Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1844)
- Date
- 1844-02-26
- Page
- Seite 129 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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129 nicht erlaubt. Aber so stehen die Juden unter uns. Er, Sprecher, mag die jüdische Religion nicht untersuchen; aber er weiß, daß die Juden seit Jahrhunderten hier sind, daß sie sich zu materieller Macht emporgeschwungen, und nun in ihrem jetzigen Zustande nicht länger ohne Gefahr für den Staat bleiben können. Sie dulden, ohne ihnen Rechte zu verleihen, hieße einen verderblichen Feind in unserem Busen nähren. Sir stehen bereits auf dem Standpunkte, wo sie zu Ausübung bürgerlicher Rechte reif sind; wenn wir ihnen diese versagen, so werden sie ihre Macht nicht zum Besten des Vaterlandes, sondern zu dessen Schaden, wie Verfolgte und Unterdrückte anwenden; oder sie bleiben im günstigsten Falle gleichgültig für das Gemeinwohl. Sprecher verlangt also, daß das Gesetz von 1840 ergänzt werde, und daß diese Volksklasse entweder gänzlich oder theilweise emanzipirt werde; ja letzteres habe in sofern den Vorzug, als es weniger Widerstand gebiert. Die königlichen Freistädte, welche diesem Vorschläge sich am meisten widersetzten, sähen es wol kaum gerne, wenn die Verleihung ihres Stimmrechtes so lange verschoben würde, bis der gesammte Landtag sie anordne. — Zuletzt erwähnte er noch die hülfreiche Wohlthätigkeit und Menschenfreundlichkeit der Juden während der Pesther Ueberschwemmung im I. 1838." So weit das Pesti Hirlap. Uebersetzer erlaubt sich nur noch einige Bemerkungen. Die Begeisterung, mit der die unhaltbaren Gründe der städtischen Ablegaten und der übrigen Feinde des Judenthums und der Emanzipation zurückgewiesen und widerlegt wurden, vcrräth deutlich die Stimmung des hochherzigen Adels, wenigstens der Majorität. Selbst die ungarischen Bauern sind dem Juden im Durchschnitt nicht so abgeneigt, als wie es einige der Sprecher behaupteten. Anders verhält es sich mit dem deutschen Bauern; dieser ist, besonders in Niederungen, im strengsten Sinne des Wortes Judenfeind, ja sogar Judenhasser. Während die Abneigung des wakkern Ungarn sich höchstens in derben Flüchen, welche freilich auch eine Eigenthümlichkeit seiner beinahe zu kräftigen Sprache sind, Luft macht (wodurch er aber dennoch nicht verhindert wird, selbst dem Nachtlager suchenden Juden gastfreundlich zu begegnen): sucht der schwäbische Bauer und deutsche Handwerker in Ungarn, sowol aus dem Lande als in Städten, durch Beschimpfungen, und wo es thunlich ist, durch tätliche Aeußerungen seinen Haß zu manifestiren. — Eines bleibt noch zu wünschen übrig, daß der Antrag einiger Komitate, die Namen der Redner in den Zeitungen veröffentlichen zu dürfen, genehmigt werde; damit di« Mit- und Nachwelt die edlen Vertheidiger der Menschenrechte und Geistesfreiheit namentlich kennen lerne, und diejenigen, die durch schmutzigen Egoismus oder engherziges Vorurtheil es verdienen, mit dem Stempel der Verachtung brandmarke. Es ist wahr, daß kein Ablegat ohne Instruktion eigenmächtig handeln dürfe; aber man hat auch nur höchst selten Beispiele, daß ein Edelmann eine Ablegatschaft, die mit einer, seinen Gesinnungen zuwiderlaufenden Instruktion verbunden wäre, angenommen hätte. Nun noch einmal Dank den hochzerzigen Sprechern im Namen aller Freunde der Menschenrechte. Pivunyk. Personal- und Lokalnachrrchten. Kern bürg, im Februar. (Privatmitth.) Wie das Streben nach Veredlung und Aufklärung im Allgemeinen ein höheres in der letzten Zeit geworden, und wie namentlich im Judenthume so viele Kräfte sich regen, so zeigt sich auch in der israelitischen Gemeinde Bernburg eine Thätigkeit für geistige Umgestaltung, die dem stillen Beobachter Vergnügen gewahrt. Schon seil geraumer Zeit waren Verbesserungen im Gottesdienste theilweise eingeführt, größtenthcils aber scheiterten derartige Bewegungen an dem Einflüsse mancher Gemeindemitglicder, deren graugewordene Grundsätze und Ansichten mit denen der neuern Generation im Widerspruche standen, noch mehr aber an dem Phlegma und Jndifferentismus, mit welchem ein anderer Theil der Gemeinde etwaige Veränderungen im Ritus aufnahm. Diese Hindernisse sind sukzessive beseitigt. Bei der Anstellung eines Lehrers und Kantors, des Herrn Wimmelbacher, früher in Aachen, machte die Gemeinde eine vorzüglich zweckmäßige Akquisition. Von den guten pädagogischen Qualifikationen dieses Mannes schweigend, erwähne ich hier nur seines besonder» Talentes als Chorführer. Als solcher organisirte er einen Chor von vierzig Mitgliedern beiderlei Geschlechts, die durch die erhebendsten