Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1844)
- Date
- 1844-02-26
- Page
- Seite 123 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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123 die Zeremonien gültig sind, müßten sie für alle Menschen verbündende Kraft haben. Das Judenthum ist diesem aber entschieden entgegen! Dasselbe Gesetz, das den Juden z. B. den Genuß gewisser Speisen verbietet, erlaubt Ln demselben Moment sie dem Nichtjuden (vgl. Deut. 14, 21). Ferner: Würde das Judenthum Ln seinem Prinzip nichts anderes als das allgemein menschliche erblicken, so müßte es auch — gleich andern Religionen — behaupten: Nur Der, welcher seinem Prinzipe genüge leiste, könne selig werden. Aber auch dieses behauptet das Judcnthum nicht. Bon allen Menschen fordert cs bekanntlich nur die Beobachtung der sieben sog. noachidischen Gebote, d. h. die Erfüllung der allgemein menschlichen Pflichten. Wenn der Mensch diese erfüllt, ist seine Lehre (vgl. S'auhedrrn 5;), a), so bat er Antheil am ewigen Leben. Nur der Jude hat außer den allgemein menschlichen noch spezielle Gebote zu beobachten und er kann die Seligkeit nur erlangen, wenn er auch diese speziellen Gebote beobachtet. Demnach ist sich das Jndcnthum seines spezifischen Prinzips wol bewußt, fällt Jude- und Mensch-Sern nicht zusammen und Der lebt noch nicht als Jude, der da blos strebt, ein guter Mensch zu sein. Was ist aber Judenthum? Um diese Frage sich mit Bewußtsein zu beantworten, muß man mehr als das eigene Leben vor Augen baben, muß man zum großen Gange der Weltgeschichte sich zu erheben wissen. Als die ganze Menschheit in Finsterniß wandelte, als alle Völker sich mehr oder weniger ihrer Menschenwürde begeben hatten, als sie nicht blos äußerlich Holz und Stein andereten, sondern auch der sinnlichen Natur in des Menschen Brust, welche nur dem Geiste zu dienen geschaffen ist, die Oberherrschaft einräumttu, da wählte Gott ein Volk und zeigte ihm in seiner wunderbaren Geschichte, daß der Geist Herr über die Natur ist, daß er absolut Herr ist, eine Wahrheit, zu der sich bekanntlich auch die weisesten Philosophen des weisesten heidnischen Volkes, zu der sich auch ein Sokrates, ein Plato, ein Aristoteles nicht zu erheben wußten; denn diese Alle gestanden mehr oder minder der Natur eine Macht wider den Geist zu. Dieses Volk, welches der Herr in seiner wunderbaren Geschichte zu dieser Wahrheit erzogen hatte, nannte er Gotteskämpfer, sandte es hinaus in die Welt mit dem Berufe, für Gott zu kämpfen, mit dem Berufe, für alle Völker der Priester Gottes zu sein; denn da alle Völker zu dieser Wahrheit kommen sollten, „denn Gott gehört die ganze Erde" (Exod. 19, 5, 6), so sollten die Lebensschicksale dieses einen Volkes Allen zu Gute kommen. Es stand nicht in dem freien Belieben dieses Volkes, seinem Berufe nachzukommen, sondern da dieses Volk nur diese Aufgabe in der Weltgeschichte zu lösen hat, so hat jeder, der zu diesem Volke gehört, schon mit seiner Geburt die Pflicht übernommen, dieser Aufgabe zu genügen (^ö NN2 22V172). Wir brauchen nur auf die Weltgeschichte hinzuweisen, um zu überzeugen, daß das Gesagte keine Illusion, sondern Wahrheit ist. Gab es je ein Unrecht in der Welt, machte sich je ein falsches Prinzip geltend, von dem die Juden nicht vor Allem zu leiden gehabt hätten? Das Judenthum besteht also darin, daß jeder Jude weiß, er habe vermöge seiner Geburt, dadurch, daß er zu dem Volke gehört, welches still aber tief eingreifend in der ganzen Weltgeschichte wirken sollte, die Pflicht empfangen, allen Menschen ein Priester Gottes zu sein, alles Böse an seinem stillen Dulden zu Schanden zu machen und der Wahrheit allein den Sieg zu verschaffen. Kein Jude kann sich je von dieser seiner Aufgabe befreien; denn da es die seines Namens ist, so hat er sie vermöge seiner Geburt empfangen; so wenig der Mensch je aufhören darf, Mensch zu sein, so wenig kann der Jude, ist unsere Lehre, je aufhören, Jude zu sein. (Schluß folgt.) Zeitnugsnachrichten. Frankreich. Paris, im Februar. (Nach den .4rcki. isr. de F*’-) Im Zentral-Konsistorium ist eine Veränderung eingetreten. Eremieux ist jetzt zum Präsidenten ernannt worden, (er war bis jetzt Vizepräsident». — Ein Herr Altaras ist zum französischen Konsul in Bombai ernannt worden. — Den 30. Nov. ward im israclit. Tempel in Paris die Trauung des Herrn Moritz Godchaux und der Madmoiselle Magdalene Antoinette Staley, die zum Iudenthume übergcgangen, vollzogen. — Nord-Amerika. Äuebeck, 22. Sept. Die hiesige Zeitung berichtet: am 16ten ist in Trois-Rivieres (östliches Kanada) Herr Ezechiel Hart, Esq., Herr von Becancourt, 73 Jahr alt, einer der achtungswurdigsten amerikanischen Israeliten, verstorben. Er gehörte einer