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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-03-11 · Heft 11 (11.3.1844) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 11 (11.3.1844)
Date
1844-03-11
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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159 tärloge als auch die benachbarte Trierische wünschte daher auch nichts sehnlicher, als von diesem Zwang je eher, je lieber befreit zu werden; aber da dieses nur von der Mutterloge in Berlin ausgchen kann, so müssen sie sich in Geduld fügen. Man hat in Deutschland vielfach die Volksstimme geltend gemacht und gesagt, daß wenn auch die Gebildeten die Emanzipation wollten, das Volk sich doch nicht mit derselben befreunden könne. Sollte denn das Luxemburger Volk dem deutschen so weit vorangeschritten sein? Es wäre dieses wenigstens ein unbegreifliches Phänomen. Niemand wird nämlich den Mittlern und untern Ständen unseres Landes strengen, ja bigotten Katholizismus abstreiten und es genügt in dieser Hinsicht anzuführen, daß der bekannte Abbe Laurent Bischof in Chersonncs hier apostolischer Vikar und Chef des Kultus ist. Wie sich nun dieses bigotte katholische Volk zur Emanzipation der Juden verhalt mögen folgende zwei Fakten beweisen. Diesen Sommer hatten wir den allzu frühen Tod des in seinem 30sten Jahre verstorbenen Cers Godchaux zu betrauern. Derselbe begann seine richterliche Laufbahn als Advokat zu Arlon, wurde aber bald zum Ergänzungsrichter bei dem Tribunal daselbst ernannt. Von dort wurde er zum Richter in Diekirch befördert, welches er aber, als Diekirch von Belgien getrennt wurde, verließ, um in derselben Eigenschaft in Charleroy angestellt zu werden. Nicht lange hier angestellt, ward er nach Mons als Staatsprokurator-Substituten berufen. In allen diesen Aemtern zeigte er einen solchen Eifer, daß er im Begriffe stand zum Staatsprokurator ernannt zu werden, als ihn, der um sich von übermäßigen Anstrengungen zu erholen, während der Ferien hierher in den Schooß seiner Familie geeilt war, plötzlich der Tod hinwegnahm. Noch bei seiner Beerdigung zeigte sich die Liebe, welche er sich bei Vornehm und Gering in seinen verschiedenen wichtigen Aemtern zu erwerben gewußt. Nicht nur lag die Toga und das Wäret auf seinem Sarge, nicht nur ging dem Sarge eine Trauermusik voraus, sondern das ganze hiesige Justizpersonal und eine unzählige Menschenmenge erwiesen ihm die letzte Ehre und in den belgischen und hiesigen Zeitungen ward sein Tod als ein bedeutender Verlust für sein Adoptivvaterland und für seine Vaterstadt geschildert. Wenn also in dem erzkatholischen Belgien und dem nicht minder katholischen Luxemburg das Volk in dem tüchtigen Juden (und den nicht Tüchtigen soll und wird nirgends die Eman. zipation fördern) den Juden so weit vergißt, daß es ihn vertrauensvoll die in konstitutionellen Staaten so wichtigen Aemter des Richters und öffentlichen Anklägers, (letzteres vor Geschworenen) verwalten stehet, so muß ihm ein viel gesunverer Sinn einwohnen, als der Neid ihm zuzutrauen sich den Anschein giebt. (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gelpaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. In dem Verlage von H. Prausnitz in Glogau ist erschienen: Miro Allgemeines Gebetbuch für gebildete Bekenner der mosaischen Religion. Zum Gebrauch bei der öffentlichen und häuslichen Andacht. Fünfte und allein rechtmäßige Auflage. (Preis 1 Thlr.) Arnheim, Vollständigstes Gebetbuch der Israeliten für das ganze Jahr. Ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen. (Preis 15 Sgr.) Arnheim, Iozcroth für alle Sabbate des Sabres, in sorgfältig korrigirtem Texte. (Preis 15 Sgr.) Im Verlage des Unterzeichneten ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Predigten, Confirmations-, Trau- und Schnleinführnngs-Reden, von Di-. M. Heß, großherzoglich weimarischen Land-Rabbinen. Zweite Sammlung. Preis 25 Sgr. oder 1 Fl. 30 Kr. Rh. Der Ruf des Verfassers, sowie die überaus beifällige Aufnahme, welche die erste Sammlung seiner Predigten und Gelegenheits-Reden, von welcher noch Exemplare zu haben find, gefunden, überhebt mich jeder weitern Anpreisung. Hersfeld im März 1844. F. Schuster.

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