Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1844)
- Date
- 1844-03-25
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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181 geführt hat und weiter führt, wir mögen wollen oder nicht. —. In Bruno Bauers Literatur-Zeitung Januarheft Seite 6, bezüglich des Pauperismus, wird den wohlhabenden Klassen, gegenüber den dürftigen, der Borwurf gemacht: „Leicht ist über das gefallene Subjekt der Fluch eines unvernünftigen Urtheils geschleudert: es hat es nicht besser verdient!" und dann wird in dem ganzen Aufsatz (von Reichhardt) die herzlose Stupidität dieses leider so allgemeinen Urtheils nachgewiesen. Welche Benennung verdient nun nach diesem Maßstabe das frühere Urtheil Bauers über die Juden „sie seien durch ihr „Beharren selbst Schuld an ihren Leiden?" —. Eines der wichtigeren Ereignisse in unserm hiesigen Kreise ist das nunmehr angekündigte Eingehen der Jslerschen Schule, derselben, die erst im vorigen Jahre ihr fünfzigjähriges Jubiläum gefeiert hatte. Es ist dies ein bedauernswerthes Ereigniß, das jedoch, nach unserer Meinung darin seinen Grund hat, daß diese Schule, gleich größeren Erscheinungen unserer Zeit, ihrem Ursprungsprinzip nicht treu geblieben ist. Sie war nämlich früher das erste hiesige Institut, das dem Fortschritt huldigend, eine zeitgemäße Bahn einschlug, beobachtet jedoch in der neueren Periode eine Haltungslose sogenannte Neutralität, die endlich in den letzten Jahren in den Versuch förmlich retrograder Tendenzen umschlug und — umschlug. Außer den zwei Armenschulen (Talmudtora und Freischule, zusammen etwa 400 Schüler) und einigen Elementarschulen haben wir von jüdischen Instituten jetzt nur noch das Fränkelsche, welches unter der relativ ansehnlichen Zahl seiner Pensionärs über die Hälfte Christen zählt; — die meisten bemittelten jüdischen Knaben besuchen — da die hiesigen öffentlichen Schulen nicht sehr beliebt sind — christliche Privatschulen, von denen eine einzige (Bolte) deren HO—60 enthält. Wohin dies am Ende führen wird, ist schwer zu berechnen, da den oberflächlichen Katechismus-Unterricht allenfalls abgerechnet, der jüdische-religiöse Unterricht, wozu wir jüdische Bibelkenntniß und einige Bekanntschaft mit dem Hebräischen unentbehrlich erachten, aus Mangel an genießbaren Lehrern fast ganz fehlt. In Folge der jüngst erzählten Locken-Raubs-Geschichte hat die neue Beerdigungsgesellschaft nach gehaltener Generalversammlung eine Kommission zur Revision ihrer Statuten ernannt, welche sich besonders vorgesetzt hat, die verschiedenen kabbalistischen und abergläubischen Praktiken zu beseitigen. Das deutsche Ausland wird es z. B. schwerlich glauben daß hier, mit Ausnahme der portugiesischen Gemeinde die Reinigung der Leichen auf die empörend unanständige Weise vorgenommen wird, daß man den völlig nackten Körper aufrecht stellt und ihn, während zwei Personen ihn in dieser Stellung halten, neun Kellen Wasser über den schlaff niederhängenden Kopf gießt. (!!) —. Die nur durch die Voraussetzung eines eingewurzelten Wahnsinns entschuldbaren Aufforderungen des Amsterdammer Juden-Feind es Hirsch Lehren, worin derselben unter Genehmigung seines sauberen Spießgesellen Gagin die Errichtung des Hospitals in Jerusalem hintertreiben will, sind auch hierher gelangt, und werden, wie es solchen Energumenen gewöhnlich geht, das Gegentheil von dem bewirken, was sie beabsichtigen; nebenher jedoch dazu beitragen, den Abscheu und die Verachtung noch zu vermehren, mit der die geringe Zahl solcher bigotten Fanatiker betrachtet wird. Allein ist das denn der einzige Fall dieser Art? haben nicht auch solche Subjekte in Deutschland, England, Polen, Frankreich, Holland ihr „der Verwesung lieber als der Freiheit!" jedem Fortschritt der jüdischen Gemeinden in Kultus, Unterricht, Industrie, Bürgerthum, Geselligkeit u. s. w., oft mit Erfolg entgegengerufen? haben sie sich minder entblödet zu der Rolle von Denunzianten a^-icnn herab (?) zu steigen und abtrünnige Renegaten zu Hülfe zu nehmen? Und wenn wir europäische Rabbiner bei jeder Gelegenheit zur Wahrung ihrer Dogmen, oder vielmehr ihrer Macht und ihres Einflusses (denn darum ist es Herrn Gagin und seinen Gesinnungsbrüdern einzig und allein zu thun) an die Polizei appclliren sehen, warum sollte denn ein Unwissender naiv-abergläubischer, aber am Ende doch mit einer wirklichen Macht bekleideter Rabbiner, die Stöcke der Kawassen nicht gegen die Fußsohlen seiner untergebenen Heerde in Anspruch nehmen? —' Berlin, 13. März. (Privatmitth.) Der Dr. Bergson, Vers, des ausführlichen Werkes über die Beschneidung, Hierselbst hat vom Senate der freien Stadt Frankfurt am Main folgendes, unter