Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1844)
- Date
- 1844-03-11
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225347--05899-3314683- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
150 Vorsehung, daß meine jünger», thatkräftigern Amtsgenossen, ihren hohen Beruf erkennend, mit religiösem Eifer und wissenschaftlichem Ernste auf meinen Ruf austraten gegen das zerstörende Prinzip, gegen jene Bestrebungen Ln: Allgemeinen, welche der sich Ln der hiesigen Gemeinde gebildet habende Verein unter dem täuschenden Namen „Reform" in Memoiren und Programmen so deutlich dargelegt hat; daß sie insbesondere auftraten, um unfern Glaubensgenossen die Verpflichtung zur Beschnei düng Ln den Schreiben und Gutachten, die ich dem Publikum hiermit vorlege, mit ernsten, eindringlichen Worten und klaren Untersuchungen an's Herz zn legen. Die beruhigende Hoffnung wurde mir hierdurch zu Theil, daß noch immer nicht schutzlos das durch alle sturmbewegte Epochen der Weltgeschichte wohlerhaltene Kleinod, das positive Judenthum, dem verheerenden Orkane eines mißverstandenen und mißbrauchten Zeitgeistes preisgegeben wird, daß sich noch Streiter für den Herrn erheben, wenn Gesetz und Lehre den wechselnden und wandelbaren Zeitbegriffen anheimfallen sollen." —. Allerdings nun, und dies spricht diese Vorrede klar aus, hat der ganze Vorgang dazu beigetragen, die bisherigen Richtungen und Parteien im Judenthume in ein andres Verhältniß zu bringen. Bis jetzt blieben die älteren Rabbinen den jüngeren jüdischen Geistlichen schroff gegenüber; Wissenschaftlichkeit, Bildung, Annäherung an zeitgemäße Form, gesunde Kritik, getragen von einem kräftigen nnd frischen Leben in der Religion, wiesen sic gänzlich von sich, und was nicht mit ihnen war, d. h. mit der ganzen alten, starren Form, hielten sie gegen sich. Sie erkannten nicht, daß der eigentliche feindliche Punkt ganz wo anders läge, und daß die Jünger der wissenschaftlichen Theologie die Positivität des Judenthums nicht minder vertheidigten, ja noch mehr stützten, wenn sie auch an das Konvolut der Gebräuche mit dem Anatomirmesser der Geschichte und Kritik gingen. Dies hat sich geändert. Ohne eine Linie von ihrem bisherigen Wege abzugehen, haben die wissenschaftlich gebildeten, studirten Theologen erwiesen, daß sie in Wahrheit konservativ sind, und daß die Parteinamen „Neologen, Re. former" eine böswillige Erfindung kurzsichtiger Zeloten und stupider Männer waren, die auf ein bischen „Lernen" hin ein Amt erwischen wollten. Wer tritt in dieser Sammlung von Gutachten kräftig und mit Erfolg auf? Es sind nicht allein nicht die alten Rabbinen, die die Namen der wissenschaftlichen Mänuer mit Achselzucken vernehmen, es sind auch nicht einmal die unter den neueren jüdischen Theologen, welche nach dem Scheine der Orthodoxie mit aller Anstrengung Haschen, oder die, welche sich in den Mantel des Schweigens hüllen, um Niemandem zu verrathen, welche ihre Meinung sei, die bei allem öffentlichem Kundgeben erst zusehen wollen, wie die Sache ausfällt, um sich ja nicht zu kompromittiren — sondern es sind die, welche am entschiedensten die Nothwendigkcit wissenschaftlicher Untersuchung ausgesprochen und bethätigt haben, welche am entschiedensten einer Fortbildung des Judeutbums auf historischem Wege das Wort geredet! — Dies ermessen wir daher als einen großen Erfolg dieses ganzen Vorgangs. Indem sich das Extrem ganz nackt und bloß hingestellt hat, ist zugleich die rechte Mitte iu's Licht gestellt, die auch nach Maimonides der Zustand der Gesundheit ist. Der alte RabbinismuS hat seine Zuflucht zur jungen Wissenschaft nehmen müssen, hat damit sie als rechtsgültig anerkannt — und hat erfahren, daß er dabei sehr gut fährt. Auf diese Weise ist die wissenschaftliche Theologie des Judenthums von der Seite emanzipirt und anerkannt worden, die ihr bis jetzt geradezu cntgegengetretcn ist. Zeitungsnachrichten. Nord-Amerika. Magdeburg, 4. März. (Privatmitth.) So eben kommen uns Heft 7 und 8 der Monatsschrift the Occident (Oktober und November 1843), die in Philadelphia unter Redaktion des Herrn Isaak Lee- ] fer erscheint, zu, und wir beeilen uns, folgende Auszüge daraus mitzutheilen. An Aufsätzen enthalten sie: „Betrachtungen über Vergangenheit und Zukunft bei Beginn des Jahres 5604" vom Redakt., eine S. Nachmu-Predigt „der Trost Jsrael's vom Red. und eine selbige von Herrn Marks in London. Eine Erzählung „Zillah," ferner: über die Pennsylvanische Missionsgesellschaft, über öffentliche religiöse Erziehung, der Anfang von „Bemerkungen über die Stellung der Juden" von einer christlichen Danie, Briefe, Berichte, Notizen. Man ersieht hieraus, um welche Gegenstände sich bei unseren Brüdern jenseits des Ozeans das Interesse noch dreht; indeß wird jedenfalls auch diese Zeitschrift einen neuen Belebungspunkt darbieten, wie ihn die Arch. Israel.