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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 79 (sequence 11)
Language
German
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79 Judenfeind sek — er aber nur den Unterschied der Begriffe zu erkennen geben wollte: einen Andersdenkenden nicht angreLfen; oder ihm, dem Unbewaffneten Waffen zu geben, sich angreifen zu laffen. Er meint noch, es gebe so gut wie unter Christen solche, die es nur dem Namen nach sind — auch unter. Juden viele Mendelssohns und Spinoza; aber die meisten sind rechtgläubige Juden — und an diesen richtet er Fragen, in welchen er sie warnt, ja keine Emanzipation zu verlangen, sonst ist es um ihre Nationalität, um ihren Messiasglauben geschehen. Man gebe, sagt Dr. G., seinetwegen den ausgezeichneten Juden Staatsamter, wie einst dem Joseph und Daniel — (leider haben wir keine solche Juden, welche die heutigen Träume zu deuten verstanden) man gebe ihnen seinetwegen die Erlaubniß zum Grundbesitz — nur keine Emanzipation! Komme sie aber doch zu Stande, so bleibt ihm, sagt Dr. G., der einzige Trost: er werde bald sterben (aus Verzweiflung, vermuthlich an einem Selbstmord) und seinem Gott danken, daß er ihn in Ruhe entläßt — um nicht zu sehen das Unglück seines Vaterlandes! — So weit der Dr. G. — Der menschenfreundliche Leser verzeihe mir, daß ich ihm so schlechte Unterhaltung bot. — Ich habe bereits dargestellt, welche Gefühle von erhöhetem Selbstbewußtsein die Abstammung Israels in dem Busen eines jeden Juden erweckt und ihn zu allem Großen und jedem Staate Nützlichen zu begeistern vermögen. — Ich habe bereits dargerhau in wie ferne ihnen Kanaan heilig ist und welchen Messias sie sich ersehnen. — Ich habe nur noch dem Verfasser jener Broschüre zu erklären, wie der Offenbarungsglaube der Juden, wie seine Nation, als die erste Verkünderin des Glaubens am alleinigen Gotte und seines eigentlichen Willens, ihn zu einem gottgewerheten, priesterlichen Leben beruft — welchem er dadurch genüge leistet, daß er bei allen seinen Thaten und Verrichtungen, Lebensauße-! rungen und Vorgängen an seinen, ihn gewürdigten j Gott erinnert sein will — und durch Zeremonien welche seine ganze Lebensweise regeln, auch daran stets erinnert wird. — So ihn nicht höhere Lebensansprüche hindern, ist des Judens Lebensart von der Stunde seines Aufstehens bis zum Niederlegen, den Gottgedanken erregenden Regeln unterworfen. — Ist es eine günstige Fügung der Vorsehung zu nennen, daß selbe, die Erhaltung des erwählten Israels beabsichtigend in den Zeiten der Bedrückungen und Verfolgungen, demselben für jenen Erwerbszweig so viel Scharfsinn und Gewandtheit gab, welcher ihnen kn jedem Lande leicht ein Fortkommen und nicht selten eine günstige Aufnahme finden ließ, so konnten auch anderseits nur die Ueberzahl von Zeremonien, bei dem so vielseitigen geisteszerstreueten Handelsvolk, den angestammten Gottes-Glauben in seiner ganzen Reinheit und Kraft erhalten. Darum sind auch Menschen von erhöhter Seelenthätigkeit, deren Sein stets hohe Gottgedanken vorleuchten und ausfüllen, von manchen der Zeremonien dispensi'rt, wie auch der Talmud, den in der Gotteslehre Beflissenen, von manchen religiösen Ausübungen freispricht. — Nun frage ich Sie, Herr Dr. G. — Können Menschen, die sich darum eines gottgeweihetern Lebens schuldig fühlen, weil sie ihr Gott der ersten und höchsten Offenbarung gewürdigt — können Israeliten, darum andere Religionsparteien als verworfen betrachten, die ein gutgesittetes Leben führen, ohne Zeremonien zu üben, welche an sich nichts Heiliges oder Heiligendes enthalten? -Ißt der Jude darum gewisse Speisen nicht, weil er selbe als unrein oder verunreinigend betrachtet? Soll nicht bloß die Speisebeschränkung ihn an den hohen Geber erinnern, dessen Gedanken auch die höchste Würze seiner Tafel sein muß? — Ist dem Erwählten, das Verworfene entgegengesetzt, daß die Juden die Nichterwählten als verworfen betrachten müssen?-Ist man, frage ich Sie endlich, auch mit jener christlichen Konfession, die sich die Alleinseligmachende nennt, auch so strenge zu Gerichte gegangen, als man sie emanzipiren sollte? Hat man ihr auch ihr Kanaan vorgeworfen, wohin ihre Geistlichkeit sich stets zu wenden hat? — Unsere Religion spricht keinem die Seligkeit ab, der menschlich denkt und fühlt — und eine höhere, unsichtbare Allgewalt anerkennt. — „Die Weisen anderer Nationen,^ heißt es im Talmud, haben Antheil an das ewige Leben." — Sie sind selbst daran Schuld, Dr. G., wenn Sie dieser höchst tolerante rabbinische Grundsatz von der Seligkeit ausschließt. — Stehen Sie mir Rede, wo zwingt die jüdische Religion den Juden abgesondert zu leben? Darf der Jude nicht eure Kranke heilen? Darf er euch nicht Recht sprechen? — Nicht an euren Kriegen Theil nehmen? Darf der Jude die Natur und euch nicht zeichnen — euch nicht Monumente hauen — für euch nicht Opern komponiren? Darf er für euch nicht dichten und denken? — Das abgesonderte Essen nennen Sie abgesondert Leben? — „Was ist der Mensch, wenn seiner Zeit Erlös, sein höchstes Gut nur —

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