Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1844)
- Date
- 1844-02-26
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 haben wir also zu erwarten? Wenn uns Alles außer uns ittrlW, müssten wir uns auf uns selbst verlasse», imv «ach Erlaubter, gesetzlicher Selbsthülfe uns Umsehen. Dazu die Synoden, die Mittel und Rath finden, und die Gemeinden schon zur Theilnahme bewegen werden. Brüderlich müssen wir, ohne Groll und Haß, ohne Argwohn und Verdacht, -als Söhne eines Vaters, zusammentrcten, Jedem fern Theil an der Arbeit, wie am Verdienste gönnen; und dann wird es, weil Jeder auf Selbstbefriedigung, Gewissens- und Seelenfreude, und Anerkennung rechnen kann, nm so eher gelingen, je mehr Kräfte wirken, und je mehr Kräfte zu einem und demselben Zwecke sich vereinigen/") — Ich war bestimmt, und in Ro. 52. d. Ztg. vor. I. kündete ich meinen Lesern im leit. Art. schon an, daß ich, um die Herstellung der Einigung in religiösen Dingen mit der Zeit zu bewirken, einen Vorschlag machen würde, der jedenfalls zu interessanten Diskussionen führen würde. Als ich eben mit dem Abfassen der Aufforderung beschäftigt war, kam mir ein vom 2. Januar datirtes, am 7ten zu mir gelangtes Schreiben des Herrn Rabbiner Dr. Levi in Gießen zu welches einen Aufsatz enthielt, durch den Rabbinerversammlungen angeregt werden sollten, und in welchem ich äufgefordcrt werde, an die Spitze des Unternehmens zu treten. Dies konnte mich nur um so mehr bestärken, da, wie oben dargestellt ist, die Sache schon in mir reif war. Ich schrieb die Aufforderung vollends nieder, in welche mm einige Redewendungen des Herrn Dr. Levi einfloffen. Ein Jeder kann aus Ro. 3. sehen, daß ich, weit entfernt, als alleiniger Urheber gelten zu wollen, die Herren DD. Lilienthal und Levi tUttllCltiz lid) auffübrte. Begnügte ich mich damit? Ich habe in diesem Augenblick schon an 40 Briefe in dieser Angelegenheit erpedirt, und sie mich bedeutendes Porto kosten lassen. Ich glaubte meine Sache gut gemacht zu haben. Wie erstaunte ich, am 13. Februar einen furchtbaren Schmahbrief vom Dr. Levi in Gießen zu erhalten! Als Plagiarius wollte er mich anklagen — mich, der bereits an 25 Bände habe erscheinen lassen, und es soll mir Einer eine Zeile Nachweisen, als Plagiarius des Dr. Levi in Gießen! Ich hätte ihm die Vaterschaft dieses Kindes geraubt, hätte sie mir angeeignet, und ihn höchstens zu Gevatter gebeten. Cr droht, mich vor das Forum des Israeliten des Dr. Heß, dem er den Aufsatz *} Ich kann diese Briefe in natura einem Jeden zeigen. R e d a k t. vorgelesen hätte, zu laden, er droht, sofern ich nicht augenblicklich dkftn Abdrucken ließe: „bw Knocken zu zerhau ew!" Dn Alexander der Große dev! (weiim ich nur erst wüßte, wo der Knoten säße?)-Doch wir wollen ihn lieber lösen. So ungern wir das Publikum mit Wiederholungen plagen, so kann es doch nicht verlangen, daß wir uns vor so schrecklichen Drohungen und Gefahren nicht fürchten sollten, und so folge denn hier der Aufsatz des Herrn Dr. Levi in Gießen wörtlich. Es kann nun Jeder aus einer Vergleichung des Aufsatzes mit unserer Aufforderung, in wiefern wir für 4—5 unschuldige Reihen des Plagiats schuldig sind. Das Publikum wird aber anch die gediegen^Kraft des Dr. Levi bewundern, bewundern mit welchem Scharfsinn er angiebt — was denn die Versammlungen sollen? mit welcher Klugheit und Besonnenheit er alle Hindernisse^ erwägt und sofort aus dem Wege räumt — — doch halt! keine Ironie weiter. Daß Herr Dr. Levi mit dem Entstehen der Idee gar keine Verbindung hat, haben wir oben angezeigt; daß es von unsrer Seite gewiß unschuldig war, einige Redewendungen aus einem eben gelesenen Aufsatze aufzunehmen, sieht man leicht ein; daß wir jedoch unsrer Pflicht durch Nennung seines Namens genügten, halten wir uns überzeugt; daß in ernsten, allgemeinen Dingen die Eifersucht nicht so auf die Spitze getrieben werden müsse, habe ich bis jetzt geglaubt. Dennoch thut es mir sehr leid, daß der brave Mann sich so schrecklich geärgert hat — ich lachte. J^rs-nn Tiers mwb n? Naturforscher, protestantische Geistliche, Philologen, Juristen, Forstmänner, Apotheker, Kaufleute, Landwirthe und andere Repräsentanten der Zweige menschlichen Denkens, Wissens und Schaffens versammeln sich alljährlich oder zu gewissen Zeiten, nm ihre Gedanken auszutanschen, ihre Wissenschaft zu fördern und die Angelegenheiten ihres Standes und Berufes zu berathen; und noch hat sich, so viel mir bekannt, keine Stimme erhoben, die ähnliche Rabbiner-Versammlungen zum Vorschlag brachte! Ich meine nicht Rabbiner-Versammlungen im Sinne der vor mehreren Jahren zu Wiesbaden stattgesuudenen, bei welcher nur Eine religiöse Geistesrichtung vertreten war oder sein sollte, und welcher beizuwohnen ich mich daruw auch nicht entschließen konnte; sondern solche, deren An wohnen ohne Ausnahme Jedem gestattet wäre und von Jedem gewünscht werden müßte, der ein geistliches Amt in Israel führt, gleichviel welcher Glau-