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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-12 · Heft 7 (12.2.1844) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 7 (12.2.1844)
Date
1844-02-12
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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89 fangspnnkt der Lehre eines Spinoza sei. Die neuen Apostel, welche aus lauter Negationen ein Religioirsgebäude zusammen setzen wollen und so sich selbst zur Strafe der Danaiden verdammen, haben nicht nur den Aeußerlickkeiten, sondern auch der Lehre des Mosaismus den! Gehorsam gekündigt; sie schöpfen den innern Gehalt, die göttliche Wahrheit, die ein früheres Geschlecht in der Lehre fand, jetzt nur aus den Schätzen der Weisheit, die so viele große Geister' aller Nationen gewonnen haben. Anstatt nun, was doch wol vor Allem zu erwarten stände, Etwas darüber zu erfahren, welche göttliche Wahrheit man denn eigentlich an die Stelle der ehedem in der Lehre Gefundenen setzen und sofort adoptiren wolle, was man z. B. von der Natur Gottes, von der Freiheit des menschlichen Willens u. s. f. im neuen Bunde zu halten habe, werden in den folgenden zwei Gliedern des Bekenntnisses dem nach Aufklärung über die höchsten und wichtigsten Wahrheiten hungernden Geiste einige magere und abgenagte Knochen hingeworfen. Plötzlich werden wir aus dem erhabenen Tempel der Weisheit, in welchem der Gott Israels dem Ich, dem Begriff oder der Substanz seinen Thron einräumen muß, und der denkende Geist weit, weit über die Anschauungsweise der Bibel sich emporgeschwungen hat, wiederum in das innerste Zentrum des bestehenden Judenthums versetzt, um Fragen über die Autorität des Talmuds und den Glauben an einen materiellen Messias erörtern zu hören. Wer siehet nicht, daß diese alltäglichen und geläufigen Themata, von welchen auf dem Standpunkte des Reformvereins überhaupt gar keine Rede sein kann, zur süßen Lockspeise dienen sollen, mittelst welcher man den Leidenden am Glauben der göttlichen Ursprünglichkeit des Judenthums die bittere Pille der unbegranzten Bildungsfähigkeit desselben in's Gewissen schmug. geln will? Dank sei es dem gesunden Sinne des größten Theils meiner Glaubensgenossen, welchen diese Spiegelfechterei abstieß und der Mosaismus der Inbegriff ewiger Wahrheiten dünkt, die das Zerren und Rütteln schwankender Philosopheme nimmer erschüttern wird, welche für alle Zeiten der Menschheit höchste Güter bleiben und ebenso das neue Heidenthum, wie einst das alte, besiegen werden. Wenn die Berliner Freien behaupten, daß ihre Doktrin die nothwendige Konsequenz der christlichen Reformation sei; so muß ich die Würdigung dieser Behauptung christlichen Theologen überlassen. So viel hingegen ist gewiß, daß weder der Nihilismus, noch auch nur die Leugnung des Offenbarungsglaubens eine Konsequenz der Reform des Judenthums sein könne, und Männer, welche ein solches Ergebniß für den Heiland der Welt halten, unmöglich eine Reformation, sondern lediglich eine völlige Vernichtung des Mosaismus beabsichtigen können. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 24. Januar. (D. A. Z.) Es hieß allgemein, der Minister Mühler habe den hochverdienten Bankier Joseph Mendelssohn, von dem man ein meisterhaft ausgearbeitctes Gutachten über das Wechselrecht entgegengenommen und in Erwägung gezogen, zu einem Orden vorgeschlagen; man findet den in seiner Art berühmten und durch geistige Eigenschaften ausgezeichneten Mann, der seines großen Vaters würdig ist, aus naheliegenden Ursachen auf der Liste nicht. Bis jetzt hat nur Ein Jude, der Hauptmann Burg, einen preußischen Orden erhalten; den Titel „geheimer Kommerzienrath" soll Hr. Mendelssohn anzunehmen bescheidene Bedenklichkeiten gezeigt haben. — Stettin, 2(5. Januar. Die Königliche Regierung empfiehlt in dem heutigen Amts blatte das von dem Kammergcrichts-Rathe Freiherrn von Roenne in Gemeinschaft mit dem Oberlandsgerichts-Assessor Simon unter dem Titel: „die Verfassung und Verwaltung des preußischen Staats rc." hcrausgegebcne Werk, welches sich vor anderen Büchern dieser Art in mehrfacher Beziehung auszcichne, deshalb, insbesondere aber wegen der Abschnitte, welche die Polizei, das Städtewesen und die Juden-Verhältnisse betreffen, als ein geeignetes Handbuch für den praktischen Gebrauch. (A. Pr. Ztg.) (Empfiehlt die Al lg. Preuß. Zeit, auch die Vorrede dieses Werkes? s. No. 31 des vorigen Jahres d. Ztg. —) Berlin, 2. Februar. (Privatmitth.) Sowol hier, als in Breslau findet der Verein für Emanzipation der Juden vielen Anklang. Die Hauptsache ist allerdings, daß eine beträchtliche Anzahl der Bcitretenden dem christlichen Glauben angehören möchte!

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