Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1844)
- Date
- 1844-03-18
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Repräsentanten Großbritanniens zustellen. Auch andere Diplomaten werden sich für die Sache unsrer Religion interessiren. Wir muffen eine eklalante Genugthuung haben. Wir werden an Sir Moses nach London schreiben, damit er bei der Negierung Ihrer Brit. Majestät eine Note erlange, welche die israelitische Bevölkerung dieser Gegend unter den unmittelbaren Schutz des englischen Gesandten stelle." — Moldau und Wallachei. Zassy, 18. Februar. In vielen Zeitungen wurde wiederholt der Raub eines Judenkindes besprochen, das wider den Willen seiner Mutter getauft und in ein Kloster gesteckt worden. Da die Mutter preußische Unterthanin war, so forderte der preuß. Generalkonsul Ritter Neigebauer nachdrücklich das Kind zurück. Wiederholt wurde derselbe abschläglich bcschieden, bis seinen kräftigen Demonstrationen nachgegeben ward. Er erhielt folgende Note: „Das Staatssekretariat beehrt sich, auf die Note des Herrn Generalkonsuls No, 1652 im Aufträge Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten zu erwidern, daß, obwol das nach den Satzungen der morgenländischen Kirche getaufte Kind des Feige Mandelbaum nicht wieder zurückgegeben werden sollte, dennoch, um dem Herrn Generalkonsul einen neuen Beweis von Bereitwilligkeit und des herrschenden guten Einverständnisses, welches fortwährend gewünscht wird, zu geben, anbefohlen worden ist, daß das Kind der Mandelbaum einem Kurator übergeben werde. Zugleich ersucht der unterfertigte Staatssekretär, diesen Kurator dahin anzeigen zu wollen, damit ihm das Kind übergeben werden könne ic. Jassy, 1V. Jan. 1844. Theodor Baltsch." Oesterreich. PreHburg, 1. März. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei einen Bericht über die wichtige Reichstagssitzung vom 9. Februar"). Ich habe die feindselige Rede des Debreziner Stadtdcputirten in ihrer ganzen Länge gegeben, weil sie einmal wieder zeigt, zu welchen Behauptungen Haß und Vvr- ")Jn No. lv steht irrthümlich „Preßburg 11. November" statt „11. Februar." Redakt. urthcil unausbleiblich und immer wieder führen. Sie treten so kraß auf, daß gewiß an eine Widerlegung nicht gedacht zu werden braucht. Wie lächerlich, wie voll Unwissenheit ist z. B. die Forderung, die er an die Juden stellt, öffentlich dem zu widersprechen, dem schon so oft widersprochen worden, ohne bei ihm und Seinesgleichen damit eine Wirkung hervorzubringen. Reichstagssitzung der l. Stände am 9. Febr. — Längere Debatte verursachte der §. 89 oder vielmehr diejenigen Worte desselben, vermöge welcher die Juden in den fr. Städten das Bürgerrecht erhalten.— Ein Stadtdeputirter (aus Debrezin) hielt hierüber folgenden Vortrag. Als dieser Gegenstand in der Zirkularsitzung verhandelt wurde, habe ich zufolge meiner Instruktion im Namen meiner Sender meine Stimme gegen diesen Punkt erhoben, und die l. Stande gebeten, diese sehr wichtige Frage, wenn sie schon einmal verhandelt werden muß, nicht in Verbindung mit der Koordination der innern Städteverfassung, sondern selbstständig in Verhandlung zu nehmen; aber mein mit Argumenten unterstützter Vorschlag verhallte ohne Erfolg, wurde sogar von mancher Seite hart gerügt. Monate liegen, zwischen dem heutigen und jenem wichtigen Tage; Jedermann hat Zeit gehabt nachzudenken und Entschluß zu fassen, auch ich habe während dieser Zeit genau mit mir abgerechnet über die Emanzipation der Juden und zwar ohne jedes Vorurthcil (?) und ganz unbefangen. Ich habe mir alle jene Worte in's Gedächtniß zurückgerufen, die von den Vertheidigern der Judenemanzipation zur Widerlegung meines Vortrags angeführt wurden; — brennender Schmerz war der am 10. Oktober gefaßte Zirkularbeschluß, demzufolge die Juden das Bürgerrecht in den k. fr. Städten erhalten, meinen Sendern; wie ein Sturmgeläute erscholl unter ihnen die niederschlagende Nachricht, und laut aufschreiend schickten sie uns von weiter Ferne eine im Namen vieler Tausend unterschriebene Erklärung mit der Anweisung, dieselbe den l. Ständen vorzulegen. Bevor jedoch diese Erklärung verlesen wird, will ich hier einige Worte gegen das Bürgerrecht der Juden sprechen. Worte, die der Nachhall ein in Patriotismus und im Eifer für die Nationalität niemals zurückgebliebenen friedlichen Stadt von 50,000 E. ungarischer Zunge begleitet. Im Namen dieser erkläre ich es, vor dem Angesichte des ganzen Vaterlandes, daß sie die Emanzipation der Juden für eine übereilte Un-