Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1844)
- Date
- 1844-03-18
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 „ein beklagenswerther Jndifferentismus herrschend „ist" —ich danke für den schönen Knix, Herr Wagner! — „daß er jedoch hier mehr und schärfer, als „an anderen ähnlichen dem Handel und Gewerbe fast „ausschließlich ergebenen Orten hervortrete, dünkt „ihm eine gewagte Behauptung." — Entweder Sie oder ich, Einer von uns, Herr Wagner, muß seine Logik, wenn er je solche gehabt hat, vergessen haben. Soll das eine Vertheidigung sein, daß noch in anderen Gemeinden der Jndifferentismus zu Hause ist; wird dadurch das Unrecht besser, daß nicht Einer allein ein Monopol darauf hat, oder auch die Lüge wahrer, wenn sie auch noch in anderen Häusern einquartirt ist? Sind auch noch andere Gemeinden indifferent, so wird auch noch über sie die Geißel geschwungen werden; so werden auch noch sie zittern am Tage des Gerichts. Sie nehmen den Mannheimer Jndifferentismus in Schutz, weil die Gemeinde sich fast ausschließlich dem Handel und Gewerbe ergiebt, das heißt mit anderen Worten, weil er einmal da ist und — nicht wahr? — weil Alles was ist, auch vernünftig ist —wissen Sie, daß ich Sie, wenn Sie nur noch einige Jahre jünger wären, als Junghegelianer denunziren könnte? Und kann es Ihnen ernst mit diesem Grundsätze sein, giebt es unter der jüdischen Jugend in Mannheim keinen rouo, der ist und dennoch höchst unvernünftig ist, sind Sie nicht auch, und dennoch — ja, und dennoch —? Mannheim ergiebt sich fast ausschließlich dem Handel und Gewerbe—aber der Jude soll sich nicht ausschließlich und nicht fast ausschließlich dem Handel und Gewerbe ergeben. Das Judenthum verachtet zwar nicht die reale Seite des Lebens, fodert sie vielmehr; aber sie soll vom Idealen gehoben und getragen sein. Der Jude soll Mensch sein mit allen menschlichen Beziehungen, aber das Göttliche muß auch in ihm aufgehen, er muß sich zu Gottes Ebenbildlichkeik hervorringen und hervorarbeiten. Und der Jude in unserer Zeit der kräftigen Regsamkeit, wo das weltgeschichtliche Urtheil über ihn gesprochen werden soll, wo der Zeitgeist über ihn zu Gerichte sitzt, wo Himmel und Erde wiederum zu Zeugen gegen und für ihn aufgerufen werden — darf er sich fast ausschließlich dem Handel und Gewerbe ergeben? Und sehen Sie nicht ein, daß, während der Jndifferentismus in Ihrer Gemeinde von Ihnen zugegeben wird, Sie sich anklagen, schwer anklagen? Sie sind Theologe, sind Klausrabbiner, und sehen dem Jndifferentismus zu und schweigen, rappeln und trappeln nicht, daß die Schläfer erwachen und sich schämen, ihre Operngucker weglegen und sich schämen und ihre Glacehandschuh ausziehen und sich schämen, ja ihrer Leerheit und Hohlheit sich schämen? Welcher Theologe vom Jndifferentismus so kalt und schaal, wie Sie das thun, sprechen kann, ohne Entrüstung, ohne Wehmuth, der ist selbst nicht frei — verzeihen Sie Herr Ritter — vom Jndifferentismus. Indessen sucht Herr Wagner, damit man ihn ja nicht für den Verfasser des Artikels halte, wenigstens die Fakta zu widerlegen, aus denen dort aus Jndifferentismus geschlossen wird. Wir glaubten die Ressource hielte nur die Zeitung des Judenthums; er versichert, daß sie auch den „Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" halte, folglich nicht indifferent ist. Herr Wagner! auf einen solchen total vernichtenden Schlag war ich nicht gefaßt, der war unbarmherzig geführt. Da ich mir jedoch fest vorgenommen habe nicht zu unterliegen, so sammle ich meine Kräfte, raffe mich auf und behaupte kühn und keck: man kann den „Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" halten, ja sogar lesen und noch dazu die vom Redakteur dieses Blattes herausgegebenen Predigten und dennoch indifferent sein. Das kann ich Ihnen beweisen — doch nein Sie und die Ressource müssen mir auf's Wort glauben. Herr Wagner behauptet, man habe unfern Bericht in und außerhalb der Ressource mit allgemeiner Entrüstung gelesen; Herr Wagner müßte alsdann weder in, noch außerhalb der Ressource gewesen sein — da man bei ihm auch gar Nichts von Entrüstung wahrnimmt. Was die Nichtbetheiligung an den von ihm angekündigten Vorlesungen betrifft, so muß ich noleus volens Herrn Wagner beipflichten, da ihm natürlich eher, als jedem Anderen ein Urtheil darüber zukömmt. Ich bewundere dabei seine Bescheidenheit und bedaure nur, daß ein gewisser Antisthenes, wie sonst durch die Löcher des Mantels, jetzt durch die Lücken seiner Worte hervorguckt. Der vorgebrachte harte Tadel, soll nach Herrn Wagner nicht deren Angestellte, überhaupt keine Person, sondern die ursprüngliche Tendenz treffen. An dieser Stiftung sind, so viel wir wissen, zehn Theologen mit nicht unbedeutender Besoldung, wol aber