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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-03-04 · Heft 10 (4.3.1844) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 10 (4.3.1844)
Date
1844-03-04
Page
Seite 146 (sequence 14)
Language
German
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146 Beteiligung aus; jedoch verlautete schon damals, daß die Begründer damit umgingen, die jüdischen Bewohner von aller Teilnahme auszuschließen, was aber um so mehr erstaunte, da Köthen gerade einer der ersten Staaten in Deutschland war, der seine jüdischen Unterthanen als Landeskinder rezipirte, und durch das Rcorganisalion--Patcnt v. I. 1812 deren Gleichstellung mit den christlichen Unterthanen auch für die Folge anerkannte; hier leben Christen und Juden in solcher friedlichen Eintracht neben und mit einander, daß eine Trennung zwischen diesen beiden Religionen kaum wahrzunehmen ist. Außerdem haben die Juden hier den ihnen angeborenen Wohlthatigkeitssinn stets auf eine so herrliche Weise bethätigt, daß man bei Begründung solcher Institute nicht nur deren Geldbeiträge, sondern auch deren Rath zu jeder Zeit mit Freuden aufnahm. So ist z. B. die Idee zur Errichtung der hiesigen Armenkommission von dem isracl. Kaufmann F. ausgcgangen, der noch heute Mitoorsteher dieser Anstalt ist. Um so mehr ward also jene Vermuthung der Ausschließung von den Israeliten als eine gehässige Insinuation betrachtet und stark bezweifelt. Dennoch war dem also! Das Zirkulair kam zu keinem Juden, und der Tag zur Generalversammlung, rcsp. Vorstcherwahl von den Unternehmern auf den 20. Februar 1844 bestimmt. Bei der nun gestern stattgefundenen Generalversammlung, zu der sich ein sehr zahlreiches christliches Publikum aus allen Ständen eingesunden, war die erste Frage, die den drei anwesenden Unternehmern vorgelegt worden ist: Warum sie eigenmächtig die jüdischen Bewohner von der Theilnahme an dieser Wohlthätigkeitsanstalt ausgeschlossen hatten? worauf erwiedert wurde: „es sei dies von ihnen nur aus „Rücksicht und Hochachtung gegen die Juden und „deren Glauben geschehen (!), um diese nicht zu einem „Wirken auszufordern, das ein rein christliches ist, „und das nur durch die Wirksamkeit der Gnade Christi „existircn könne k." Diese rathsclhaften dunklen Begriffe von menschlicher Wohlrhätigkeit fand aber eine allgemeine stürmische Widerlegung, indem die ganze Versammlung davon ausging, daß das beabsichtigte Unternehmen ein rein wohlthätiges und deshalb keine Religionspartei ausschließendes sei, und überhaupt ihren Abscheu und Widerwillen gegen alles Sektenwesen und alle Intoleranz so laut und deutlich aussprach, daß sich jene drei Mystiker, nachdem sie sich so außerordentlich überstimmt und aus sich selbst beschränkt sahen, den Versammlungssaal verließen und ihre Niederlage anerkannten. Ohne uns weiter auf die einzelnen Raisonnements einzulassen, ohne speziell auf die Erwiederungsreden der Einzelnen, unter denen sich auch die angesehensten christlichen Prediger und Advokaten der Stadt befanden, zurückzukommen, in deren lichtvollen Vortragen wissenschaftliche Klarheit und systematischer Geist sich auSprägte, wollen wir nur noch des großen und redlichen Biedersinnes unserer Bürger Erwähnung thun, die bei dieser Gelegenheit, vom Standpunkte der Humanität und der Menschenliebe ausgehend, die Judensache für ihre eigene erklärten und jede Betheiligung verweigerten, wenn Unsinn und Unrecht gegen ihre jüdischen Mitbürger verübt wurde. Der ganze Vorfall ist unserem gnädigsten Landesherrn referirt und man ist allgemein aus den Ausgang gespannt. II. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. In Baumgartners Buchhandlung in Leipzig sind erschienen und durch alle deutsche Buchhandlungen zu beziehen: Oic israelitische Bibel, enthaltend: Den heiligen Urtext. Die deutsche Uebertragung. Die allgemeine, ausführliche Erläuterung. Mit mehr als 500 englischen Holzschnitten. Herausgegeben von l)r. Ludw. Philippson. Lex. 8. I. Bd. 26ste II. Bd. I0te Liefer. zu 7lji Ngr. (6 gGr.) Dieses vortreffliche Werk erregt nicht allein das Interesse aller gebildeten Israeliten in hohem Grade, sondern findet auch Eingang bei christlichen Theologen aller Klassen, denen diese Auffassung des Tertes der heil. Schrift und sein rechtes Verständniß am Herzen liegt.

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