Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-19 · Heft 8 (19.2.1844) · p. Seite 108

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 8 (19.2.1844)
Date
1844-02-19
Page
Seite 108 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225344--05854-3314635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

108 Straßburg, im Februar. (Privatmitth.) Folgende Notiz ist nicht uninteressant für unsre Zeit. Herr Berliner, ein Schreibelehrer, Israelit» hatte jüngst einen Prozeß gegen den Redakteur der l’Alsace wegen öffentlicher Schmähung eingeleitet. Da der Letztere nicht vor Gericht stehen wollte, verglich er sich mit dem Beleidigten, indem er ihm 10,000 Frks. Entschädigung und eine öffentliche Genugthuung anbot. Um nun jedem Verdachte zu begegnen, vertheilte Herr Berliner die ganze Summe (2666j Thlr.) unter die verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten aller Konfessionen, die in Straßburg sich befinden, gleicherweise, und schickte auch 2500 Fr. nach Lunepille, der Geburtsstadt seiner Frau, um es an alle Kulte zu spenden. Der Redakteur der l’Alsace erkannte diese schöne That selbst an und sagte dem Hrn. Berliner alles Lob in seinem Journale. L. B. Deutschland. Hamburg, im Februar. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit verglichen wir Europa's Stillschweigen bei der Judenvcrtreibung in Rußland mit dem Alarm bei der Enthauptung eines abtrünnigen Armeniers. Wir finden diese Idee weiter ausgeführt in dem Bortlolio, Januarheft, Aufsatz on lbo persecutivu »k tbe Russian Jews, Seite 308 — 316, wo cs heißt: „Als vor einiger Zeit ein abtrünniger Armenier in Konstantinopel enthauptet wurde, war die ganze christliche Welt entsetzt.' Der eine unserer weisen Staatsmänner verlangte von den Türken, sie sollten ihre Gesetze umändern, der andere war durch das (fränkische) Kleid beleidigt, in welchem man den Renegaten hinrichtete. Wo verweilt denn der öffentliche Unwille über den Akt, der Tausende und Zehntaufende dem Grabe überliefert? wo ist die diplomatische Geschicklichkeit, die diese Ungerechtigkeit abzuwenden sucht? wo die wohlwollende Gegenvorstellung, die dringende Gegenrede, die vorsichtige Hinweisung auf die Nachgiebigkeit gegen den Zeitgeist, gegen die Humanität des Jahrhunderts und seinen Fortschritt? Die türkischen Gerichte haben nicht aus Muthwillen, aus Rachsucht, sondern gegen ihren Willen und unter dem Zwang eines Eides eine Pflicht erfüllt, die ihnen der Leichtsinn eines Individuums auflegte. Weder Leidenschaft, noch Absicht, noch Fanatismus leitete sie, sondern lediglich Folgsamkeit gegen ein Gesetz, das den Tod gegen den ausspricht, der sowol die christliche als die muhamedanische Religion entweiht. Und das Ereigniß schreckt ganz Europa auf und bringt seine Regierungen in Eifer. Die über die Juden ergangene Verdammung bringt kein Entsetzen hervor, regt Niemanden auf, setzt keine Diplomatiker in Bewegung. Man spricht kaum davon, und wenn überall, so erwähnt man sie — sich leise in s Ohr flüsternd." So lautet die Stimme aus England: und von England her wollen wir Beistand in dieser Angelegenheit erwarten. Wollte der Himmel (und mögen auch diese Zeilen dazu beitragen), daß dort dieses Ereigniß treu geschildert und warm besprochen würde: es wäre gewiß nicht ganz vergeblich. — —. Neulich feierte ein hiesiger Senator, einer der reichsten Kaufleute dieser Stadt, sein funfzigjähriges.Bürgerjubiläum und bedachte unter vielen wohlthätigen Anstalten auch die jüdischen mit 1080 Mark Bank», idavon der neue Tempel 400 erhielt. Hierüber ward am folgenden Sabbat im Tempel mit solchem Pathos gepredigt — und bic Predigt expreß gedruckt — als von einem „Ereigniß, auf das man stolz sein müsse," daß das übertriebene Lob fast einer Beleidigung glich. Wie? kein vermögender Jude stirbt, ohne auch die öffentlichen christlichen Anstalten reichlich zu bedenken, und wenn einmal ein Christ den jüdischen Anstalten etwas schenkt — es geschieht > freilich nur selten — so sollen wir das aufnehmen, als wären wir dadurch erlöset, oder mindestens ho? geehrt! I —. Ihre Aufforderung wegen des Schwanen- Ordens, den fast alle deutsche Zeitungen wiedergegeben haben, ist auch hier mit vielem Beifall ausgenommen worden. Hoffentlich wird sie nach allen Seiten hin Früchte tragen und die preußischen Gemeinden selbst als Korporationen bcizutreten verlangen. Von der Absonderung, die ein älterer, ebenfalls philantropischen Zwecken geweihter Orden in Preußen (hier nicht mehr) so schroff fest hält"), wird ohne Zwe^ sei bei dem neuen keine Rede sein. Es giebt freiliw nick't nur Christen, sondern sogar jüngere in jüdischer Dingen unbekannte Juden, die es nicht wissen oder wußten, daß in Wohlthätigkeits- und Humanitä suchen die Priorität dem Judenthume gebührt, und ") Die Freimaurer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.