Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1844)
- Date
- 1844-03-11
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Mann heißt, der jetzt auf dem Throne sitzt. Wir wot- Len deßhalb die königlichen Landkommissariate, nicht anklagen; es besteht eben keine gesetzliche Vorschrift darüber, und ist Alles dem Ermessen des Einzelnen zu sehr überlassen, wenn nicht in der allegirten Verordnung von 1823, in der Verfügung, daß nur da, wo die Gemeinde sich an ein Rabbinat anschließt, eine Synagoge geduldet werden solle, allerdings die Konkurrenz des Rabbiners bei allen Angelegenheiten der Synagoge, des jüdisch religiösen Lebens implicite schon ausgesprochen ist. Jedenfalls muß der Rabbiner durch das Jgnoriren der Behörden im Ansehen bei seinen Gemeinden sinken, und das religiöse Leben seiner Auflösung entgegen gehen; da kann die allerhöchste Absicht, welche „in Berücksichtigung des wohlthatigen Einflusses, den gehörig qualisizirte Rabbiner auf die moralische und religiöse Bildung ihrer Glaubensgenossen ausüben" (Worte der allerhöchsten Entschließung vom 12. Januar 1825,) die Gründung der Rabbinate hervorrief, nie ihren Zweck erreichen. Füget man hinzu, daß auch die äußere, materielle Stellung der Rabbiner größtentheils wahrhaft erbärmlich ist, indem ihr Gehalt, so wie ihre Kasualien, die sich in der Pfalz ohnedies fast nur auf die Trauungen beschränken, so niedrig und unbedeutend sind, daß sie heutzutage bei der Theuerung der nothwendigsten Lebensbedürfnisse, selbst wenn sie auf alle geistige Nahrung Verzicht leisten wollten, unmöglich mit Familien ehrenvoll — bestehen können: so wird das Bild von dem religiösen Leben der Israeliten, besonders in der Pfalz, vollständig, aber trübe und düster in seinen schaudervollen Schatten gespensterhaft hervortreten, und die Aufgabe, welche auch von dieser Seite den Israeliten gestellt ist, wird klar und bestimmt sich herauslesen lassen. An den Israeliten nämlich ist es zuerst, die Stellung ihrer Rabbiner innerlich ehrenvoll, äußerlich erträglich zu machen. Die Kirche, die ihre Diener nicht ehrt, entehrt sich selbst; die Religion, .die ihre Lehrer verachtet, geht ihrem unvermeidlichen Untergange entgegen, schon aus dem einfachen Grunde, weil sich dann nur inepte Kretins, nur geistes- und körperschwache Thoren, die eben zu sonst nichts taugen, diesem wichtigen Berufe widmen werden, statt daß umgekehrt gerade eine unterdrückte Kirche, wenn sie sich in den sie umgebenden Stürmen erhalten will, recht tüchtige Lenker haben muß, und nur die fähigsten, kräftigsten Geister ihrem Dienste sich weihen sollten, wie dies in der That auch vor einem bis zwei Jahrzehnden die rüstigsten jungen Männer thaten, damals als sie einen ihren Kräften angemessenen Wirkungskreis in diesem Berufe erwarteten, als man mit so rosenfarbener Hoffnung der Unterstützung der Regierungen in dieser Beziehung und deren Beförderung eines freien, geistigen Aufschwungs unter den Juden entgegen sah. Wie manche dieser Hoffnungen sind aber seitdem erblaßt; darum müssen die Juden selbst ihre Rabbiner um so mehr in Ehren halten, damit nicht am Ende alle tüchtigen Köpfe von ihren religiösen Bestrebungen sich lossagen, und wenn von irgend einem, so gilt von den Juden der Ausspruch eines ihrer alten Weisen: „Bin ich nicht für mich, wer ist denn für mich? — Der Staat kümmert sich wenig um euere religiösen Angelegenheiten; die deutsche Krämerzunft sieht mir Scheelsucht auf euere moralische Erhebung — und Dornen und Disteln müssen wuchern auf dem Felde eueres Glaubens, wenn auch ihr der Beachtung, der eifrigsten Sorgfalt es entzieht.— Wenn die Behörde euern Rabbiner nicht auffordert, so ist es euere Pflicht, es euch zum Gesetz zu machen, keinen Vorsänger oder Lehrer oder Vorsteher in Vorschlag zu bringen, über deren Tauglichkeit ihr das Gutachten desselben nicht eingeholt habt. Es ist das nicht unwichtig, abgesehen davon, daß ihr nur eine schuldige Pflicht gegen den Rabbiner damit beobachtet, diesem sein Amt in seinen eigenen Augen als würdevoll und ehrbar erhaltet, wenn ihr nur die eine Seite in's Auge fasset: daß ihr euch dadurch eueres religiösen Zusammenhangs bewußt bleibt gleich den übrigen Konfessionen, und euere Kirche nicht in falbe Schatten zerstießt, ohne Halt und inner» positiven Grund. Ihr selbst müßt ferner, das fordert Ehre und Gewissen von euch, euere Rabbiner auch äußerlich so stellen, das wünscht selbst die erleuchtete königliche Regierung der Pfalz, wie dies durch mehrere Thatsachen nachgewiesen werden könnte, — daß sie sich Allen gegenüber unabhängig erhalten können, und bei ihrem amtlichen Wirken nicht sich selbst und ihre Bedürfnisse, sondern die objektive Wahrheit, daß außerhalb ihrer in ewig selbstständiger Wesenheit dastehende positiv Gegebene beachten, daß nur ihr Geist entscheide, und nicht ihr Magen ein Moment in die Wagschale lege. —" Hiernächst bespricht der Vers, die Schute, insbesondre die Religionsschule. So viel in der Pfalz die Juden für die Schulen gethan, so daß sie von 1823— 1838 fünfzig Schulen angelegt haben: so fehlt es doch an einem bestimmten Lehrplan, Alles ist der größten Unordnung überlassen. Der Verf. verlangt besonders die