln hätten wollen, so würden sie es ausgesprochen haben, als die Petition der Juden cingebracht wurde; da sie jedoch diese Petition zur Begutachtung an die Kommission wiesen, haben sie zu erkennen gegeben daß die Emanzipationsfrage verhandelt werden soll. Jetzt dürfte sie um so weniger aufgeschoben werden, da es sonst den Anschein hätte, daß dieß in Folge der von 300lt D. Bürgern unterschriebenen Petition geschehe. Ich wundere mich über diese Petition gar sehr, da sie von Bürgern einer Stadt kommt, deren 50,000 (£. starke Bevölkerung aus Ungarn und zwar Protestanten bestehet, die hinsichtlich ihrer religiösen und politischen Grundsätze nicht beschrankt zu sein, den Anschein hat. Wenn der türkische Sultan Soliman, der bei der Nachricht von K. Ferdinands Tode 15*4 äußerte: er zweifle nicht, daß dieser gute Mensch in's Paradies kommen werde — das Paradies zugänglich einem Christen glaubte, ist es nicht wunderlich, daß die protestantischen Bürger D's die Juden nicht nur von dem Genüsse der bürgerlichen Rechte, sondern auch von ihren Mauern ausschließen wollen. Wollen die l. Stande in dieser Gesinnung nicht etwa die allgemeine Gesinnung der Protestanten sehen; denn wäre dieß ein Gesetz des Protestantismus, so würde er sich schämen ein Protestant zu sein, und die Protestanten würden sich nicht trauen den allgütigen Gott, den gemeinschaftlichen Vater des ernsten Engländers und des Indiers am Huron, des gebildeten Franzosen sowie des einfältigen Eskimo mit den Worten „Vater unser" anzurufen. Die 83. D's

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