Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1844)
- Date
- 1844-03-18
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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emanzipiren, und zwar unter solchen Umständen, wo die Meisten damit unzufrieden sind und gegen dieses Ansinnen hier im Angesicht des Vaterlandes ihre Stimme laut erheben. Dieß wäre auch gegen die Billigkeit gehandelt; denn als von den Komitaten die Rede war, haben die l. Stände jene Rechte verweigert, die sic ihnen jetzt in den k. fr. Städten ertheilen wollen. Dieß wäre eine schwere Verletzung eines nicht zu verwerfenden Theils der Nation, die mit traurigen Buchstaben im Buche unserer Geschichte ausgezeichnet bliebe. Diese Idee hat beim Volke, besonders bei den k. fr. Städten noch keine Sympathie gefunden. Wollen Sie es auch foryiren, l. Stände? Das Foryiren führt zu keinem Ziele, kann vielmehr nur schaden. Lassen wir uns von dem Beispiele des Auslandes hinsichtlich der Emanzipation nicht beirren. -Auch führten sie das Werk der Emanzipation nicht mit einem Zuge. Mögen sie sich mit dem für jetzt begnügen, was ihnen das Gesetz 29: 1840 giebt, da cs ohnehin noch eine Frage ist, ob sie diesem bisher Genüge geleistet haben. Haben sie stehende Familiennamen? haben sie gesetzmäßig geführte Matrikel? fassen sie ihre Dokumente in der Nationalsprache ab? — Indem ich im Namen meiner Sender die eingereichte Petition der Theilnahme der l. Stande empfehle, erkläre ich im Namen und Person derselben mich in Folge der aufgczählten Gründe mit der in Rede stehenden Bestimmung des Operals nicht einverstanden. — Auf die Provokation des Stadtdeputirten auf M. Block bemerkte ein Redner, daß den Behauptungen dieses Menschen um so weniger zu trauen, als derselbe ein getaufter Jude ist, und die Renegaten gewöhnlich die größten Feinde der von ihnen verlassenen Religion sind, und also in dieser Beziehung keinen Glauben verdient. — Unter den Vertheidigern äußerte sich einer folgendermaßen: die Gegner der Emanzipation haben im Vergleiche mit den Vertheidigern derselben bisher immer ein glückliches Terrain gehabt, denn sie haben den Widerspruch, in welchem der Jude als solcher zum christlichen Staate steht, mit Nachdruck hervorgehoben. Ihre Auffassung und Darstellung des Judcnthums ist hart und parteiisch, denn Sie haben den Staat, der den Juden die bürgerlichen Rechte verweigert, nicht eben einer solchen strengen Kritik unterzogen, als die Juden selbst. Blicken wir um uns auf alle zivilisirten Länder, fassen wir ihre Konstitutionen und innern sozialen Verhältnisse recht in's Auge, so finden wir, daß die Juden nicht die eigentlichen Urheber der verschiedenen daselbst herrschenden Laster sind. In Polen z. B. haben sich die meisten Juden niedergelassen; die Brandweinhauser kamen bald in ihre Hände und somit die sittliche Kraft des Volkes; aber was kann der Jude dafür, daß die moralische Kraft des polnischen Volkes in einem Glase Branntwein liegt, daß es darin Nahrung und Trost für die Unterdrückung seines Grundherrn und seiner sonstigen harten Lebensverhältnisse sucht? Es ist die Last der Verfassung, die den Bauer drückt und ihn gleichsam an die Juden verweist. (Fortsetzung folgt.) Lemberg, 20. Februar. (Privatmitth.) Wir übersenden anbei unfern Bericht über das Jahr 1843, und bitten um gefällige Ausnahme. Gleich nach dem Peßachseste tritt unser Herr Abr. Kohn sein Prcdigtamt allhier an. Der Vorstand. Das im Zeitenstrome hingeflossene Jahr brachte unter so manchem Geräusche, auch manche neue Erscheinungen in unserer Gemeinde zum Durchbruche. Folgende Zeilen mögen hierüber der.Oeffentlichkeit Rechnung legen. Am 30. Mai, als am a. h. Namensfeste Sr. glorreichen Majestät, unseres allergnädigsten Kaisers und Herrn, Ferdinand 1., erfolgte die Aussteckung der Baulinien zur Gründung .des deutsch-israelitischen BethauseS auf dem, von der k. Hauptstadt Lemberg mit Bewilligung der h. Landesregierung und der a. h. Hofkanzlei käuflich der Gemeinde überlassenen erblichen Grunde, sub No. 431 3/4, da der frühere Ankauf des Baugrundes No. 557 aus Anlaß der dawider von dem Konvente der Benediktinerinnen zu Allerheiligen als Grundobereigenthümer, erhobenen Einsprache rückgängig gemacht werben mußte"). Bei dieser Gelegenheit können wir das Gefühl der' innigsten Danksagung an. den werkthätigen Herrn Bürgermeister, Gerard Ritter von Festenburg"") ö) Vergl. Lemberger Zeit. No. 64 und Allg. Zeit, des Zud. Jahrgang 1843. No. 27. S. 398. *") Unvergeßlich bleibt die, bei Gelegenheit seiner feierlichen Jnstallirung als Bürgermeister dieser königl. Haupt-