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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-12 · Heft 7 (12.2.1844) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 7 (12.2.1844)
Date
1844-02-12
Page
Seite 94 (sequence 10)
Language
German
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94 Veränderungen ein Zeitraum von nur zwei Lustern bewirkt, und daß Ideen, die vor wenigen Jahren nur in dem Gehirne einzelner Auserlesenen lebten, heute zum Gemeingut der Masse geworden, kann an der Rcalisirung dieser gerechten Erwartungen nicht zweifeln. Möge hier ein Auszug der Debatte seinen Platz finden, den wir, so wie ihn die ungarischen Zeitungen mittheilen — ohne namentliche Benennung der Redner — den deutschen Lesern dieses Blattes wieder geben. Als am 29. Dezember v. I. in der I27sten Zirkularsitzung die Berathung über den, die Qualifikation zum Wahlrechte bestimmenden §. 24 des Operats, fortgesetzt wurde, gab der Punkt aa. zu einer langen und lebhaften Debatte Anlaß. Dieser Punkt nämlich bestimmt: „daß der zu wählen Berechtigte, jeder christlichen Konfession angehöten könne." Ein Komitatsablegat beantragte die Auslassung desselben, damit nicht die Juden der Rechte beraubt werden, die ihnen zu ertheilen Gerechtigkeit, Politik und Menschlichkeit gebieten. Wiele Ablegaten unterstützten diesen Antrag und äußerten unter Anderm: nachdem nicht nur das Prinzip selbst schon auf dem vorigen Reichstag ausgesprochen worden, sondern auch bei den Verhandlungen der Zirkularstände über die Koordination der Städte den Juden das Bürgerrecht ertheilt worden, könne man dieselben hier nicht vom Genuß des Wahlrechtes ausschlicßen, wenn man sich nicht eine Inkonsequenz zu Schulden kommen lassen, nicht einen Rückschritt thun wolle, und wenn man nicht die Vorwürfe einiger Städteablegaten durch die That rechtfertigen wolle, daß mau nämlich bei den Städten in dieser Beziehung leicht erperimentire, aber bei den Komitaten nicht mit gutem Beispiele vorangchen wolle. Widerlegen wir nun diese Vorwürfe faktisch, bleiben wir konsequent und sagen wir nicht heute weiß und morgen schwarz!— Diesem Vortrage folgte von Seiten der Deputirten ein vielstimmiges „iiiiiriidjon“ ses bleibe der in Frage stehende Punkt aa. des Opcrats). Hierauf bezüglich nahm der nachfolgende Redner das Wort: „Es mag sein, daß er bleiben wird, aber dessenungeachtet will ich meine Meinung aussprechen und wenigstens von mir die Vorwürfe der städtischen Deputirken abwälzen. Was hindert uns, den Israeliten diese Rechte zu ertheilen? Der vorige Reichstag hat das Prinzip schon ausgesprochen; davon kann man nun nicht mehr abgehen; oder ist diese Angelegenheit noch nicht reif genug? Nun so bringen wir sie zur Reife; dies hängt ja nur von uns ab. Ich meinerseits werde immer dafür kämpfen, so oft sie nur zur Sprache kommt. Wilberforce erneuerte vierzehnmal seine Motion für die Abschaffung des Sklavenhandels, Lord Gray neunmal die der Katholiken-Emanzipation. Also ist es auch nothwendig, daß die vorliegende Frage bei jeder möglichen Gelegenheit auf's Tapet gebracht und so lange diskutirt werde, bis endlich Jericho's Mauern Zusammenstürzen." Der nächstfolgende Redner sprach dagegen, und faßte die Sache erstlich aus dem konstitutionellen, dann aus dem nationalen Gesichtspunkte auf. „In Betreff des erstern ist," sagte er, „zu berücksichtigen, daß bei uns bisher alle konstitutionellen Rechte in den Händen der Aristokratie, zufolge der leitenden Idee des Grundbesitzes, waren; Industrie und Handel waren ausgeschlossen. Jetzt wollen wir uns aus diesen beengenden Verhältnissen herausarbeiten; es sind in dieser Beziehung auch schon einige Schritte gethan worden; da aber die Aristokratie allein aus dem Markte steht, so muß man behutsam zu Werke gehen, damit nicht durch übereilte Verfügungen in derselben eine Reaktion erweckt und Anlaß gegeben werde, daß sie auch ihre bisherigen Konzessionen zurückziehe. Die Reform und die Erweiterung des Wahlrechtes müsse in einer gewissen Progression vor sich gehen und er, der Redner, glaube, wie der Pesti Hirlap *), daß man mit der Zeit unterhandeln und zuweilen mit der Hälfte der Wahrheit vorlieb nehmen, ja auch nur den vierten Theil dessen verlangen müsse, was man ganz zu besitzen wünscht. Nur auf eine solche Weise ist der Fortschritt möglich; denn wenn wir das ganze Prinzip auf einmal ins Leben treten lassen wollten, würde sich die Aristokratie dagegen sträuben und wir würden gar nichts zu Stande bringen können. Eine besondere Beachtung verdien: auch die Nationalität, und diese kann man viel wc--1 niger aus den Augen setzen, als die Religion; denn e) Diese ungarische politische Zeitung ist das Organ des zeitgemäßen Fortschrittes und wird von Herrn Ludwig von Kossuth rrbigirt.

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