Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1844)
- Date
- 1844-02-12
- Page
- Seite 96 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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96 namentlich in Franken und der Oberpfalz, wo die Fruchtbarkeit des Bodens bedeutender, als Ln einem großen Theile der Pfalz ist, ein weit blühenderer Wohlstand als in letzterer sein — und dennoch wird dies nicht leicht behauptet werden wollen, wird man im Gegentheil keine Provinz vielleicht in ganz Deutschland finden, wo der Wohlstand heutzutage glänzender, unter allen Theilen der Bevölkerung, und namentlich auch unter den Bauern, die doch dem Wucher der Israeliten am meisten ausgesetzt sein müßten, mehr verbreitet wäre, als gerade in der Pfalz. Solche Thatsachen muß man ins Auge fassen, Thatsachen, die man mit sehenden Augen nicht laugnen kann, wenn man ein gerechtes, der Lüge, dem Vorurtheil, dem blinden Hasse und der Verlaumdung nicht entnommenes Urtheil fallen will, solche Thatsachen sollte auch der Deutsche endlich bemerken, wenn er sich mit seinen hohlen Theorien nicht ewig lächerlich machen will. Aber selbst dem Handel, der übrigens in unsern Tagen, wenn er redlich geführt wird, weit eher zu fördern, als zu unterdrücken wäre, der das Vestafeuer der heutigen Nationen sein müßte, das sie Tag und Nacht unterhalten, das ewige Licht, das auf dem Altäre des Vaterlandes nicht erlöschen sollte, wenn wir mit andern Nationen gleichen Schritt halten und nicht zu den Handlangern in ihren industriellen Unternehmungen herabsinken wollen, dessen Wichtigkeit daher auch von den Deutschen endlich immer mehr erkannt wird, und der daher ein immer größeres Feld unter allen Klassen der Bevölkerung gewinnt, selbst dem Handel sind die Israeliten in der Pfalz keineswegs so unverhaltnißmaßig zugethan. Vielmehr ist es wieder Thatsache, daß sich gerade in der Pfalz bei weitem die meisten Israeliten mehr oder weniger mit dem Ackerbau beschäftigen. Nicht nur den Mittelstand, dessen Haupt-, oft sogar einziges Geschäft er nicht selten ist, der, wenn er sich mit Handel befaßt, es hauptsächlich im Winter thut, wo der Feldbau keine Beschäftigung bietet — und Niemand wird laugnen wollen, daß dies besser sei, als wenn er sich dem Müßiggänge, dem Spiele und Trünke ergäbe-sondern selbst die Reichen haben fast alle bedeutenden Ackerbau — und zwar bauen sie selbst ihre Felder — und selbst der Aermste sucht sich jetzt ein Aeckerchen zu erwerben, um seine Kartoffeln zu pflanzen." (Fortsetzung folgt.) Magdeburg, I.Febr. sBellettistisches.^ Jenny. Von der Verfasserin von „Klementine." Zwei Theile. Leipzig, 1843. — Der vorliegende Roman hat nichts Außerordentliches an sich, aber durch fließende Sprache und feine Beobachtung ist er bemerkenswerth; für den aufmerksamen jüdischen Leser giebt er jedenfalls viel zu denken. Es wird eine moralisch reine, aber nicht allein dem jüdischen Zeremoniale völlig entschlagene, sondern auch den Lehren des Judenthums ganz entfremdete, wenn auch durch und durch weltlich gebildete, reiche jüdische Banquiecfamilie geschildert. Die Tochter steht in Liebesbündniß mit einem christlichen Kandidaten, laßt sich um seinetwillen taufen — was dem Vater gleichgültig, der Mutter lieb ist — kann aber an die christlichen Dogmen durchaus keinen Glauben fassen und zerfällt darüber mit sich und ihrem gläubigen Bräutigam. Spater tritt sie in ein gleiches Verhältniß mit einem Grafen, der aber, von einem Standesgenossen wegen dieser Heirath beleidigt, im Duell erschossen wird: auf der Leiche des Bräutigams athmet sie ihr Leben aus. Der Bruder ist Arzt, glühender Vertheidiger der Emanzipation, deretwegen er einen Verein mit Gleichgesinnten schließt. Er liebt ein Christenmadchen, die er behandelt hat, wird wieder geliebt, kann sich aber zur Taufe nicht entschließen, weit ec seine unglücklichen Stammgenossen nicht verlassen will, der Staat schlägt ihm die Verheirachung mit einer Christin ab, sie entsagen einander, das Mädchen wird die Gattin eines Kousins von ihr, mit dem sie sehr glücklich lebt. Der jüdische Arzt bleibt unverheirathet und widmet sich seiner Kunst und dem Streben nach Emanzipation. Dies der'Stoff, der mehr oder weniger glücklich behandelt ist. Die sozialen Verhältnisse der Juden werden dabei vielfach besprochen, insbesondere in der hohem Gesellschaft. Man kann nicht leugnen, daß das hier aufgestellte Bild in der Wirklichkeit seinen Spiegel nur allzuhäufig findet. Dennoch ging der Verfasserin eineKenntniß ab, und das ist sehr Schade: sie kennt das Judenthum nicht. Sie faßt es nur von der einen Seite, von der es freilich jetzt auch von vielen, weltlich gebildeten Juden nur verstanden wird: als Negation des Christenthums. Von seinem eigenen Inhalte, von dem ergreifenden, das Herz erfüllenden, die Vernunft befriedigenden, die ganze Seele beruhigenden Inhalte, von seinem die Phantasie beschwingenden, das Gemüth anregenden Alterthum, von seiner den Willen anfeuernden, begeisternden Mission hat sie keine Ahnung. Daher fehlt ihr gänzlich eine Person, welche das wirkliche Judenthum, selbst abgesehen vom Zeremoniale, repräsentirt; und die Kämpfe, die aus dem Konflikte einer solchen