Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1844)
- Date
- 1844-03-18
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 „Und gleich dem hohen Gebirge, dessen Spitzen gekrönt sind mit Schnee, Sotten die tausend Thürme des Tempels im golnen Sonnenschein glänzen. Und vor ihren Altären soll die Gemeinde stehen Auf Deinen Ebenen, o theures Jerusalem, dem glücklichen, heiligen Lande!" Diese Verse wurden mit wahrem Enthusiasmus applaudirt. sMan denke sich diese Verse in einer öffentlichen deutschen Gesellschaft vorgetragen, wie würden die anwesenden Gaste, aber noch mehr die „gebildeten Juden" die Nase rümpfen! Man würde bald eine politische Unmöglichkeit der Juden daraus demonstriren. In Amerika bringt man aus die bürgerliche Gleichheit Toaste aus, und rezitirt nebenbei Verse des glühendsten Enthusiasmus. Beide applaudirt man, denn jene sind die Wahrheit, diese die Dichtung, und beide weiß man zu trennen und zu schätzen. Redakt. s Syrien. Beyrut, 10. Januar. (Times). Gegen Ende des Dezembers, einige Tage nach der Ankunft des neuen Pascha Haider zu Jerusalem, ging ein algier'- scher Jude, der nicht wußte, daß es den Juden verboten sei, vor der Kirche des h. Grabes zu passiren, in der Nahe dieses Gebäudes. Sogleich überfiel ihn eine Bande christlicher Fanatiker, die ihn schrecklich mißhandelte und ihn für todt liegen ließ. Als der Unglückliche sein Bewußtsein wieder erlangt hatte, begab er sich zum französischen Konsul, Herrn von Lentivy, und unterrichtete ihn davon. Der Konsul richtete sofort eine Klage an den Pascha, der die Schuldigen arretiren ließ. Diese Maßregel machte große Sensation bei der christlichen Bevölkerung; man berief sich auf den alten Gebrauch, der den Juden die Nachbarschaft der Kirche verbot; die Priore der lateinischen und griechischen Konvente legten sich in's Mittel. Aber der Herr von Lentivy wollte von Nichts hören, und stützte sich auf das oberste Gebot „Du sollst nicht tödten!" Da jedoch die Priore ihr Wort verpfändeten, daß keine derartige Beleidigung wieder Vorkommen sollte, so willigte Herr v. L. in die Freilassung der Schuldigen nach einigen Stunden unter Bezahlung der Kurkosten. Außerdem veröffentlichte der Pascha einen Befehl, der den Christen unter schwerer Strafe verbot, in Zukunft die Juden zu mißhandeln, die vor der Kirche des h. Grabes vorübergehen. Türkei. Konstantinopel, im Februar. Das douru. de Consiaut. vom 26. Januar enthalt Folgendes. „Das oberste Tribunal, beauftragt, ein Urtheil über die von den Griechen den Israeliten von Marmora gemachte Beschuldigung, vor Kurzem ein Kind getödtet zu haben, zu fallen, hat gestern seine Sentenz erlassen. So wie es die Vernünftigen erwartet haben, spricht dieselbe laut die Unschuld dieser Unglücklichen aus, indem sie zugleich die Falschheit und Ungerechtigkeit der gehässigen Anklage, die die Bosheit gegen sie gerichtet hat, offen darlegt." — Eine Privatmitth. in den Arch. isr. de France spricht sich folgendermaßen aus. „Die Griechen sahen schon ihre Niederlage voraus, denn eines ihrer Schreiben aus Marmora, das in unsre Hände gelangte, lehrte uns, daß sie über die Sympathie, welche die Israeliten den Europäern eingeflößt, erschrocken waren. Sie hätten gern noch einige Summen gespendet, um sich aus der Sache zu ziehen. Aus demselben Briefe ersahen wir ihre Absichten; es heißt darin: „Unser Plan, die Juden von der Insel zu verjagen, ist gescheitert. Hoffen wir, daß ein andrer Plan bessern Erfolg haben werde." — Trotz dem Urtheil fürchten wir für unsre Brüder, die nach Marmora zurückkehren, um unter ihren Unterdrückern zu wohnen, die der Triumph der Unterdrückten nur begieriger nach Rache gemacht haben wird. Wir wollen auch, daß eine solche Verleumdung nicht ohne Strafe bleibe, um den Griechen die Hoffnung zu nehmen, daß ein neuer Versuch günstigern Erfolg haben könne. Unsere türkischen Glaubensgenossen sind mit ihrem Triumph zufrieden, und wollten sich zurückziehen. Wir europäische Israeliten aber, wir ziehen uns nicht zurück. Wir wollen von der Regierung Sr. Hoheit einen Firma» haben, der die stärksten Strafen den Fanatikern stellt, welche ähnliche Anklagen in Zukunft zu erneuern dächten, und wir wollen unterdeß, daß die jüngsten Verleumder bestraft werden, damit ihr Beispiel Anderen die Lust der Nachahmung nehme. Wir werden deshalb eine neue Petition dem erlauchten