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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-26 · Heft 9 (26.2.1844) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 9 (26.2.1844)
Date
1844-02-26
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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119 bensschattirung auf dem Gebiete des Judenthums er angehöre. Ohne ein solches Zusammentreten und Zusammenwirken nicht blos dreser und jener, sondern möglichst vieler, wenn gleich Ln ihren Ansichten divergirender Rabbinen, weiß ich in der That nicht, wie wir uns aus den religiösen Wirren, worin wir seit einigen Jahrzehnten leben, und die immer größer zu werden drohen, herausfinden sollen. Es handelt fich gegenwärtig nicht mehr um die Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit dieser oder jener gottesdienstlichen Einrichtung, dieser oder jener Erleichterung für's bürgerliche und gesellschaftliche Leben; cs handelt sich um den Gesawmtinhalt unseres Glaubens, den wir nach zwei Seiten hin in seiner Reinheit und Göttlichkeit darstellen und befestigen müssen, sowol gegenüber der unsre Religion verunstaltenden und unser irdisches Sein allzu sehr beengenden Hyperorthodoxie, wie dem immer weiter umsichgreifeuden, Alles regierenden Unglauben oder Zweifel der Neuzeit. Wie große Verdienste sich auch, theoretisch und praktisch, einzelne Männer und Religionsbehörden um die heilige Sache unsres Glaubens erworben haben, sie verschwinden, möchte ich sagen, in Nichts gegen das, was noch zu thun ist, um die ungeheure Kluft, die sich inmitten des Judenthums aufgethan, und die täglich an Breite gewinnt, auszufüllen. Nur eine Vottzahl tüchtiger, geistlich und weltlich gebildeter Rabbinen wäre, meiner Ucberzeugung nach, dazu vermögend. Warum treten und wirken denn unsre Geistlichen nicht zusammen, wie zur Läuterung und Sichtung, so zur Aufrechthaltung und Befestigung unsres Glaubens? Warum legen sie die Hände iu den Schoos und sehen 'müffig dem augenscheinlichen Verfalle unsres Religionslebens zu? Solche Fragen gebildeter wie ungebildeter Laien werden nur allzu oft laut, und gewiß, sie sind nicht ganz ohne Grund. Es ist endlich an der Zeit, theure Amtsbrüder, daß wir gemeinschaftlich und thatkräftig aufstehen und wirken für die Sache Gottes und unsrer Gemeinden. Hat Eine der eingangs erwähnten Versammlungen eine so große und heilige Tendenz? Ist von Einer so Wichtiges bedingt, wie von der unfeigen? Und was Andere um weit Geringeres unternommen, wollten wir es nicht des Höchsten wegen beginnen? Was könnte unsren Zusammenkünften hindernd im Wege sein? Unsre Gemeinden werden sie gewiß als heilverkündend begrüßen, und unsre hohen Regierungen uns eben so gewiß das Halten und Anwohnen derselben gestatten. Zeit dazu haben wir ebensowol wie jene Männer anderer Berufsweisen. Wer von uns aber brächte für so großen Zweck nicht gerne ein Geldopfer? und welche Gemeinde oder Behörde unterstützte uns nicht bereitwillig in unsrem Vorhaben, den Versammlungen beizuwohnen? Darum ergehet hiermit an meine sämwtlichen geehrten Amtsbrüder in Deutschland der dringende Aufruf: Lasset uns zeitweise zur Besprechung und Berathnng der heiligen Angelegenheiten unsres Glaubens z u sa m m e n k o m m e n. Doch will ich mich gleich dagegen verwahren, als sei es meine Absicht, mich an die Spitze dieses wichtigen Unternehmens zu stellen, oder überhaupt in Ausführung desselben eine besondere Thätigkeit zu entwickeln, was sich weder mit meinen persönlichen Neigungen, noch mir der Beschaffenheit meines amtlichen Wirkungskreises vertragen würbe. Ich wollte hier nur den Gedanken ausspreche», den ich schon Jahre lang mit mir herumtrage, und den gewiß Tausende, Rabbinen wie Private, mit mir theilen. Wo! aber erlaube ich mir den Wunsch auszusprechen, der verehrte Herr Redakteur dieser Zeitung, welcher sich um unsre Glaubenssache schon so verdient gemacht hat, möchte sich berufen fühlen, meinen Vorschlag als de» seinigen aufzunehmen und mit der ihm eigenen Energie ins Werk zu setzen. In diesem Falle wäre demselben, auch, meines Erachtens, die Orts- und Zeitbestimmung, sowie überhaupt alle weiter nöthige Feststellungen für die erste Versammlung anheimzugeben. Doch könnten hierüber zuvor noch öffentliche Besprechungen in diesen Blättern stattfinden. Gießen, im Januar 1844. Dr. Lern, Großherzogt. Hess. Rabbiner der Provinz Oberhessen. Die Beschneidungs- und Reformvereins-Frage. (Fo rtsetzung.) So ist die Beschneidung durch alle Phasen und Gestalten, die das Judenthum durchgemacht, von der Einfachheit der patriarchalischen Sitte bis zur vollendeten, mannigfach verzweigten Askesis des später» Rabbinism, das unangetastete Symbol, Zeichen des Bundes, mat im strenger» Sinne. Es bezeichnet xax i£ox?jv die Aufnahme in den Bund; die vorgeschriebene Formet und Benedrktion bei der Beschneidung lautet daher nicht:

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