Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1844)
- Date
- 1844-03-11
- Page
- Seite 158 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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158 gewidmet und dem Gemeinde-Haushalt unter Mitwirkung eines intelligenten Vorstands, auch hohem Orts Anerkennung verschaffte. (Hierauf folgt eine ausführliche Darstellung der wirklich ausgezeichneten Wirksamkeit des Herrn Mändle, die wir jedoch beschränkten Raumes und des lokalen Interesses wegen hier nicht folgen lassen können, demselben aber auch unsrer Seits unsre Achtung bezeugend. Redakt.) Gelegentlich erhalten Sie auch die Anzeige, daß sich seit Neujahr, neben dem schon 10 Jahre bestehenden Leseverein zur Krone (israel. Wirthshaus), der unter seinen Mitgliedern, den hiesigen Honoratioren, christlichen und israel Bürgern, mit andern belletristischen Blattern auch Ihre geschätzte Zeitschrift, seit ihrer Entstehung zirkulircn läßt, ein „Lese- und Gesellschaftszirkel für Buchau und Kappel" konstituirt hat, als dessen Zweck in den vom Amte genehmigten Statuten angegeben wird: Kunde von den Zeitbegebenheiten und wissenschaftlichen Bestrebungen im Judenthume unter seinen Mitgliedern zu verbreiten und das Interesse an den Aufschwünge und die bessere Gestaltung der israel. Zustände anzufachen und zu beleben. Bei seiner ersten Zusammenkunft hat der Lese- und Gesellschaftszirkel beschlossen, in plouu dem von Ihnen vorgeschlagenen zweckmäßigen Literaturverein beizutreten, was Sie gefälligst zur Notiz nehmen wollen. — Viele Theilnahme hat hier Ihr „Aufruf an alle Rabbinen und jüdische Geistliche Deutschlands zu jährlichen Versammlungen," erweckt. Es knüpft sich daran die Lösung höchst wichtiger Zeitfragen. Nur befürchtet man, es möchten solche Versammlungen, an dem nicht in richtigem Verhältnisse mit den spärlichen Kassen der meisten Rabbinen stehenden kostspieligen Aufwand solcher Reisen scheitern. — Luxemburg, 28. Februar. (Privatmitth.) Wenn man in einem Lande lebt, wo die Frage, die im übrigen Deutschland so viele Federn und Köpfe in Bewegung setzt, ich meine die über die Emanzipation der Juden, durch drei Worte, ohne weitere Diskussion entschieden ist, da begreift man kaum, wie man dort vor lauter Bäumen den Wald nicht siehet, oder wie man den wichtigern Interessen des Staats - und sozialen Lebens durch die, ich möchte fast sagen, absichtliche, Verwirrung dieser Frage so viele Kräfte zu entziehen vermag. In unserer Verfassungsurkunde vom 12. Oktober 1842 ist diese Frage bekanntlich folgendermaßen gelöst: (Art. 42). „Es kann keine Verfügung getroffen werden, welche streiten würde J) mit der Gleichheit der Luxemburger vor dem Gesetze, ohne Unterschied von Religion, von Rang und Geburt; 2) mit der Freiheit religiöser Meinungen und Ausübung des Gottesdienstes." Einfacher und besser sollte ich meinen, kann diese Frage nirgends gelöst werden. Man beklagt sich vielfach in Deutschland, daß Luxemburg, obgleich dem deutschen Bund und jetzt auch dem Zollverein angehörig, obgleich aus einer deutschen Bevölkerung bestehend, dennoch dem französischen Wesen anhänge. Es ist dieser Uebelstand nicht abzuleugnen. Von Frankreich und Belgien hermetisch abgeschlossen, mit einer preußischen Besatzung, spricht und schreibt und liest man hier doch am liebsten französisch. Die französischen und belgischen Interessen liegen uns fern und den Deutschen wendet man sich dennoch nur mit Widerwillen zu und so kann es eigentlich zu gar keinem öffentlichen Leben kommen. Woher kommt cs aber, daß die Luxemburger lieber dieses eigentliche Vegetiren sich gefallen lassen, als sich mit voller, herzlicher Theilnahim Deutschland in die Arme zu werfen? Ich gestehe, daß die Emanzipation der Juden dabei nicht von unwesentlichem Einfluß ist, denn man schließt von Geringerm auf das Größere. Nicht blos daß die Gränzländer schärfer sehen, daß man hier zu Vergleichen zwischen diesseits und jenseits der Granze aufgefordert wird, sondern wir haben hier sogar in handgreiflichster Nähe den Unterschied und die Uebelstände, welche die deutsche Zähigkeit im Festhalten am alten Schlendrian in ihrem Gefolge hat. Es bestehen hier z. B. zwei Logen, eine Bürgerloge und eine preußische Militärloge, die sich gern zu einer vereinigen möchten, aber eben der Emanzipation der Juden wegen sich nicht vereinigen können. Denn wahrend dort Juden sind, können hier keine ausgenommen werden, während dort der Jude möglicherweise Meister vom Stuhl werden kann, kann er hier nicht einmal als einfacher Besucher zugeiaffen werden. Wenn man weiß, daß nur die Gebildetsten und Intelligentsten der Loge angehören können, so begreif! man wol leicht, wie dieses vereinzelnte Faktum schon hinreichend ist, die Antipathie gegen Deutschland immer dauernder zu machen. Sowol die hiesige Mil-