Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1844)
- Date
- 1844-02-12
- Page
- Seite 98 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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98 verlange ich für die Juden. Sehen Sie einmal den Steinheim, die Jenny an; denken Sie an das junge Weib, das Sie heute im Tableau gesehen; sind das nicht Köpfe, die sich mit allen italienischen Modellen messen können?" — Hughes gab es zu, daß auch ihm, trotz der widerwärtigen Karrikaturen, die man unter den Juden sähe, eine Menge wahrer Schönheiten sowol unter Männern als Frauen aufgefallen waren. „Das sage ich ja," eiferte der Maler. „Es ist mit den Juden wie mit den Fürstenhäusern und dem hohen Adel, die sich auch so unter einander rekrutiren. Die Race artet aus ins Krüppelhafte oder sie veredelt sich. Sehen Sie die feinen Glieder, das Auge! die Ueppigkeit des Orients, die finden Sie heute noch oft bei den Juden und die Beweglichkeit ihrer Züge empfiehlt sie dem Maler. Darum wählte ich heute das Bild und diese Personen zu dem Bilde; und ich wollte, Bendemann selbst hatte es gesehen. Da er sich hoffentlich nicht schämt, ein Jude zu sein, hätte ec an dieser Darstellung vielleicht den Muth gewonnen, Juden zu malen; denn, unter uns gesagt, feig sind die Juden doch!" — „Mowbray, Du lügst!" rief Steinheim's Stimme dazwischen, der, mit Eduard eintretend, die letzten Worte hörte. ' „Leider lügt er nicht," sagte Eduard ernsthaft, „wenn er von moralischem Muthe spricht. Denn jene sogenannte Kourage, die jeder Raufbold in sich erzwingt, um während eines Duells oder sonst einer Viertelstunde Parade zu machen, die schlage ich sehr gering an. Der Feigste, wenn er nur eitel genug ist, sich zu schämen, bringt das zu Stande. Aber der moralische Muth, der fehlt uns. Jahrhunderte lang hat die Sklaverei auf uns gelegen und das Volk so gedrückt, daß es sich glücklich fühlt, Ruhe zu genießen, und sich resignirt, anstatt mit Ernst die Rechte zu fordern, die man uns vorenthält!" „Wahr ist's, bekräftigte Hughes, und um so auffallender, als man nicht leugnen kann, daß cs verhaltnißmäßig eine Menge von Fähigkeiten und Talenten unter Ihrem Volke giebt. Mich wundert, daß diese sich nicht durch die ganze Erde vereinen, daß sie nicht all ihre Kräfte aufbieten, um zum Ziele, zur Gleichstellung zu gelangen." „Weil sie das nicht thun, nannte ich sie feig," sagte begütigend Erlau, dem es unangenehm war, jene Aeußerung gethan zu haben. „Und mit Recht," war Eduards Antwort. „Was Du mir über Bendemann's „Trauernde Juden" neulich sagtest, war vollkommen wahr; indeß so machen sie es alle. Michael Beer, der die Schmach der Unterdrückung lebhaft fühlte, den es drängte, die Ungerechtigkeit darzustellen, machte ein Trauerspiel daraus.' Aber ec schilderte nicht das Elend seines Volkes; damit hätte er ja daran erinnert, daß ec selbst ein Jude sei: er malte lieber die Unterdrückung 8ull rosa, er schrieb den „Paria," und dachte, vielleicht versteht man meine Meinung, und ich habe doch nichts gesagt, wenn man sie nicht verstehen will. Das ist die Feigheit." „Und Thorheit obenein," sagte Stelnheim. „Die Geschichte hat kein Beispiel, daß irgend eine Unterdrückung aufgehoben worden wäre, weil der Unterdrücker in großmüthiger Laune sagte:;3Car tel <8t nion phtisir,“ außer der Bertha im Tell, die abgehend ihr „und frei erklär' ich alle meine Knechte," ausruft. Es heißt: „Bittet, so wird euch aufgethan," und es wäre Zeit, daß die Juden tüchtig anklopften, wenn das Bitten nicht hilft, und die Ehrisien zeigen müßten, ob sie den Spruch ihres Heilandes zu erfüllen bereit sind." Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l-J Ngr. (1 gCSSr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. C o » c u r s. Von Seite der Pesther israelit. Gemeinde wird hiermit ein Konkurs für die Besetzung der Vorbeterstelle an dem daselbst mit Ehoralgesang bestehenden Tempel eröffnet. — Diejenigen, welche sich hierauf in Kompetenz zu setzen wünschen, haben sich über einen moralischen und religiösen Lebenswandel, über gründliche musikalische Kenntnisse, über die erforderliche Gesangsfertigkeit, so wie über die Fähigkeit, die üblichen hebräischen Gebete aller Art, und auch deutsche Gebete korrekt vortragen zu können — mit glaubwürdigen Zeugnissen auszuweisen, und müssen über ihre Befähigung hier eine Probe ablegen, ohne jedoch auf Ersatz ihrer Spesen einen Anspruch zu haben. Mit diesem Amte ist nebst freiem Wohnquartiec, und außer den gewöhnlichen Amtssporteln ein fixer Jahresgehalt von 600 fl. E. M. und eine jährliche Remuneration von 100 fl. E. M. verbunden. — Die Zeit der Konkurrenz wird auf den 1. Mai l. I. anberaumt.-—