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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-26 · Heft 9 (26.2.1844) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 9 (26.2.1844)
Date
1844-02-26
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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122 Zusammenhaltung Ln einer armen und schlaffen Zeit vollends zu lockern und zu lösen, um sich den kurzen Schmer; und die Beänstigung einer flüchtigen Stunde zu ersparen, die gehören ohnehin nicht Ln den Bund, den Gott in die Welt gestellt, daß er unter Schmerz und Opfern erstarke und groß werde und Ln Gott seine Freudigkeit finde. Ich beschließe diese meine Erklärung mit der Versicherung, daß ich nach bestem Wissen und Gewissen sie aus innerer Ueberzeugung so abgefaßt und gegeben, und mich überzeugt fühle, daß jeder Gottesgelehrte Ln Israel, der sich die Erhaltung und das Gedeihen, die folgerechte Entwickelung und Fortbildung des JudenthumS zu Herzen nimmt, wie er auch sonst gesinnt und gestimmt ist, in der Hauptsache sich mit mir einverstanden erklären müsse. Was übrigens zu thuu sei, um solchen Ausschweifungen und Verirrungen für die Folge vorzubeugen und dem Zerwürfnisse Einhalt zu thun, darüber stehe ich Ihnen zu , jeder Zeit mit meinen Einsichten und Erfahrungen zu > Diensten, und allerdings wünsche ich, daß das Löbliche j Frankfurter Rabbinat sich die Zerfattenheit zu Herzen nehme und auf Mittel sinne, durch Hebung und Verherrlichung der religiösen Institutionen die Gemüthcr mehr mit dem bestehenden Zudenthume zu verständigen und zu versöhnen. Wien, den 18. September 1843. Jsak Noa Mannheimer, erster Religionslehrer und Prediger am isr. Bethause und Seelsorger der isr. Gemeinde zu Wien. II. Gutachten des Herrn Ür. Samuel Hirsch, Oberrabbincrs im Großherzogthum Luxemburg. Luxemburg, den 1. August 1843. Sr. Hochwürden Herrn S. Trier, Oberrabbiner in Frankfurt a. M. Th eil I. Das im Namen Ew. Hochwürden ausgefertlgte Rundschreiben vom n»n ist mir Donnerstag den 27. Juli zugekommen. So bereitwillig ich auch bin und so sehr es meine Pflicht erheischt, dem mir in demselben gestellten Ansinnen zu entsprechen, so muß ich hoch bedauern, daß es Ew. Hochwürden nicht möglich gewesen zu sein scheint, mich näher mit dem Tbatbestande bekannt zu machen. Rur gerüchtsweise, durch kurze Zeitungsartikel — selbst die angegebenen Nummern des Frankfurter Journals kann ich mir hier nicht verschaffen — habe ich von der sich in Ihrer resp. Gemeinde gebildet haben sollenden Neu. sekte vernommen; Näheres, insbesondere ob und wiefern deren Anhänger noch Juden zu sein behaupten, weiß ich nicht. Dieses zu wissen, wäre aber höchst wünschenswerth, um so mehr, als es gewiß die Absicht Ew. Hochwürden nicht ist, Waffen in Anwendung zu bringen, die dem Geiste des Judenthums widerstreben, sondern Sie meine schwachen Kräfte nur in Anspruch nehmen, um jene irregeleiteten Männer, wo möglich, eines Bessern zu belehren, sie auf das Unhaltbare ihrer Theorien aufmerksam zu machen und so den gestörten Frieden in Ihre ehrwürdige Gemeinde zurückzuführen. Da es mir demnach an allen Anhaltspunkten fehlt, und ich den Gegner nicht kenne, den zu widerlegen ich mich wol verpflichtet halte, so muß ich mich natürlich darauf beschränken, im Allgemeinen darzulegen, wiefern die Zeremonien, insbesondere die in Frage stehende Beschneidungszeremoriie, einen wesentlichen Bestandtheil des Judentums ausmachen. Um diese Frage zu entscheiden, muß man sich erst darüber klare Rechenschaft abgelegt haben, was denn Judenthum sei? Obgleich ich mich bemüht habe, dieses in verschiedenen Druckschriften — (Religionsphilosophie der Juden; Meffiastehre der Inden; Das Judenthum, der christliche Staat und die moderne Kritik, Briefe zur Beleuchtung der Judenfrage von Bruno Bauer. Leipzig bei Heinrich Hunger) wissenschaftlich zu erledigen, so kann ich doch nicht umhin, hier in Kürze die dort weiter entwickelten Ansichten zu wiederholen. Die in Rede stehende Neusekte, wenn sie dem Judenthum trotz ihres Derwerfens der wichtigsten jüdischen Zeremonien noch anzuhängen behauptet, kann nur von der falschen Grundansicht ausgehen: Das Judenthum habe kein spezielles Prinzip; um Jude zu sein, genüge, die allgemein menschlichen Pflichten zu beobachten. Seien auch von Moses Opferkultus, Speise- und Reinigungsgesetze, die Feier gewisser Tage rc. vorgeschrieben, so habe dieses Alles in Zeitumständen seinen Ursprung; der Geist des ' Judenthums fordere von allem diesem nichts. Allein dem ist nicht so. Der Beweis hiefür ist leicht zu führen. Würden Judenthum und Menschheit zwei sich deckende , Begriffe sein, so müßte das Judenthum vor Allem : seine Anforderung an alle Menschen stellen. Kern Mensch, müßte es behaupten, dürfe anders leben, i als es dieses fordert. Zu der Zeit und an dem Ort, wo

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