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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-03-11 · Heft 11 (11.3.1844) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 11 (11.3.1844)
Date
1844-03-11
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
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154 lung der gemeinschaftlichen Last und durch ein gutes Beispiel angeregt und lebhaft erhalten werden kann. Und so könnte auch ein Uebergangspunkt zu dem neuen Einhebungsmodus erstrebt werden, zu dem der Plan, in Folge eines im Dezember v. I. vom hohen Landespräsidio herabgelangten Urgens in diesem Augenblicke schon eingereicht sein muß; ein Modus bei dem sich die jüdische Bevölkerung einstweilen wird beruhigen können, bis unsere Bitten um gänzliche Abschaffung dieser unter jeder Gestalt drückenden Steuer erhört werden. Mögen sich nur unsere Wortführer nicht dabei beruhigen. —. Vor einigen Tagen wurde der Jahresbericht (1843) über den unter Auspizien des Gemeindevorstehers Herrn M. I. Landau, und unter unmittelbarer Leitung des um das Armen - und Krankenwesen hiesiger Gemeinde rühmlichst verdienten Herrn Med. Dr. Karpeles stehenden Nächstenliebevereines zur Unterstützung für verschämte israelitische Hausarme ausgegeben. Dieser Verein wurde in den Jahren 1836—37 von einigen jungen Männern (darunter der Herr Med. Dr. Schütz, Herr Ignaz Schütz, Herr Simon Gerstel) gestiftet und ist unterm 19. Apr. 1841 mittelst hohen Gubernialdckretes in die Oeffentlichkeit getreten. Die Zahl der Mitglieder damals 368 betrug schon im abgelaufenen Rechnungsjahre 563; die einjährige Einnahme, damals 754, dies Jahr 1235 Fl. K. M., der einjährige Unterstützungsbetrag damals 484, im abgelaufenen Jahre 910 Fl. K. M. und der Vermögensstand stieg von 315 aus 819Fl. K. M. An der Spitze des Verzeichnisses der Vereinsmitglieder steht der Name Seiner Fürstlichen Gnaden, des Freiherrn Schrenk auf Notzing, Fürst- Erzbischofs von Prag, Hochwelcher Sich an diesem so wie an mehreren anderen in unserer Gemeinde wirkenden Wohlthätigkeitsanstalten durch alljährliche Spenden zu betheiligen geruht. — —. Ein Brief von neuestem Datum aus New- Nvrk, der uns zu Gesichte gekommen, dürfte seinem Inhalte nach, besonders für Böhmen von Interesse sein. Er rührt von einem jungen Manne Namens Leopold Eidliz her, der nach absolvirten technischen Studien mit noch vier seiner ehemaligen jüdischen Mitschüler Böhmen verließ, um jenseits des atlantischen Ozeans Etwas zu erlangen, wozu sie hier zu Lande wenig Aussicht hatten, nämlich für gleiche Leistungen auch gleiche Rechte mit den anderen Einwohnern des gemeinsamen Vaterlandes zu genießen. Von dreien dieser jungen Leute, die sich zu der Zeit, als der Brief geschrieben wurde, im Innern des Landes befanden, um dort Grundstücke zur Bebauung anzukaufen, macht der Brief keine weitere Erwähnung. Er selbst ist in New-Uork bei einem Architekten in der Praxis, und hofft in wenigen Jahren Bürger dieser guten Stadt und Baumeister zu werden. Sein Freund — I. Klaber — hat gleichfalls ein technisches Gewerbe ergriffen. Bemerkenswerth ist, daß der Haß gegen das Schachern, dem er sich unter den hier bestehenden Verhältnissen hätte in die Arme werfen müssen, das Hauptmotiv seiner Auswanderung war. Von den acht böhmischen Juden, die sich in diesem Augenblick in New-Pork befinden, treibt nicht ein Einziger Kleinhandel. (Einer ist Arzt, drei Handwerker, zwei Techniker, und Einer Inhaber eines Agentschaftsbureaus), und alle diese fordern in ihrem Abscheu gegen das Schachern alle böhmischen Juden, die der traurigen Nothwendigkeit dieses Geschäft ergreifen zu müssen entgehen, und frei und ungehindert ein ehrliches bürgerliches Gewerbe betreiben wollen, auf, zu ihnen hinüberzukommen, und sie werden sie mit offenen Armen empfangen und ihnen zur Erreichung ihres Zweckes mit Rath und Thal behilflich sein; aber, wie er noch einmal warnend hinzufügt: Nur nicht schachern! Sie selbst beabsichtigen im nächsten Jahre unter sich und mit den in den Vereinsstaaten zerstreut lebenden böhmischen Juden einen Verein zu stiften um den ankommenden Landsleuten in Bezug auf Ankauf von Grundstücken und Unterkunft bei Gewerbsleuten behilflich zu sein. — Angesichts der politischen Stellung in welcher sich noch immer der böhmische Jude befindet, in welcher er, wenn er nicht reich ist entweder als Ladendiener, oder als Kleinhändler, oder als Handwerker in dem elenden Winkel irgend einer Judengasse verkümmern, und noch nebstbei für seine Existenz im Staate eine Extra-Taxe bezahlen muß, in keinem Falle aber nach eigener Wahl seine Kräfte zu seinem eigenen und des Allgemeinen Besten anwenden kann, ist jener Brief eine beherzigenswerthe Einladung, die gewiß viele unserer braven jungen Männer folgen würden, wenn sie ihnen durch die Unterstützung derer, welchen ihr Wohlstand ihre politische Lage minder unerträglich macht, anzunehmen ermöglicht würde. &.

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