Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1844)
- Date
- 1844-03-04
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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137 das Vergnügen zu beantworten und Ihnen zu sagen, daß, wenn ich mich recht zu erinnern weiß, ich einzig und allein nur mit unserem hochgefeierten Sir Moses Montesiore Jerusalem betreffend, in Korrespondenz zu stehen die Ehre haben werde, aus welchem Grunde ich bisher mir das Vergnügen nicht machen konnte, Ihnen über den Zustand der hiesigen Einwohner etwas zu referiren, zumal da ich in meinem Fache gar zu sehr in Anspruch genommen bin, und ich nolens volens Alles Andere außer Acht lassen muß. — Nun könnten Sie, geehrter Herr, mit Recht fragen,. warum denn gerade jetzt, nachdem ich bereits schon neun Monate hier gewesen, ich mir erlaube, Ihnen Gegenwärtiges zu übermachen? Jbre rastlose Thätigkeit und Bemühungen schon mehr als ein Jahr hier in Jerusalem ein Hospital etablirt zu wissen, ist genugsam aller Welt bekannt. Sie und alle Welt finden es auch für höchst nothwendig. Wie muß erst ich es für höchst nothwendig halten, ich, der ich durch neun Monate manche, ja so manche wirklich Kranke ohne Obdach gefunden, und —! Es ist wahr, als ich kaum acht Tage hier gewesen, konnte ich über die Nothwendigkeit eines Hospitals sprechen, zumal, da weder bei den Zefardaim, noch bei den Polnischen, denn wirkliche Askanasim (Deutsche) giebt es nur acht oder neun Familien, nicht einmal ein schlechtes erbärmliches Zimmer zu solchem Zwecke bestimmt, zu finden ist. — Was konnte mich aber abgehalten haben, früher darüber nichts zu sagen? Warum denn Sie aber um Sachen angehen, die in den ersten Momenten auszuführen nicht so leicht sind?! Zur Erbauung eines Hospitals und zu dessen Unterhaltung bedarf es, ich weiß e6 zu gut, einer zu großen Summe, eine Summe, die bei der größten Anstrengung nicht so leicht zusammengebracht wird, da doch Europa nicht allein gerade dieses für Jerusalem zu leisten hat und leisten will. Und, obgleich es sehr wohl bekannt ist, daß Sir Moses Alles für mich thut und thun wird, so könnte man dennoch am Ende vielleicht darauf gekommen sein zu glauben, daß Interesse einzig und allein bei mir im Spiele wäre! Wäre es möglich?! Die armen Kranken sind mir so und so anvertraut — und was Sir Moses durch meine Sendung hierher gethan — er wird es wol auch hoffentlich immer fortdauern lassen! Welch' ist nun also das Hauptmotiv, warum ich gerade jetzt schreibe? — Es ist Ihnen, mein Herr, nicht unbekannt, daß die Missionsgesellschast alles Mögliche aufbieter, um Juden für sich zu gewinnen; sie laßt nichts unversucht. Demzufolge ist durch sie ein Hospital erbauet worden, in welchem einzig und allein nur Juden ausgenommen werden. Es ist wahr, es will und wird Niemand gern hineingehen — was soll aber der unglückliche, arme, kranke, keine Lagerstätte Habende thun? Wer will es ihm am Ende verargen? und was ist der Erfolg? leider ein sehr trauriger! (Während meines Hierseins haben zehn Juden konvertirt. Am 2--sten d. Mts. Vater, Mutter und Tochter.) Früher wäre durch ein Hospital dem nothleidenden Kranken nur geholfen gewesen; jetzt aber ist es zugleich der Mission entgegengearbeitet, ein Entgegenarbeitett, das, wie ich glaube, jeder unserer Glaubensgenossen fest im Auge halten muß und auch halten wird. Und da Jerusalem ein solches Entgegenarbeiten zu thun nicht im Stande ist, so halte ich mich fest überzeugt, daß Sie, geehrter Herr Doktor, unter solchen Umstanden alles Mögliche aufbketen werden, um je eher je lieber an die Realisirung Ihres so hohen und unsterblichen Strebens zu schreiten. Nicht minder unterließ ich an Herrn Lion, Baron von Rothschild zu London, als ein auch sich höchst interessirendes Mitglied für Ihre Sache dieselbe Bitte und aus demselben angeführten Grunde zu stellen; und so ich hoffe, werden weder Sie noch Herr B. v. R. meine Bitte mir verübeln. — Daß mein Anliegen ohne alles Interesse ist, können Sie leicht einsehen; denn was will ich haben und was kann ich haben? Den Kranken beistehen? dieses ist so und so mein Fach. — Praxis? Ich habe, Gott sei Dank! das Zutrauen der hiesigen Leute mir so erworben, daß sie mir nie fehlen wird! Wol halte ich mich überzeugt, daß Sie mich nicht hintenan gesetzt werden lassen, da es Ihnen und Allen darum zu thun sein muß, einen Arzt zu haben, der schon Jahr und Tag hier gewesen ist, der mit einem Worte Alles kennt, und über Alles zu referiren ganz genau im Stande ist; aber, wo ist mein Vortheil? Meine Beschäftigung ist eine und dieselbe. Ja, wenn ich schon von Äortheil, von Interesse spreche, so kann es nur dieses sein, daß ich die Möglichkeit haben werde, Kranke zu heilen, welches ich, ohne daß ein Hospital existirt, vielleicht nicht im Stande wäre. Leider, ich spreche