Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1844)
- Date
- 1844-02-12
- Page
- Seite 95 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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95 zuletzt ist es noch eine große Frage, ob man die Juj den mit Recht Nichtchristen nennen könne."! (Schlußfolgt. [ Personalattfc Lokalnachrichten. P aris, jm Januar. Der Professor der Philosophie am Gymnasium Karl's des Großen, Namens Franck, ist zum Mitgliede der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften in Paris gewählt worden. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 29. Januar. (Emanzi'palionslitcj ratur.1 Zustände und Kampfe der Juden mit besonderer Beziehung auf die baierische Rheinpfalz. Mann-! heim, 1843. Eine kräftige Hand hat die Feder geführt! bei dem vorliegenden Schriftchen (109 S.). Scharf, | durchgreifend, lebendig, des Zieles wohl bewußt, geht der! Verfasser in das Mark der Angelegenheit mit seinem! Messer ein. Auch steht er nicht auf der einseitigen Nich-! tung der bürgerlichen Gleichstellung, sondern verbindet die! religiösen und sozialen Zustande ganz eng damit. Aller-! dings bringt ec sich da in das Dilemma: 1) die gegen-! wattigen innerlichen Zustande der Juden für gut und! gesund zu erklären, für so gut, daß er 2) schon darum! die bürgerliche Gleichstellung fordern dürfe, aber dennoch! 3) eine bedeutsame, ja eine durchgreifende Aenderung und! Besserung aller jüdischen innerlichen Zustande heischet und! verschlagt. Die Mittel, die er dazu vorschlägt, sind gut, aber doch nur einseitig. Er schiebt Alles einem deutschen Rabbinersynedrrum und einer Erweiterung der amtlichen Befugnisse der Rabbiner zu — Nota bene der wissenschaftlich gebildeten Rabbinen. Daraus ist uns nun auch einiges Licht über die Persönlichkeit des Anonymus aufgegangen. Er ist ein Jude. Er ist ein Rabbiner, ein wissenschaftlich gebildeter Rabbine. Als solcher ist er denn! abermals in ein Dilemma gerathen: er ist Antitalmudist, fordert die Abschaffung der Autorität des Talmuds, und will doch „das mündliche Gesetzt aufrecht erhalten. Doch gehen wir naher auf das, jedenfalls bedeutsame Schrift-! chen ein. Zuerst schildert der Verfasser mit kräftigem Pinsel j die außerordentliche Zurücksetzung, die der Jude in vie- - len Theilen der Pfalz in sozialer Beziehung noch erleidet, und die nicht im Religions-Fanatismus Her Pfälzer, noch weniger im schlechten Betragen der pfälzischen Juden ihren Grund findet, sondern in der anerzogenen, wohl konservirten, aber jetzt durch nichts mehr gerechtfertigten, und nur in philisterhafter Hohlheit wurzelnden, aber durch das noch immer bestehende Napoleonische sog. Wuchergesetz genährten Verachtung des Juden. Er spricht über die Kultur der Juden in der Pfalz sich folgendermaßen aus: ,,Wer die Israeliten, besonders in der Pfalz, ohne Haß und Vorurtheil betrachtet, der wird die vorteilhafteste Umgestaltung in ihren bürgerlichen und sozialen Lebensverhältnissen nicht läugnen können und, wenn ein Funke von Theilnahme an dem ewigen Fortschritte der Menschheit in seinem Innern glimmt, mit Freuden anerkennen wollen. Trotz aller Wachsamkeit der Behörden gehört es dennoch zu den seltensten Fallen, daß ein Israelit wegen Wuchers, Uebervortheilung und betrügerischer Handlungen vor Gericht gezogen oder gar verurtheilt wird, und dann sind es nur solche, die schon vorher in der Meinung ihrer eigenen Glaubensgenossen verurtheilt sind, während es umgekehrt bekannt ist, daß in den letzten Jahren nicht wenige Verurteilungen gegen Christen wegen solcher Vergehen ausgesprochen wurden, und zwar gegen solche, die zum Theil deshalb in der Gesellschaft gar nicht zurückgesetzt sind. — Und dies sind Fehler, die man den Israeliten so bereitwillig, so frisch und unbesonnen zur Last legen zu dürfen meinet. Von andern gröbern Verbrechen, wie Raub, Mord, offener Diebstahl, Ehebruch, Unzucht, Mißachtung der Familrenbande, hat sie selbst der eingefleischteste Haß freisprechen müssen, und wird es daher einer besondern Versicherung nicht bedürfen, daß sie sich solcher auch in der Pfalz nicht schuldig machen. Der Handel der Israeliten hebet im Gegentheil des Landes Wohlstand in jeder Hinsicht, statt ihn, wie die unpraktische deutsche Bornirtheit, die sich in ihrem ärmlichen Dachkammcrlein weiser dünkt, als die ganze Welt, altklug meinet, niederzudrücken und zu untergraben. Dies wird durch die Erfahrung bestätigt. Wenn die Israeliten Wucherer waren und wie Blutigel des Landes Safte einsaugten, so müßte natürlich dessen Wohlstand im umgekehrten Verhaltniß zu ihrer Anzahl und ihrer Freiheit im Handel stehn, es müßte demnach, um ein handgreifliches Beispiel anzuführen, im jenseitigen Bar'ern, wo die Verehlichung der Israeliten, sowie deren Handel vielfachen Beschränkungen unterworfen ist.