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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-12 · Heft 7 (12.2.1844) · p. Seite 97

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 7 (12.2.1844)
Date
1844-02-12
Page
Seite 97 (sequence 13)
Language
German
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97 Persönlichkeit mit den übrigen entstanden waren, hatten das Bild zu einem großartigen machen können, hatten den Roman von der Mittelstufe erhoben, auf der er nun doch stehen geblieben. Die Vers, hat so Etwas gefühlt, sie suchte danach in einigen Nebenpersonen, konnte aber hierin zu Nichts kommen, weil ihr der Stoff nicht zu Gebote stand. Die anonyme Verfasserin muß eine Christin sein. — Wenn wir nun in die innere Anlage des Romans, die uns aus der eben gegebenen Skizze klar ist, einen Blick werfen: so müssen wir die ganze Staffage vom Höhenpunkte der gegenwärtigen Zeit denn doch als eine, einer jüngst, aber doch schon vergangenen Zeit angehörige bezeichnen. Der Enthusiasmus des jungen Arztes um die blos politische Emanzipation der Juden ist eingemachter. Unsere Frage ist durchaus nicht mehr eine blos legislative. Der Staat allein füllt sie nicht aus. Es gilt einen Theils die Gesellschaft, andern Theils den religiösen Gehalt des Judenthums, seinen Lehrinhalt. Diese der Emanzipation zuzuführen, ist Aufgabe der Gegenwart. Die staatliche Frage ist entschieden. Und wenn der und jener Staat sich noch sperrt: im Allgemeinen muß man sich damit trösten, daß der Staat ja auch in anderen Dingen oft zurückbteibt, und zuletzt auch Nachkommen wird. Den Beweis hierfür bildet der Grund, den man der Emanzipation seit zwei Jahren entgegenzustellen begonnen hat — der christliche Staat. Hier habt Ihr die religiöse Seite ganz und gar herausgewandt. Ein Lächeln muß es uns abgewinnen, wenn in dem vorliegenden Roman zuletzt alle Christen glücklich, alle Juden unglücklich werden; waren keine Junen dazwischen gerathen, würde gar kein Unglück entstanden sein — dann würde aber auch der Roman gar nicht gekommen sein. Darin müssen wir allerdings Recht geben, daß eine so Haltungslos, lediglich aus's Weltliche und den Lebensgenuß hinausgehende Stellung, wie die jüdische Familie des Romans einnimmt, trotz großer Lebensklugheit, zuletzt zusammenbrechen muß — sie hätte nur das Gegenbitd nicht allein in den christlichen Familien — wo ein verirrter Sohn sogar zuletzt brav und glücklich wird — sondern auch in einer wahrhaft frommen jüdischen Familie finden sollen. Anderweitig aber müssen wir dankbar anerkennen, daß alle Juden des Romans mit Tugenden geziert sind, nur die religiöse Stütze ist ihnen durchgesägt. Wir theilen zum Schlüsse diejenige Stelle des Buches mit, die allein, ohne aus dem Zusammenhänge gerissen zu sein, ein höheres Interesse bietet, auch zugleich eine Stytprobe der Verfasserin ist. Es waren in dem Meier'schen Hause „Bendemann's trauernder Jude" in einem lebenden Tableau aufgeführt worden, und hatten einen sehr tiefen Eindruck gemacht. „Wenn ich nur wüßte, sagte Hughes, worin es lag, daß dieses Bild heute einen so erschütternden Eindruck auf mich machte, wahrend das Original, trotz seiner großen Schönheit, mich ziemlich kalt lieg?" „Das will ich ihnen wol sagen, theurer Sir!" antwortete Erlau (der Mater) „und ich bilde mir nicht wenig darauf ein, mit diesem Tableau den Effekt gemacht zu haben, den es heute auf Jeden hecvorgebracht hat. Sie haben heute zum ersten Mal trauernde Juden gesehen, wahrend Bendmann trauernde Düsseldorfer in fremdartiger Kleidung gemalt Hughes gab zu, daß Erlau Recht haben könne. — „Gewiß habe id) Recht. Ich hatte, als ich in dem Katalog der Ausstellung „Trauernde Juden" von Bendmann las, eine rechte Herzensfreude. Ich liebe die Juden, sie sind nicht mehr das, was sie vor tausend Jahren gewesen sein mögen, aber es ist noch Originalität, Race in ihnen, und darum sind sie für den Maler interessant. Nun dachte ich, wenn ein Jude den Muth hat, Juden zu malen; wenn dieser Mater Bendmann ist, da muß es ein Stück Arbeit werden, das Hand und Fuß hat. Ich dachte, er würde sich köstliche Gestalten, üppige Weiber mit Flammenaugen gewählt haben — nicht doch? so weit reicht sein Muth nicht. Er nimmt ein Sujet aus dem Judenthume, aber er tauft seine Juden, ec übersetzt sie m’6 Düfseldorfsche, und nun sitzen die deutschen Mamsellen und sehen, so hübsch sie sind, doch nur aus, wie Düsseldorfer Gärtner, denen die Raupen den Kohl aufgefressen haben." Hughes lachte. — „Was ist da zu lachen? fragte Erlau, der ganz ernsthaft wurde, sobald es die Kunst galt, die er heilig hielt. „Gestehen Sie, es ist, wie ich sage. Ist schon irgend ein Mensch so thörigt gewesen, sich blonde, deutsche Modelle zu nehmen, wenn er neapolitanische Fischer malen wollte? Das thut Niemand. Würde nicht alle Welt lachen, es abgeschmackt finden, wenn man Zigeuner mit der Physiognomie eines phlegmatischen Holländers malte? — oder Parias mit goldblonden Locken und einer Lilienhaut? Auch dem Paria muß sein Recht werden, sonst laß ihn lieber ungemalt und ungeschoren; und dasselbe

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