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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 81 (sequence 13)
Language
German
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81 — oder schließt er etwa daraus auf eine Verbindung, weil unser Herz sich erweitert, so wir hören, wie in fremden Ländern allmälig jene Schranken fallen, welche dem Juden hinderten, seine Kräfte gehörig zu benutzen und seinen Willen frei zu entwickelnd — so wir hören, daß am königlichen Gerichte Frankreichs und am dortigen Kriegsrathe Juden Theil nehmen — in der Hauptstadt Englands ein Jude Sherif ist — und wie in allen Künsten und Wiffenschaften Männer, die zum Iudenthume sich bekennen, dort glänzen, wo das Joch der Erniedrigung bereits gebrochen — und die vielfach geschmälerte Duldung bereits überflüssig ist? — Indessen scheint es, daß der Verfasser der ungarischen Broschüre von seiner eigenen Nation und seinen eigenen Religionsgenossen nicht viel hellere Begriffe hat, als von den Juden und jüdischen Verhältnissen*) — Wie ge¬ *) Der Verfasser dürfte nur einen Blick in die neuere jüdische Literatur werfen, um sich zu überzeugen, wie die Koryphäen des geläuterten Judenthumes nichts weniger im Sinne haben, als die positiven Säulen unseres Glaubens erschüttern zu lassen — oder eine streng abgesonderte jüdische Nationalität behaupten zu wollen. Mit welcher Gluth und Geistesschärfe — Kraft der Wahrheit und der innern Ueberzeugung, tritt der Magdeburger Rabbine Herr vr. Philippson dem sogenannten Frankfurter Verein entgegen — und eben so entschieden als wahr spricht sich ein 80jähriger, ungarischer Rabbi gegen die Uns angedichtete jüdische Nationalität aus. Hören wir ihn selbst: (X Chorin, Rabbine zu Arad in den Br. rabbinischen Gutachten 1. Abth. S. 31) „Mit „der Zerstreuung des Israeliten ist deren Nationalität un- „tergegangen. Und so bestehet keine israelitische „Nation, sondern das Judenthum bestehet nur als eine „vereinigte religiöse Gesellschaft, so wie alle übrigen Kon- „feffionen bestehen. So wie z. B. der Katholik, der Protestant re. jedem Lande, in welchem er als Bürger und „Unterthan ausgenommen ist, als ein integrirender Theil „der Landesnrtion gerechnet und angesehen wird, so ist „auch der Jude in Ungarn ein Ungar, in Deutsch- „land ein Deutscher, in Frankreich ein Franzose u. s. w." Und (spricht, in eben dieser Abhandlung, dieser Nestor der Rabbinen Ungarns) wie ein wohlgeordneter Staat auch bei der Ungleichheitseiner „Provinzial-Verfassungen „dennoch kräftig bestehen, erstarken und gedeihen kann, „wenn nur alle Theile vom höchsten Prinzip der gemein- „samen Ergebenheit gegen die allerhöchste Majestät der „Regierung beseelt sind, eben so noch mehr kann eine „große religiöse Gesellschaft durch ihren Zusammenhang „in der Wesentlichkeit ihrer Prinzips, in der Quelle des „unendlichen Gottes, der ihren Eifer beseelt, gedeihen und ringe muß er von christlichen Tugenden und ihren Dutdungsprinzipien denken, wenn er dem Gedanken Raum giebt —: ein christlicher Staat würde einst noch zu den Maaßregeln eines Pharo oder des in der Schule eines Nero groß gewordenen Vespast'an — greifen. — Wie geringe muß er von den Einwohnern Ungarns denken, wenn er für sie die panische Furcht hegt, die Juden könnten ihnen — und zwar noch in den Zeiten seines Lebens — das Land aus Händen nehmen — und sich dasselbe unterwürfig machen. — Sein Sie unbesorgt^ Herr Di*. G. — anstatt ihrer lächerlichen Furcht, hegen Sie lieber die Hoffnung, die Christenheit werde jene aus den Zeiten der Unreife stammende Schuld — auf eine würdige Weise sühnen — und der von ihr groß denkenden Nation die Bruderhand reichen. — Sein Sie aber auch unbesorgt um ihr Vaterland. — Ungarns Staatsmänner stehen heute auf einer Stufe — wo sie keinen Rivalen fürchten. Sie werden sich nicht so leicht die Staatsamter entwinden lassen. Ungarns Güter sind ebenfalls in Händen weiser und nüchterner Eigenthümec — die ihre Besitzungen zu benutzen und zu erhalten verstehen. — — Aber auch die Gesetze unseres Vaterlandes werden von Männern abgefaßt, die frei von der panischen Verhungrungssurcht spießbürgerlicher Gemächlichkeitssucht — nur Menschenwohl und Menschenadel im Auge haben — die mit Hintansetzung ihrer angeerbten Rechte und Vortheile Wohl und Glück ihrer Unterthanen begründen —~ und mit Abscheu von jenen Mißtönen sich wenden, worin die Lieblosigkeit, der Eigennutz und das Vocurtheil als fürchterlich gähnende Klüfte zwischen Mensch und Mensch sich lagern. — Unsere Gesetze, von unfern Landessöhnm. entworfen, liegen vor dem weisen Vaterblicke König „bestehen, wenn auch die Körperschaften nach ihren be- „sondern Umständen und Verhältnissen, die äußern Mit- „tel zu diesem einen und gleichartigen Zwecke verschiedent- „lich ergreifen." Wer, wie Dr. G...die Juden vom religiösen Standpunkte aus beurtheilen will, sollte als jüdische Gelehrte, außer dem einzigen Mendelssohn, auch die in der gelehrten Welt hochklingenden Namen der DD. Zunz, Phitippson, Geiger, Creuzenach, Riesser, Jost, S. Hirsch, Chorin, Formstecher, Salomon, Kirchenrath Maier, Aub, Frankfurter, Stein, Löw, Mannheimer, Kohn, Kahn, Frankel, Steinheim ff. kennen — und ihre philosophischen Werke gelesen haben. Korresp.

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