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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-12 · Heft 7 (12.2.1844) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 7 (12.2.1844)
Date
1844-02-12
Page
Seite 92 (sequence 8)
Language
German
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92 thümlichkeit verloren habe; denn jetzt stimmten auch nur gegen einen einzigen speziellen Punkt derselben 21 Komitate. Die Ursache dieser Erscheinung ist, wie sich einer der Sprecher ausdrückte, darin zu suchen, daß die an glänzenden Worten so reichen Vertheidiger der Emanzipation vor der Verwirklichung der hochherzigen Idee zurückgeschreckt und zurückgetreten seien, nachdem der verflossene Landtag wol einigen guten Willen bezeugt hatte, und weil die in Folge der Wechselgesetze geschehenen Falliments und Mißbräuche zu jener vorgefaßten Meinung Grund gegeben, als ob blos die Juden aus den Wechselgerichten Nutzen zögen, und doch dabei ausschließlich ihren verbrecherischen Wucher weiter forttrieben. In wiefern dies wahr sei, mag aus den warmen und geistvollen Reden der Vertheidiger der Emanzipation ersehen werden. Nachdem ein städtischer und zwei Komitatsablegaten besonders über den dritten Punkt sich erschöpfend geäußert hatten, bei welcher Gelegenheit einer der letztern beantragte, daß diejenigen, welche die angeführten Eigenschaften besähen, nicht blos Bürger sein könnten, sondern es in der That auch wirklich seien: wurde der Kampf gegen die Emanzipation von einem städtischen Ablegalen eröffnet. — „Durch die Befähigung der Juden zu bürgerlichen Rechten, sagte er, werde die bisherige Verfassung der Städte gestürzt;" hierauf führte er mehre, im Volke kursirende Klagen wider die armen Juden an: daß sie nämlich Wucherer seien; daß man die üblen Folgen der Wechselgerichte, worunter so viele schmerzlich leiden, bloß ihnen zuzuschreibcn habe; daß die Juden sich der Nation nicht anschmiegen wollen; daß ihnen darin selbst die Prinzipien ihrer Religion im Wege stehen; daß auch in Ländern, wo die Emanzipation der Juden versucht worden, z. B. in Frankreich, Spanien, Preußen, sich nirgends ein günstiger Erfolg gezeigt habe; daß noch im Jahre 182'r die Lokkungen eines Rabbi genügend waren, sie zu einer Auswanderung an den Niagara zu bewegen; daß sie auch jetzt noch einen Messias erwarten, der ihnen ein neues Vaterland gründen werde; daß ihre Erziehung vernachlässigt sei, und daß, wenn ihnen das Land auch Rechte verleihen wolle, man sie erst dazu reif machen und erziehen müsse, und die auf sie Bezug habende Reform nicht ausschließlich auf einen Stand, sondern gleichförmig auf das ganze Land ausdehnen müsse. Die Idee der Emanzipation wurde schon 1790 und 1817 angeregt; aber damals wagte der Landtag nicht, dieselbe alsogleich auszuführen, sondern übergab die Ausarbeitung der Grundsätze, denen zufolge die Emanzipation dem Lande und der Nationalität nicht zum Schaden gereiche, einem Ausschüsse; die Arbeiten dieser Deputation seien bis zum heutigen Tage noch nicht durchgesehen; außerdem habe der Landtag von 1840 ihnen schon einige Rechte eingeräumt, mit denen sie sich so lange begnügen müssen, bis die zu ihrer völligen Emanzipation nöthigen Bedingungen gehörig gereift seien. — Ein Komitats-Ablegat, am vergangenen Landtage von dem Gesichtspunkte ausgehend, daß der gegenwärtige Zustand der Juden mit dem Ziele des Staates in Kontrast stehe, ein Beantrager der Emanzipations-Frage gewesen, hält es nicht für zweckmäßig, dieselbe, ohne daß sie systematisch vorgenommen werde, auch nur einen Schritt in Bezug auf die Städteangelegenheiten fortzuführen, so lange vcn den, mit den bürgerlichen eng verflochtenen politischen Rechten, als: Repräsentanten-Wahl, Einfluß in die Gesetzgebung ic. auch viele Millionen unserer ungarischen Mitbürger ausgeschlossen sind. In andern Staaten, wo jeder Einwohner bürgerliche Rechte besitzt, sei es an der Zeit und am Orte, für die Emanzipation der Juden zu sorgen; aber unsere eigenthümlichen Verhältnisse erlauben uns nicht, von bloßem Humanismus auszugehen. Wenn wir die Israeliten in unserem Vaterlande betrachten, so können wir nicht umhin, sic, die im Messias einen irdischen König erwarten und sich beinahe freiwillig absondern, als Fremde zu betrachten. Es ist wahr, daß großcntheils wir die Ursachen dieses Zustandes sind, und daß, im Fall die Juden bürgerliche Rechte erhalten, diese Entfremdung sich nach und nach verlieren werde; aber dies geht nur schrittweise vor sich. Dazu kommt noch, daß die Juden sich vom Landbaue zurückziehcn, was bei uns, als in einem Ackerbau treibenden Lande, eine höchst wichtige Sache ist. Für die Auslassung der Juden sprachen noch 2 städtische und 2 Komitats-Deputirte. Ihre Gründe konzentrirten sich in Folgendem: daß derjenige, der nicht Staatsbürger ist, auch kein städtischer Bürger sein könne; daß die Gesetzgebung manche Vorurtheile schonen müsse, welche man nur nach und nach mit höchster Vorsicht verlöschen dürfe; daß, so lange die

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