Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1844)
- Date
- 1844-02-19
- Page
- Seite 114 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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m Sprache zu erweisen"). Wir müssen auf unsere Lage Rücksicht nehmen; sie unterscheidet sich sehr von *) Herr Dcputirter! wir legen hier in diesem Organe für jüdisches Interesse gegen diese Ihre Anklage Protest ein. Wollten Sie sich noch einmal die Mühe nehmen, eine Rundreise in Ungarn zu machen, so würden Sie ganz andern Erscheinungen begegnen. So würden Sie finden, daß beinahe ku'ne Gemeinde in Ungarn ist — sie mag noch so klein sein — wo nicht mit vielem Fleiße das Ungarische betrieben wird; so würden Sie sinden, daß Eltern, die in Dörfern nichtungarischer Zunge wohnen und denen die ung. Sprache fremd ist, ung. Ammen und Dienstboten ins Haus nehmen und so dem Kinde das Ungarische schon bei der ersten Entwickelung seiner Sprachfahigkeit gleichsam mit der Muttermilch bcibringen, die schulfähigen Kinder aber nach ung. Städten schicken — wo die größten Opfer nicht gescheut werden — um sie zu magyacisiren. Eben in diesem Blatte ist schon vor zwei Jahren ein Bericht der Preßburger Zeit, mitgetheilt worden, daß bei einer Kongregation des löbl. ö)enburger Komitates mit Vergnügen ein Bericht angehört wurde, daß sich in den jüdischen Schulen für das ung. Sprachfach ein besonderer Eifer entwickelt, der den christlichen Schulen deutscher Zunge fremd ist; so würden Sie endlich sinden, daß selbst die wenigen sehr zerstreut wohnenden Juden Slavoniens — wo man im Allgemeinen dieser Sprache sehr wenig geneigt ist — sich alle Mühe geben, ihre Kinder mit ihr vertraut zu machen; ja daß kein Pcivatlehrer — viel weniger ein öffentlicher — der der ung. Sprache nicht mächtig, auf eine Anstellung in Ungarn rechnen kann; wahrend wir im Vkläg No. 78, v. I. einen Preßburger Korresp. klagen hören, daß in der als sehr wohlthatig wirkend allgemein anerkannten Madchenerziehungsansftrlt „Nolre damcs“ der Unterricht unserer süßen Nationalsprache vernacylaffiget wird und die zeitgemäßen Ansprüche nicht genügend gewürdiget werden. Erwägt man noch dazu, daß, obwol die Idee, die ung. Sprache diplomatisch über die lateinische zu erheben, schon vom'Landtage 1790 ausgegangen, dennoch bei den darauf folgenden Landtagen — selbst noch 1825 — von einem großen Theile der Deputirten lateinisch gesprochen ward; daß erst durch das unermüdete segensreiche Wirken der ung. get. Gesellschaft — die nicht langer als 13 Jahre bestehet — diese Sprache auf die Stufe gehoben wurde, auf der sie jetzt stehet; daß endlich die Juden im Allgemeinen sich erst seit dem vorigen Landtage, der ihnen eine bürgerliche Gleichstellung in Aussicht stellte, nachdem sie einsahen, daß man nicht mehr abgeneigt sei, sich mit Juden in bürgerliche Gesellschaft einzulaffen, sich in Masse mit dem Studium dieser Sprache befassen, muß man in der That staunen über die Ungeheuern Fortschritte, die in dieser kurzen Zeit unsrerseits gemacht wurden; und — der anderer Länder; wir müssen stufenweise fortschreiten, denn nur so kann unsere Reform auf friedlichem Wege gelingen, sonst nicht. — Einige nachfolgende Redner drückten ihre Verwunderung über diesen Bortrag aus, weil derselbe einen gar zu konservativen Anstrich habe, da doch die Rede des ehrenwerthen Deputirten am 5. Dezember ganz anderer Art gewesen. — .Es sprachen sich noch einige Deputirte zu Gunsten der Israeliten aus; es ward endlich auf Abstimmung gedrungen, und es stimmten nur 12 für die Weglassung des Punktes au., 35 aber für dessen Beibehaltung. Jedoch erklärten Einige der Letztern, daß sie nicht gegen die Emanzipation der Juden überhaupt seien, sondern nur dagegen, daß dieselbe so stückweise, gleichsam eingeschmuggelt werde." E. F. —. So eben liegt mir ein Provinzialblatt vor, dem ich Folgendes entnehme. „Barscher Komitat. In der jüngst abgehaltenen Komitatssitzung ward ein Jntimat der hochl. Stadthalterei verlesen, das die Entfernung der Juden von St. Benedikt urgirt und verordnet, daß kein Jude innerhalb der vom Gesetze bestimmten Schranken in die Bergstädte ohne einen Statthaltereipaß eingelassen werde." Die Wasser- und Feuerprobe haben wir glücklich ausgehalten, was der Umstand bezeuget, daß, seit der großen Ueberschwemmung Pest's und dem schrecklichen Brande Hamburgs, die Bewohner dieser beiden Städte mit uns mehr fraternisiren, deren Behörden uns mehr Rechte einräumen, so daß die jüdischen Bewohner dieser beiden Städte mit dem Psalmisten LXV1, 12 sagen können tim rrrt aber so viel Muth haben unsere christlichen Brüder noch immer nicht, uns einer Gold- und Silberprobe auszusetzen. — Nun freilich, Gold und Silber kann Jeder für sich brauchen! — —. Bevor ich diesen Brief schließe, möge noch eine Anekdote folgen, die in diesem Blatte und nach dem eben Mitgetheilten, nicht an unrichtigem Orte wäre. Ein reicher, ehrenwerther isr. Kaufmann erzählte mir: vor etwa zwei Jghren habe er eine Reise in die Bergstädte nöthig gehabt, um eine Schuld einsolche Fakta — sind wahrscheinlich hinreichend genug, die Anhänglichkeit an die Nationalsprache zu beweisen E. F*