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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-19 · Heft 8 (19.2.1844) · p. Seite 112

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 8 (19.2.1844)
Date
1844-02-19
Page
Seite 112 (sequence 12)
Language
German
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112 dieselben um allgemeine Emanzipation bitten. Die Petition wurde der für dergleichen Gegenstände eigens ernannten Kommission zur Begutachtung übergeben. —. Von den Kongregationen der Komitate gehen verschiedene Instruktionen an ihre Deputirten, wegen Stimmung oder Nichtstimmung bei der Emanzipationsfrage der Juden, ein. Das Neutraer Komitat will die Juden durchaus nicht emanzipiren. Das Biharer Komitat will sie emanzipiren, daß sie sogar auch als Repräsentanten und Reichsdeputirtcn gewählt werden können. Das Szütmürer Komitat wünscht, cs sollen den Israeliten Ungarns nur nach und nach Konzessionen crtheilt werden, nicht aber auf einmal das Bürgerrecht. —. Aus dem Barscher Komitate. — Ein Intima t urgirt die Entfernung der Juden von St. Benedikt und-verordnct, daß kein Jude innerhalb der vom Gesetze bestimmten Schranken in die.Bergstädte ohne einen Statthaltcreipaß eingelassen werde. Beschlossen wurde, die hohe Statthalterci, sowie das Komitat zu ersuchen, den Juden von nun an keinen Paß nach den Bergstädten zu crtheilen. —. Unter der Ueberschrist „Philantropismus des 19. Jahrhunderts" erzählt unter anderem die Nemzeti Ujsilg (Nationalzcitung) Folgendes: Der Wagen eines Juden schlägt mit dem eines Slovaken auf dem Wege zusammen, stürzt um und beschädigt sich; der Jude klagt beim Stuhlrichter des Bezirkes, der den Slovaken zu einem Schadenersatz von 19 Fl. verurthcilt. Der Slovak vertheidigt sich und giebt an, daß der Jude während des Wortwechsels ihn beim Zopf angepackt habe. Der Stuhlrichter befiehlt dem Zopfgepackten, als Vergeltungsrccht dem Juden die Haare auszuraufen. Dieser weigert sich diesem Aussprüche Genüge zu leisten, aber der Haiduk wird gerufen und Vorbereitungen zum Niederziehen des Slovakcn getroffen! Dieses Furchteinjagen wirkt und der Slovak sieht sich genöthigt diesem Befehle nachzukommcn, und er rauft dem armen Juden sein Bischen Haar aus dem Kopfe. —. In Groß-Kallo starb unlängst ein hundert fünfzehnjähriger Israelit; sein ältester Sohn ist 89 Jahre alt. Bei einem Gastmale, das er seiner Familie gab, zählte er über 20V Enkel und Urenkel. —. Herr Neumann, Lehrer an der Nationalschule zu Altofen, gab vor Kurzem die Geschichte von Ungarn, in ungarischer und deutscher Sprache, zum Gebrauch für Schulen, heraus. Herr Neumann verdient die beste Anempfehlung und Anerkennung von Seiten der israelitischen Schulen Ungarns. E. F. Arad, 29. Oktober. (Privatmitth. Fortsetzung.) Die übrigen Redner, 10 an Zahl, erschöpften, ihre Reden an Herz und Geist richtend, jeden nur vorzubringenden Grund, und erkämpften auch in der That, daß, wie einer sich ausdrückte, die Juden nicht an den Niagara verwiesen werden. — Der erste Komitats-Ablcgat erklärte, daß er jenen niedrigen und schmutzigen Spott verachte» womit die Augsburger Kaffeeschwester während des verflossenen Landtags die für das Judenthum ihre Stimme Erhebenden berührte; daß weder er noch irgend einer seiner Kollegen sich durch ähnliche Waffen von seiner Pflicht abschrecken lasse; mit Betrübniß malte er den Zustand des Stammes der Völker, des einst kriegerischen und glänzenden, jetzt über den ganzen Erdball zerstreuten, des Bedauerns bedürftigen jüdischen Volkes. — Er mißbilligte die sich in den Städten zeigende Befangenheit, deren schmutziges Zeugniß der preßburger Exzeß von 1840 sei, wo der erboßte Pöbel sich schimpflicher Ausbrüche gegen dieses verlassene Volk bediente, blos weil die Gesetzgebung ihm einige Rechte verliehen hatte. — Er durchlief die gegen die Juden erhobenen Anklagen. — Was die Religion anbelangt, kenne er nichts Traurigeres, als wenn von Glaubensverschiedenhcit die Befähigung zu bürgerlichen Rechten abhängig gemacht wird; aus solch einem Lande müsse.man auswandern. Denn wer ist der Tollkühne, der auszusprechcn wagte, daß in der Brust desjenigen kein reines Gefühl für Bürgerpflichten bestehen könne, der seinen Gott z. B. in der Hostie, oder ohne dieselbe verehrt? Jene finstert: Zeiten seien vorüber, und ihm gelte es gleichviel, der Jude möge Gott anbeten in welcher Form er wolle, er möge sich in religiöser Beziehung von andern isokircn; er sei blos guter Bürger und dem Vaterlande ein treuer Sohn. — Auf jene Anklage, daß sie die Blutigel des Volkes seien, äußerte sich der Sprecher, daß wir daran blos selbst Schuld seien, die wir sie aus den Städten hinaus unter die Hefen des Pöbels schließen; aber dies sei auch keine ausschließliche Eigenschaft dieses Volkes; und er kenne viele christliche Juden, er könne auf viele mit den Fingern weisen, welche

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