Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1844)
- Date
- 1844-03-04
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225346--05887-3314670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
139 niedrig, wozu man nicht Hinabstiege, wenn es der Nasi so haben will. Gelder, die schon zu dem edlen Zwecke wnpn sind, werden diesem noch streitig gemacht; ja, man zog es z. B. sogar vor, bei denHH. v. Rothschild die ganze, dem Hospital und der Schule zugewendete Schenkung von .100,000 Fr. hintertreiben zu wollen, um dieses Geld, falls man cs nicht für die bekannten andern Zwecke erlangen könnte, doch wenigstens nicht für das Hospital und die Schule verwendet zu wissen! — ^b oa ■’b bä,, tvrr erb!" Der Motive zu dieser Opposition hat man bisher zwei vernommen, eines aus Palästina und eines aus Holland. Hr. Gagin, die linke Hand des Hrn. Lehren zu Jerusalem (denn seine rechte ist Jesaias Pinzker —) schreibt unter'm jüngsten T. Kislev (30. Novbr.) sehr einfach: „Wozu ein Krankenhaus? wozu eine Schule für die Jugend? Anstatt für die Kranken zu sorgen, sorget lieber dafür, den Hunger und (NB.) den Durst der — Gesunden zu befriedigen (und folgerecht: anstatt für die Erziehung der Kinder zu wirken, unterhaltet vielmehr die Erwachsenen, damit sie nicht zu arbeiten brauchen und fortwährend im Sohar :c. „lernen" können!)!" — Spricht Herr Gagin nicht ganz vernünftig? Warum nicht? „Vous etes orfcvre, Monsieur Josse!“ Herr Gagin ist erwachsen und kerngesund; was gehen ihn die Unerzogenen und Kranken an? Nun aber Hrn. Lehrens Gründe. Dieser Chasid beschwor Hrn. v. Rothschild in einem nculichen Briefe auf's dringendste, doch ja das Hospital und die Schule nicht zu unterstützen, a) weil es unvermeidlich wäre, daß in dem erstem europäische Aerzte Anstellung erhielten, die, mit ihren medizinischen Studien beschäftigt, „keine Tora lernten" und auf diese Weise unfehlbar das heilige Land verunreinigten, und b) weil gar durch.„neue Lehrer und Spruchmeister" vollends der Geist der Neuerung in das Land Israels eingeschleppt werden würde. Diese Gründe hätten nun, mit den Prinzipien zusammengehalten, nach denen Herr Lehren von jeher zu handeln vorgiebt, allerdings mindestens die Konsequenz eines, freilich sehr einseitigen Systems für sich; allein unglücklicherweise für Hrn. Lehren haben die Menschen und A. auch ein Gedächtniß, und dieses widerspricht diesmal der gutmüthigen Annahme, als ob Herr Lehren hier wenigstens in seinem Sinne rechtlich und mit reinem Gewissen handelte. Man erinnert sich nämlich jetzt eben zur rechten Zeit jener furiosen Opposition des nämlichen Herrn Lehren gegen die Erbauung einer — Synagoge (■(■ps: ansn) auf der sog. Ruine II. Jehuda Chasid's, jener beispiellosen Verfolgungen gegen die beiden, zum Behufe von Sammlungen für eben diese Synagoge abgesandten Emissäre Chanoch Sundel und Aaron Selig; man erinnert sich sogar, daß Hr. Lehren es — durch welche Mittel soll jetzt unerörtert bleiben — dahin brachte, daß der Gemeinde, nachdem die Sammlungen fast beendigt waren, von Konstantinopel aus das Aufbauen eben dieser Synagoge durch die türkischen Behörden untersagt ward. Wollen Sie so gefällig sein, Hr. Lehren, dem Publikum anzugeben, welche fromme Gründe Sie zu jener Opposition bewogen? In der Synagoge Menachem Zion wird bekanntlich weder nach dem Ritus des Hamburger Tempels gebetet, noch ist darin ein Choralgesang eingeführt, und mit dem Greuel einer Predigt bleiben die Ohren der Gläubigen ebenso, wie mit den Tönen einer Orgel verschont. Welcher §. des^Schulchan Aruch war nun der Erbauung dieser Synagoge entgegen und mit welchem Zelotismus können Sie Ihren Widerstand dagegen beschönigen? — Wenn wir jetzt für das Hospital und die Schule wirken, so werden wir von Ihnen verketzert, und Sie wollen lieber den englischen Missionären und Seelenverkäufern, als einem deutschisraelitischen Arzte in die Hände arbeiten, weil Letzterer möglicherweise ein bsTir?Dir> sein — könnte. Wir wollten unendlich toleranter sein als Sie und Ihnen dies Alles für vernunftmäßig passiven lassen; wir wollten, in die Subjektivität des Irrenhauses eingehend, uns in Ihre Ansichten versetzen und, während wir Ihre Verschrobenheit beklagten, doch Ihrem moralischen Charakter eine gewisse Achtung nicht versagen— wenn Sie uns nur über die eine Frage genügende Auskunft zu geben vermöchten: Aus welchen, wenn auch nur scheinbar religiösen Gründen widcrsetzten Sie sich dem Aufbau einer Synagoge in Jerusalem? — Wenn wir an das Entschuldigungsmittel Ihrer Freunde glauben und alle Ihre unseligen Fehler lediglich einer maßlosen Beschränktheit und Verkehrtheit beimessen, wenn* wir Sie für einen ehrlichen — Thoren halten sollen,