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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-26 · Heft 9 (26.2.1844) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 9 (26.2.1844)
Date
1844-02-26
Page
Seite 127 (sequence 11)
Language
German
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127 gen, woran Theil zu nehmen dieselben nicht das Gesetz, sondern ein bloßes curiale prejudicinm verhindert. Ein Ablegat, dessen Komitat verflossenen Landtag noch nicht für die Emanzipation gestimmt hatte, zeigte jetzt mit Freuden an, daß endlich auch dort Wahrheit und Gerechtigkeit ihren Triumph erkämpft haben.,— Mit welchem Herzen können wir es dulden — sagte er — daß die Juden Steuer, ja sogar blos Toleranz-Taxe zahlen, daß sie Kriegsdienste leisten, ja nicht einmal einen Christen für sich substituiren dürfen, aber an den Rechten nicht betheiligt werden? Wenn auch einst die Juden gegen die Christen gesündigt haben, so ist dies in 1800 Jahren zur Genüge mit Zinsen abgebüßt. Auch unter ihnen verbreitet sich die Aufklärung, und wenn sie sich isoliren, so sind wir selbst die Ursache davon, indem wir sie lieblos zurückstoßen und verfolgen. Von jener niederungarischen Stadt, deren wackere Bewohner durch ihren Religionseifer berühmt und als fleißige Bibelleser bekannt sind, hätte er keine so antijüdische Erklärung erwartet, da sie doch wol wissen müßten, daß die jüdische Nation einst das auserwählte Volk Gottes gewesen und daß aus der gereinigten mosaischen Religion die christliche entstanden sei. Man nehme zum Beispiel Wien, das wegen der den Armen erwiesenen Wohlthaten Rothschild zum Ehrenbürger ernannt hatte, oder London, wo schon zweimal ein Jude Sherif gewesen; er glaube also, wenn irgend ein Jude Wiener Bürger oder Londoner Oberrichter sein könne, er auch füglich debrecrinor civis (Bürger) werden dürfe. Der folgende Komitats-Deputirte beschränkte sich auf Widerlegung der Behauptungen des obgrnannten Stadt-Ablegaten. Sein Antrag sei blos mit dem Interesse der Privilegirten und der Schwäche der Menschen, die sich aus einem besondern Teig geknetet glaubten, nicht aber mit den Prinzipien der Gesellschaft in Widerspruch. Er wolle die Verfassung nicht stürzen, sondern blos einen neuen Zweig darein pfropfen. — Frankreichs Beispiel gehöre nicht hierher; denn Napoleon, von dem dieser Akt sich herleitet, war kein Held der Freiheit, sondern ein Muttermörder, der die Freiheit, deren Kind er war, tödtete. — Wenn Sprecher ein unabhängiger englischer Deputirter wäre, so verschöbe er die Organist'rung der Städte noch um 20 Jahre; denn sie sind keines Einflusses in die Gesetzgebung werth, so lange sie an so engherzigen Ansichten kleben. — Wenn die Juden Wucherer sind, wessen Schuld ist dies? Ist es nicht die der Institutionen, welche sie zu Paria's gemacht? Kaum sind es einige Jahre, daß sie Urbarialgüter kaufen dürfen, und weil sie ihre angeerbte, verjährte Gewohnheit nicht alsogleich abstreifen, beschuldigen wir sie? Uebrigens könne er glaubwürdig versichern, daß in Csanüd auch Landbau treibende Juden sind. Glaubensrücksichten, den Talmud anzuführen, ist Schade: wenn wir Religionsverschiedenheit anführen, so geben wir nur dem Klerus Waffen gegen die Protestanten in die Hand. Das Beispiel des Rabbi's, der seine Glaubensgenossen nach dem Niagara geführt habe, spricht nicht gegen die Juden; ja er, Sprecher, achte darum jenen Rabbi um so mehr, da er seine Nation vor Verfolgung schützen wollte und dieselbe aus Europa fortführte, das noch nicht reif ist, anders Glaubende zu dulden. Er schloß seine Rede damit, daß er es für Blasphemie erklärte, zu behaupten, Gott habe ein Volk geschaffen, das nicht gut sei. Des folgenden Sprechers lange und erschöpfende Rede war theils eine Widerlegung der gegen die Juden erhobenen Klagen, theils Beseitigung mehrer Einwürse. Außer dem bereits Angeführten erwähnte er die Sonderbarkeit jenes Raisonnements, dem zufolge, weil einige Glieder eines Volkes Wucher treiben oder treiben könnten, andere Glieder desselben von den bürgerlichen Rechten ausgeschlossen seien. Er führte an, daß er hochgestellte Männer unter den Christen kenne, welche nicht erröthen, des Wuchers wegen mit dem gemeinsten Juden in Verkehr zu treten; und doch sind sie von den bürgerlichen Rechten nicht ausgeschlossen; außerdem verachten ja die Bessern unter den Juden ihre verworfenen Mitbrüder. — Er erwähnte die Tugenden und Verdienste der Juden; wie z. B., daß bei keinem Volksstamme unter Ungarns Bewohnern ein so ausgebildetes Gefühl der Barmherzigkeit gefunden werde, und führte zum Beweis ihre zu Mustern dienen könnenden Krankenhäuser an. Er beschrieb die gegenwärtige Lage der Juden, worein sie das Land versetzt, als die Quelle ihrer Fehler; lebhaft schilderte er den Zustand des armen, in die Welt gestoßenen Judenknaben, der unerzogen, dem Spott und der Beschimpfung des rohen Haufens ausgesetzt, von jedem andern Erwerbe

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