Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1844)
- Date
- 1844-02-26
- Page
- Seite 130 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ISO Gesänge den Gottesdienst veredeln. Dem Herrn Rabbiner vr. Herxheimer gebührt hierbei die größte Anerkennung, indem er diese Sache mit seinem Schutze sanktionirte, alte Mißbrauche HLnwegräumend, dem Gottesdienste eine zeitgemäßere, würdigere Haltung gab, so daß alle Mitglieder der Gemeinde, trotz häufiger Meinungsverschiedenheit, das Gotteshaus nicht allein an Sabbat- und Festtagen besuchen, sondern auch mit Andacht darin verweilen und es erhoben verlassen. Eine nächste gute Wirkung blieb ferner nicht aus. Es bildete sich nämlich ans den Mitgliedern des für die religiöse Tendenz bestimmten Chores eine andere Gesellschaft, ebenfalls unter Leitung des Herrn Wimmelbacher, deren Zweck es ist, von Zeit zu Zeit sich durch musikalische Aufführungen zu unterhalten. Diese Gesellschaft hat, trotzdem der größte Theil derselben nicht kunflgeübt, sondern kunstliebend ist, schon manche schöne Leistungen zu Tage gefördert, wodurch sie sich manchen genußreichen Abend verschafft hat und Geselligkeit, Anstand und Streben nach innerer und äußerer Bildung auf diese Weise befördert, was-um so nöthlger, da die Israeliten durch die Engherzigkeit Andersglaubender so oft aus öffentlichen Vereinen ausgeschlossen werden. Mögen die Bernburger Israeliten in ihrem Eifer für Bildung nie erkalten. u. Tunis, 12. Januar. Der Bey hat vor Kurzem seinem Leibarzt, Dr. Abraham Lombroso, einem Israeliten, den Nischao-Orden Ln Brillanten ertheilt. (Es ist der zweite Orden, den er an Juden ertheilt.) Literarische Nachrichten. Magdeburg, 29. Januar. ^Emanzipationsli'teratur.) (Fortsetzung.) „Es ist ein Ehrgefühl auch in dem Geringsten wach geworden, das ihn das nöthigste Bedürfniß selbst auf dem Lande nicht mehr bei Bauern erbetteln laßt, sondern er will es selbst pflanzen und frei jedem vor das Angesicht treten. Selbst Handwerke verbreiten st'ch immer mehr auch unter der ärmsten Klasse der jüdischen Bevölkerung. Schneider, Schuhmacher, Schreiner, Dreher, Kammacher, Schlosser, Blech-, Gold- und SAberarbeiter, Uhrmacher, Buchbinder, Leinweber, Tüncher, Posamentirer, Selter, Bäcker sind uns unter den Israeliten in der Pfalz bekannt, und es ist keinem Zweifel unterworfen, daß es noch andere giebt, die uns nicht bekannt sind, so wie daß die zu diesem Behufs in Kirchheimbolanden und anderen Orten ins Leben getretenen Vereine die Verbreitung von Handwerken immer mehr erwirken werden. Welche Riesenschritte im Schulwesen geschehen sind, und durch welche Aufopferungen von Seiten der Israeliten werden wir weiter unten durch statistische Nachweise heranbringen. Niemand, dessen Auge nicht von dem blindesten Vorurtheile, von dem rohesten Hasse geblendet ist, wird nach solchen Thatsachen noch behaupten wollen, daß die Israeliten in der Pfalz in bürgerlicher Beziehung tiefer stehn, als ihre Mitbürger. Im Gegentheil! Von christlicher Seite hat man in der Pfalz in den letzten zwanzig Jahren nnläugbar Rückschritte gemacht, besonders in religiöser Toleranz; die Israeliten dagegen sind mit Bestimmtheit seit dieser Zeit auf eine merkwürdige Weise vorangeschritten. In ihren religiösen Ideen und Ansichten, wie in ihrem äußern Wesen und Wirken ist seitdem eine Umwälzung von Jahrhunderten vorgegangen. Sie haben sich der geistigen Bewegung, welche ihre Glaubensgenossen überall heutzutage so mächtig beseelt, würdig cmgeschtossen." Der Verfasser bespricht nun zuerst „das religiöse Leben.^ Alle die Schwankungen, in denen das religiöse Leben der Juden jetzt befangen sind, finden st'ch auch in der Pfalz. Die Ursache findet er im Talmud; nicht allein in diesem an und für sich, sondern weil der Talmud die entgegengesetztesten Meinungen schroff sich gegenüberstellt, und so systematisch eine unendliche Verschiedenheit der religiösen Meinungen, ein Schwanken, eine Unbestimmtheit von jeher im Judenthum hervorgebracht hat. — Wir müssen gestehen, wir geben hierauf gar nichts, sondern wir erkennen in dieser Eigenthümlichkeit des Talmuds gerade sehr segensreiche Momente. Denn vor Allem es hat sich ja doch aus den Schwankungen und Gegensätzen des Talmuds nach und nach ein fester Brauch herausgezogen, und wenn wirklich in minutiösen Dingen dieser Brauch in verschiedenen Ländern verschieden ward, was tag daran? Wie aber, wenn der Talmud einen völlig fertigen, festen, breschelosen Damm um das Judenthum gezogen, welche unerträgliche, völlig niederdrückende Gelstesbürde wäre das geworden? Und wie vermöchten wir j^tzt, auf dem Boden der Tradition bleibend, eine neue Untersuchung und Gestattung zu be-