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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 80 (sequence 12)
Language
German
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80 Schlaf und Essen ifl!"* **)). Können die verschiedenen christlichen Konfessionen an allen Tagen und an allen Wochen des Jahres mitsammen essen und trinken? — Sie sagen: Wir wollen uns darum mit euch vereinigen, um eigenes Interesse zu befriedigen. Das ist wahr — nur wissen Sie nicht welches Jntrcsse uns leitet. Zn Ungarn, wo dem Adel so viel Herz und Macht gegeben ist"*), fehlt es dem Juden, auch ohne eingebürgert zu sein — nur an wenigen Orten, an dem mannichfachen, zum Lebensunterhalte nöthigen Rechte; — uns leitet aber in den sehnlichen Wünschen um Emanzipation ein hohes Jntresse, das der Ehre! „Wir wünschen ein „vollständiges, erhebendes Bürgerthum. Wir haben kein *) Shakespeare. **) Ungarn war von jeher das Eldorado der Juden. Die monarchische Macht, welche, besonders nach der frühern Verfassung, dem Adeligen auf seinem Grundeigenthum freistehet, konnte nur Einzelnen, auf den Besitzthümern tyrannischer Gebieter wohnenden Juden Bedrükkungen geben — indem der allgemeine Charakter der Magyaren ein hochherziger und herablassender ist — ein Charakter, wo strenger Ernst und sanfte Milde auf das innigste verschmolzen sind. — Eine im Verlaufe der Zeiten für Juden ungünstige Regierung, konnte auf dieselben nur geringen Einfluß üben. — Jeder Jude war gegen jede Undill, ja oft gegen manche gerechte Forderung geschützt, so ihn ein Adeliger als seinen Unterthan anerkannte — und die Komitatenser für denselben günstig zu stimmen sich angelegen sein ließ. Ein Umstand war noch immer auffallend — daß Die Juden der meisten Rechte sich auf jenen Boden erfreueten, der unter der unmittelbaren Aufsicht und Leitung semer Grundherrschaft stand. Daher minder begüterte Edelleute, den reichsten Schutz angederhen ließen.— Minder günstig war — und ist noch fast bisher — das Beamten-Wesen größerer adeliger Besitzungen. Nur je naher und zugänglicher die eigentliche Herrschaft ist, desto naher und sicherer jede Abhilfe und Schutz gegen kanzleiliche Formstrenge. Auch die ungarische (katholische) Geistlichkeit, hatte bisher nicht nur großen Antheil an dem ungarischen Grund und Boden — und in der Rechtspflege an Sitz und Stimme, sondern an dem magyarischen Gemeingut.- Hochherzigkeit, waren auch sie würdig betheiligt. Und fern von jeder Klerngersterei und Philistersirenge war es Milde und Schutz — ja nicht selten wirkliche Achtung, die sie der andern Glaubensrichtung angedeihen ließen. — Wer erinnert sich nicht der freundschaftlichen Briefe des Fürsten Primas v. Rudnay an den Rabbiner A. Chorin. Fern von ihnen war bisüer jede schmähliche Prose- (ytenhascherei — das Bestreben anzulvcken oder aufzulösen — wer nicht mündig und nüchtern anpochte, dem ward nicht aufgethan. — Korresp. „Begehren nach den geizig zugemessenen Rechten, die eine „gleiche Anzahl von Unrecht aufwiegt; — wir finden „kein Behagen an dem mitleidig zugestandenen — uns „ekelt das erschlichene Privilegium an. Nur in gesetzmäßiger, gemeinsamer Anerkennung können wir Befrie- „digung in unwiderruflicher Gleichstellung das Ende unserer Schmerzen finden*)." Ob die Emanzipation zum Ehristenthume führen würde, oder bloß vom Judenthume ab, kann nur in jenen Augen noch als Frage gelten, die für alle Vorgänge des Lebens blind sich stellen — um in der im eignen Gehirne sich dunkel abspiegelnden Welt, nach eigenem Gutdünken Hausen zu können. Sind im Herzogthume Baden, Königreich Wüctemberg, Holland, Frankreich u. s. w. die Juden von ihrem Glauben um ein Haar breit darum gewichen, weil sie eingebürgert sind — oder treten dort Mehre zum Christenrhume über, weil sie der christliche Mitbruder ferne von jeder Lieblosigkeit, christlich, wie man es nennt — behandelt? — Die judenfeindtichen Ausgeburten, worauf ich bisher dem Verfasser der odiösen Broschüre erwidert — können jedoch demselben in so ferne nicht ganz angerechnet werden, weil diese und ähnliche Mißtöne sich bereits hören ließen, und bereits mit machtigern Waffen als die Meinigen besiegt worden. — Nun komme ich aber auf einen Punkt, welcher ausschließliches Eigenthum des Verfassers ist — und nichts weniger als eine schändliche Verdächtigung — als eine grobe Lüge enthalt. — Wer in aller Welt sagt nämlich dem Dr. G., daß die ungarischen Juden mit ihren ausländischen Glaubensgenossen in Verbindung stehen? Wo findet man in Ungarn die jüdischen Spitäler, welche ausländische Juden erbauet? — Wo die Synagogen und Schulen, welche Juden fremder Provinzen gegkündet —? Wo bestehet das jüdische Konsistorium, dahin die jüdische Geistlichkeit Ungarns gehört, oder von dem sie abhängig ist? Wo. sind die bedeutenden Geldkräfte, welche uns von Juden anderer Länder zufließen? — Schließt der Dr. G. etwa daraus auf eine Verbindung, weil es auswärtigen Juden das Herz zusammenschnürt, wenn sie von einzelnen Beschämungen hören, die ihre ungarischen Stammgenossen erleiden, von Hintansetzungen, an denen ihre Ehre sich verblutet — von Eigenmächtigkeiten, welche nichtige Sterbliche im Namen des allgerechten Gottes an ihren zerknirschten Mitmenschen auszuüben im Schilde führen; *) Dr. Zunz, Vorrede zu den gottesd. Vorträgen.

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