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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-19 · Heft 8 (19.2.1844) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 8 (19.2.1844)
Date
1844-02-19
Page
Seite 113 (sequence 13)
Language
German
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113 den armen Juden als Werkzeug ihrer eigenen schändlichen Erpressungen gebrauchen und dann ihn aus den Pranger stellen, während sie selbst die größern Verbrecher sind. Man sagt auch noch, daß sie sich nicht an die Nation, unter der sie leben, und an das Vaterland anschmiegen; aber Sprecher finde, daß die Juden überall auch gute Bürger seien, und führt als Beispiel Polen an, wo sie keine Rechte hatten, ja sogar nicht einmal die Hoffnung, daß die Revolution ihnen Rechte geben werde; und dennoch stellten sie sich begeistert auf den Kampfplatz und vertheidigten mit ihrem Herzblute jenes Land, dessen blos geduldete, unterdrückte Bewohner sie waren; er erwähnte auch die letzte Prüfung an der israelitischen Schule zu Preßburg, woraus zu ersehen, daß dies Volk nicht wie die Slaven und Jllyren der ungaririschen Nationalität fremd sei. — Sprecher wünsche am glühendsten, daß jeder Bewohner des Landes Rechte besitze; und am 8. März des Jahres 1840 war er der „passer Solitarius,“ der von Niemandem unterstützt, Volksrepräsentation beantragt habe, blos damit die Nachwelt sehen könne, daß schon 1840 ein Komitat gewesen sei, das die große Idee angeregt habe. Was die Juden verflossenen Landtag erlangt hatten, dafür danke er recht innig. Den stufenweisen Fortschritt anlangend, glaube er, daß zum Ucbergang zum Guten gar keine so ungeheure Qualifikation nöthig sei; es giebt dazu selbst Beispiele in der österreichischen Monarchie, wo einem gewissen Sprößlinge eines armen Mannes, der jenem Gesetze zufolge gar keine bürgerlichen Rechte besitzen konnte, nachdem er in den Adel erhoben worden, und ein kostbares silbernes Tafelservice, einen Portier und ein Heer von livrirten Bedienten sich angeschafft habe, Niemand es ansehe, daß er nicht in seinem gegenwärtigen Stande geboren sei. Als 1789 die franz. Revolution aussprach, daß vor dem Gesetze jeder gleich sei, empfand der pariser Dandy und der vozesische Kohlenbrenner die Wohlthätigkeit dieses Zustandes in gleichem Maaße, und wenn letzterer, auf das glatte Parquet tretend, auch anfangs ausglitt, ja sogar fiel, so thut dies njchts, er steht wieder auf, er lernt das Gehen- und sein Sohn wird in seinen Pantoffeln schon mit großer Geschicklichkeit recht behaglich darauf herumspazieren. Hüten wir uns also vor Gesetzen, wie das von 1840, wodurch der Stand der.Juden noch ganz und gar nicht versichert ist, und wegen dessen sich doch eine f. Freistadt die Rechte einer Bergstadt angemaßt habe. Die Sache ist schon reif; verhindern wir also nicht, daß ein gemeinschaftliches Land alle Bewohner unseres Vaterlandes an den geheiligten Boden knüpfe, und geben wir ihnen das, was wir ihnen rechtmäßig auch nicht verweigern können; geben wir es ihnen, die die Stiefmütterlichkeit unserer Konstitution in diese Erniedrigung gestoßen. Ja, Sprecher läugnete es sogar, daß die Moralität der Juden auf einer tiefcrn Stufe stehe, als die anderer Religionsangehörigen; er erinnere bloß daran, daß 183» in K— keine Juden unter den Beamten waren. (Fortsetzung folgt.) Pozsega, (Slavonien) im Januar. (Privatmitth. Schluß.) Der Redner sagte weiter, daß er den größten Theil unseres Landes durchreiste und überall gefunden habe, daß die Juden das deutsche Element verbreiten, dem vaterländischen aber sich durchaus nicht anschmicgen wollen, während der Jude in Frankreich ein Franzose, in England ein Engländer ist"); er habe aber auch erfahren, daß sie neben der Aristokratie des Grundbesitzes und der Geburt eine Geldaristokratie ausüben. Ein paar Schulprüfungcn, dergleichen auch die vorbereitete Prüfung der hiesigen Mädchenschule während dieses Reichstages war, sind nicht hinreichend, um die Anhänglichkeit an unsere °) Wenn wir die Wahrheit gestehen wollen, hat der Herr Deputlcte de! seiner Bereisung des größten Thcils unseres Landes nur einseitige Betrachtungen angestellt. Was hier den Juden zur Last gelegt wird, könnte fast jedem Bürger der Städte Ungarns vorgeworfen werden. Jeder französische Bürger ist Franzose, jeder englische ein Engländer; ist auch jeder ungarische Bürger ein Ungar? wenn daher der Gebrauch der deutschen Sprache im häuslichen Kreise ein Verbreiter des deutschen Elementes in Ungarn genannt werden kann, so lastet dieser Vorwurf auf dem größten Theile der ungar. Bürger! — Welche Sprache spricht der Bürger selbst jener Stadt, wo die alleinige Herrschaft der ungar. Sprache mit solcher eisernen Beharrlichkeit erfochten wird, — ich meine den Bürger Preßburgs — spricht er nicht deutsch? Und welche Sprache spricht der Bürger Pests? Sollte es je einst dahin kommen, daß die Bürger aller Städte nur ungarisch sprechen werden, seien Sie versichert, daß dann auch der Jude in Ungarn Ungar sein wird aus voller Zunge, so wie er es jetzt aus vollem Herzen ist. E. F.

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