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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-03-04 · Heft 10 (4.3.1844) · p. Seite 145

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 10 (4.3.1844)
Date
1844-03-04
Page
Seite 145 (sequence 13)
Language
German
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145 der Rabbiner Dr. Hirschfeld aus Wöllstein hier, um seine Kolonisationspläne zu betreiben. Sein Plan fand hier ziemlichen Anklang, das Haus Rothschild veranlaßte ihn nach Paris zu gehen und gab ihm das nöthige Reisegeld. Bei der Gelegenheit wird Dr. Hirschfeld sich in Krefeld aufhalten, da er sich um die dortige Rabbinerstelle bewirbt. Wenn aber wirklich die Ukase zurückgenommen, so ist die Reise des Dr. Hirschfeld für seine philantropischen Zwecke unnütz, denn es wäre durchaus überflüssig, eine Summe von 308,000 Gulden nach Rußland zu schicken, um einigen hundert Familien Land zum Ackerbau zu kaufen, da der Kaiser von Rußland diejenigen Juden, welche sich dem Landbau widmen, auf alle nur mögliche Weise begünstigt, indem er ihnen die Abgaben auf 50 Jahre erläßt, sie von der Konskription befreit, ihnen die nothwendigen Geräthe und sogar einige Stück Vieh giebt und ihnen auch sicher das nöthige Land anweisen wird. Wollten wir für die Beförderung des Ackerbaues unter Juden etwas thun, so brauchen wir wahrlich nickt aus Deutschland zu gehen und könnten mit diesen 300,000 Gulden viele, sehr viele deutsche Juden glücklich gemacht werden. — Der russische Kaiser läßt es sich sehr angelegen sein, den Landbau zu befördern; nach einem bekannten Ukase erhält sogar derjenige, welcher 100 jüdische Familien dazu veranlaßt, den Adel, und wenn er 200 dazu bringt, den erblichen Adel. Wenn also die russischen Juden Ackerbau treiben wollen, so brauchen sie uns dazu nicht. — Ist aber der Mas nicht zurückgenommen, so ist der Zweck des Dr. Hirschfeld ein sehr edler, wenn schon es sich nur auf eine kleine Anzahl beschränkt; das kann aber Niemanden abhalten, für die Sache selbst zu wirken, und thäte man sehr Unrecht, wenn man von Herrn Dr. Hirschfeld allein Alles erwarten wollte. — Die sich gegenseitig widersprechenden Zeitungsartikel über dessen Reise sind leeres Geschwätz, ich weiß nicht ob.'ohne Grund oder mit Grund: es ist so wie ich Ihnen schreibe. — In diesen Tagen ist in der Leskeschen Buchhandlung in Darmstadt eine Schrift von Karl Grün gegen Bruno Bauer erschienen.— In der Augsburger A. Ztg. steht wieder ein höchst gemeiner Artikel über die Gutachten der Rabbinen; wie es heißt, ist ein Dr. H., ein Mitglied des Reformvereins, der Verfasser davon; der Artikel selbst ist Ihnen bekannt und brauche ich davon nichts zu erwähnen, doch ist es wahrlich zu bedauern, daß von Juden (?) Verläumdungen ausgehen, die nur eines Ghillany würdig sind. X. X. Köthen, 22. Februar. (Privatmitth.j Bei der so vielfach und mir Recht wiederholten Klage über den in der Jetztzeit um sich greifenden religiösen Mistizismus in dem christlichen Deutschland, der sogar im prakiischen Leben in die unmittelbarsten Ursachen und Folgen überspringt, der sich besonders den Juden gegenüber, zu gern der LicblingSausdrücke: „christlicher Staat," „alles zur Verherrlichung Christi" bedient, — verdient es gewiß, als eine kleine Genugthuung dem großen Kreise Ihrer Leser mitgetheilt zu werden, wie man hierorts dergleichen gefährliche Richtungen von sich abweist, die Tugend der Tugend wegen in Jedermann anerkennt und liebt, und jene giftige Blindschleiche bei ihrem Entstehen schon so derb am Kopf verwundet, daß an deren Aufkommen nicht mehr zu denken ist. Vor einiger Zeit ward hier von einigen, dem geistlichen und weltlichen Stande angehörigen Personen der Gedanke angeregt, in dieser Stadt, mit Hülfe freiwilliger Beiträge eine sogenannte „Klcinkinderbewahranstalt" zur Aufnahme von Kindern armer Handarbeiter und Tagelöhner, zu begründen, deren Geschäftsthätigkeit außer dem Hause sie behindert, ihre Kinder selbst zu überwachen und diese vor Entsittlichung und Verwahrlosung zu schützen. Diese Idee, obgleich sie von vier des MistizismuS anrüchigen Leuten ausgcgangen ist, fand dennoch sogleich allgemeinen Anklang, da man deren Nothwendigkeit einsah und deren Gemeinnützigkeit würdigte. Auch unser durchlauchtigster Herzog, der zu jedem humanen Unternehmen seine väterliche Hand mit fürstlicher Munifizenz darbietet, genehmigte sofort das beabsichtigte Unternehmen und autorisirte die Entrepreneurs zur Abhaltung einer Kollekte bei den Bewohnern Köthens und zur Anberaumung einer Versammlung der Unterzeichner, um in derselben einen Vorstand, der Höchstenorts mit der Entwerfung der Statuten der Anstalt beauftragt werden sollte — zu wählen. Nun traten erst die ursprünglichen Unternehmer mit ihrem Vorhaben an's Tageslicht und forderten per Zirkulair die Bewohner der Stadt zur freiwilligen

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