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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-03-04 · Heft 10 (4.3.1844) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 10 (4.3.1844)
Date
1844-03-04
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
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144 der bürgerlichen Ordnung. Auch ist faktisch nachgewiesen, daß Sittlichkeit nicht nothwendig mit Religion verbunden sein müsse; die größten Männer, oft die sittlichsten Charaktere waren irreligiös, sogar oft Atheisten. — Höchstens können schlechte Politiker einen christlichen Staat wollen, als zweckmäßig, um das Volk in Zügel zu halten, oder ungläubige Frömmler, die an dem innern Sieg des Glaubens in der Ueberzeugung verzweifeln, die verkennen, daß die Religion Sache des Herzens und der Freiheit ist. — Zum zweiten weist Hr. Zeller nach, wie ein christlicher Staat gar nicht möglich ist, einmal wegen der Juden, und sodann wegen der verschiedenen Konfessionen. In den Juden erkennt er die Berechtigung als Staatsbürger, ja in neuester Zeit ihr Bedürfniß an. — Das Christenthum selbst aber ist ohne konfessionellen Charakter gar nicht denkbar ohne lau zu sein. Ein solcher Staat müßte also entweder rein katholisch, oder protestantisch sein, und dann wäre die Inquisition die notwendige Konsequenz. Zum Schluß zeigt der Verfasser nach, wie die Idee eines solchen Staates historisch nie im Christenthum lag, noch jemals realisirt worden sei. Die feine Dialektik und der ansprechende, deutliche und doch gründliche, tiefgehende Ton, in dem dieser Aufsatz geschrieben ist, die Mäßigung und die neueste Wissenschaftlichkeit, die ihn auszeichnen, machen ihn Jedem, der Interesse für dies Problem so vieler Staaten in jetziger Zeit hat, empfehlenswerth. Doch werden wir erst später, wenn der zweite Theil erschienen ist, eine ausführlichere Kritik über das Ganze geben, und begnügen uns hier, den Gehalt und die Idee, die den Verfasser geleitet hat, angegeben zu haben." Deutschland. Leipzig, 18. Februar. Die hiesige D. A. Z. spricht sich neuerdings über den Emanzipationsverein folgendermaßen aus, was als eine öffentliche Stimme jedenfalls berücksichtigungswerth ist: „Mit dem von hier aus angekündigten Judenemanzipationsvereine scheint es noch im weiten Felde zu sein. Was öffentliche Blätter zur Zeit davon mitgetheilt haben, ist mindestens voreilig. Zwar ist Manches vorbereitet, aber die Sache selbst noch nicht so weit gediehen, daß man sagen könnte, es sei viel mehr als Idee. Uebrigens freuen wir uns dieser Idee und wünschen der Sache einen gesegneten Fortgang, wenn schon nicht verkannt werden kann, daß gerade Leipzig, wo in diesem Punkte noch arge Vorurtheile und engherzige Ansichten herrschen und sich zu Zeiten auch laut und offen geltend machen, ein unfruchtbarer Boden für solche Ideen, für einen solchen Judenemanzipationsverein ist. Das darf jedoch Die, welche dafür mit reiner Ueberzeugung sich intereffiren, nicht davon zurückschrecken; haben sie doch hierin die Regierung selbst, die für die Juden mit weiserm und gerechterm Liberalismus zu sorgen bemüht gewesen als das Volk, das zu dieser Höhe der Gerechigkeit sich noch zu wenig zu erheben vermocht hat, für sich. Die Sache muß auch bei uns zum Durchbruche kommen." Frankfurt am Main, 20. Februar. (Privatmitth.) Schon seit mehreren Tagen zirkulirt hier das Gerücht von einer Bescheidung des Senats, die Beschneidungsfrage betreffend: jetzt erst kann ich Ihnen eine bestimmte Miktheilung machen. Das Dekret ist vorgestern dem hiesigen Rabbinen zugekommen und so eigenthümlich abgefaßt, daß die Deutung nicht sehr leicht ist. So viel ist gewiß, daß der Senat die Sache von sich gewiesen. Es ist nämlich in dem Dekret gesagt, daß der Senat mit Bedauern gesehen habe, wie einige Mitglieder der Gemeinde durch die Unterlassung der Beschncidung Anstoß geben, „daß sich derselbe jedoch nicht veranlaßt sehen könne, die Wirkungen einer solchen Nichtachtung in der von dem Rabbinen Trier angegebenen Weise zu bestimmen," und wird daher der Rabbiner an den Vorstand verwiesen. — Es ist aber bekannt, daß der Vorstand keinesweges geneigt ist, dem Rabbinen beizupflichten, auch hätte der Vorstand keine Macht, ihm den nöthigen Beistand zu leisten. Der Senat aber läßt die Frage unentschieden, ob nun die Kinder, welche die Veranlassung zu der ganzen Frage gegeben haben, als Juden betrachtet werden sollen oder nicht, das ist nicht gesagt: so viel ist gewiß, daß. kein Rabbiner sie als Juden anerkennt, und Christen sind sie auch nicht. Diejenigen aber, welche berichten, daß der Senat die Beschneidung als nicht nothwendig erklärt hat, sind jedenfalls im Jrrthum. — Heute lief hier die Nachricht ein, daß die russischen Ukase zurückgenommen seien. Zugleich war auch

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