Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1844)
- Date
- 1844-02-26
- Page
- Seite 126 (sequence 10)
- Language
- German
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126 Städten. und die dort so häufige Verführung der Jugend scheuen, dürste deshalb der hiesige Platz eine willkommene Gelegenheit sein, da man hier weder Verführung, noch große Kosten zu befürchten hat und die Jugend unter steter Aufsicht gehalten wird. Preußen. Berlin, im Februar. (Privatmitth.) Es hat sich hier ein Gesellenverein gebildet, in welchem Vorträge ff. gehalten werden sollen. Auch hier zeigte sich sofort das separatistische, exklusive Wesen, welches leider! jetzt in Deutschland sein Spiel treibt, und den besten Bestrebungen durch Engherzigkeit entgegentritt. Diesmal fand es keinen Anklang, und als einer Stimme, unmittelbar aus dem Volke, legen wir diesem die höchste Bedeutung bei. Am besten geben wir es mit den Worten eines leitenden Artikels der Voss. Zeitung. Es heißt: „Nach dem Vorgänge verschiedener Städte Deutschlands, in welchen bereits Handwerker-Vereine bestehen, die den Zweck haben, durch Belehrung und gegenseitige Anregung auf die geistige Ausbildung junger Leute aus dem Gesellenstande hinzuwirken, ist auch hier der Anfang zu einem ähnlichen Versuche gemacht worden. Es sollen in den verschiedenen Gegenden der Stadt Lokale gegründet werden, in welchen die Gesellen in den Abendstunden sich zur Erholung einsinden können, so zwar, daß für eine Leitung dieser Zusammenkünfte für geistige Erheiterung und Belehrung von dazu geeigneten Männern des Vereins gesorgt werde. Am 8ten d. M. hat bereits eine vorbereitende Versammlung stattgefunden, in welcher sich jedoch leider keinesweges solche Resultate ergaben, wie man es im großen Interesse der Sache wol wünschen würde. Es scheinen vielmehr Differenzen eingetreten zu sein, die leicht das Gelingen des ganzen Projekts hintertreiben könnten und auf deren friedliche Beilegung daher alles ankommt. Wir versuchen darüber ein Paar weitere Bemerkungen. Die in der gedachten Versammlung von dem interimistischen Vorstande vorgetragenen Statuten haben als Hauptzweck des Vereins die Tendenz aufgestellt: die Geselleu zn einem christlich-sittlichen Leben heranzubilden. Hiergegen hat sich in jener Versammlung sofort eine überwiegende Opposition geltend gemacht, welche von der Ansicht ausging, daß der Verein als ein rein menschlicher oder sittlicher ohne alle Rücksicht auf ein bestimmtes Glaubensbekcnntniß zu fassen sei. Wir glauben diesem entschieden beitreten zu müssen, denn man würde durch das Beiwort „christlich" nicht blos die Juden von vorne herein ausschließen, sondern auch sehr leicht Spaltungen zwischen den katholischen und protestantischen Glaubensgenossen erzeugen. Diese Spaltungen sind in der That bereits anderswo ausgebrochen und Veranlassung geworden, daß ein schon bestehender Gesellenverein sich wieder auflüste, da die Katholiken sich durch einen Vortrag über Luther beleidigt fanden. Je mehr hier noch alles in der Kindheit liegt und je reizbarer daher die Verhältnisse sind, um so entschiedener wird durch Takt und Umsicht darauf hinzuwirken sein, hinwegzuräumen, was Mißverständniß oder Unfrieden erzeugen könnte. Das Beiwort „christlich" wird sehr wol fehlen dürfen, ohne deshalb den Verein zu einem unchristlichen oder anti-christlichen umzuwandeln; das, worauf es ihm in der praktischen Verwirklichung lediglich ankommen muß, sind die allgemeinen sittlichmoralischen Lebensmaximen, wie sie Juden, Protestanten und Katholiken gleicherweise anzuerkennen sich nicht weigern werden. Indem man diese mit vorsichtiger Vermeidung und Umgehung aller konfessioneller Streitigkeiten zu verbreiten sucht, kann es nicht darauf ankommen, ob dies unter einer bestimmten Fahne und ihrem Motto geschehe." Oesterreich. Arad, 29. Oktober. (Privatmitth. Fortsetzung ü. Schluß.) Als Sprecher nach der Ursache der Abneigung gegen die Juden in den Städten fragte, suchte sie ein städtischer Deputirter darin: daß das Judengesetz von 1840 ein übereiltes gewesen; das Interesse der Städte beruhe ebenfalls auf Handel und Künsten, welche die Juden ohne jede andere Befähigung treiben und ausüben können; während doch die Christen in Folge des Zunft-Systems zu wandern, Meisterstück abzulegen rc. genöthigt sind, und aus diele Weise die Konkurrenz mit den Juden nicht aushalten können. So wuchs das Vorurtheil gegen dieselben, worüber man sich bei den Städten gar nicht wundern dürfe, da doch die Komitate die nichtadeligen Bürger von dem Besitzrechte ausschlie-