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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 78 (sequence 10)
Language
German
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78 Aber höre ich den Dr. G. sagen: So sprechen die helldenkenden Israeliten — aber der Pöbel? — Denkt der auch so menschlich mild von uns? „Giebt es denn unter dem Christen keinen Pöbel?" frage ich mit den Worten eines bewahrten Buches *) — „Oder sollen nur gebildete Leute Staatsbürger werden dürfen, dann wäre der Staat unnütz." — Jene Religion lebt noch nicht auf Erden, deren eigentliche innerste Wahrheiten jedem ihrer Bekenner bekannt waren. Und gerade der jüdische Pöbel rst's — der eben jetzt in dem Maaße abnimmt, als das gelauterte Judenthum täglich mehr Anhänger und Lehrer findet. — Er lebt nicht mehr bloß übend und leidend — blind anhangend einem starren Glauben — er lernt bereits von erleuchteten Rabbinen die hohe und tiefe Bedeutung seiner Lehre erkennen. Die jüdische Synagoge hat auch in unserem Vaterlande seit einigen Dezennien Kanzel und Predigten — und Rabbiner, die das Wort Gottes im Lichte aufzufassen und im wahren Geiste mitzutheilen verstehen. Freilich ist es noch nicht lange her; aber ich rede mit einem Ungar, und der' wird es glauben, daß auch wenige Jahrzehnde Vieles in einer Nation zu bewirken vermögen. Den Gesetzgebern sollte überhaupt stets die kommende und zu erwartende Generation vor Augen stehen, wenn sie das Wohl ihrer Nebenmenschen nach deren Befähigung abzuwagen sich einmal berechtigt glaubt." Wenn wir Gesetze geben, sagt Plato **), geben wir sie für die Zukunft, weil wir glauben, daß sie hier von Nutzen sein werden. Im zweiten Punkte beantwortet Dr. G. die Frage: Worin bestünde die Einbürgerung? indem er sagt — sie müßte für immer gelten, den Juden dem nichtadeligen Volke gleich stellen, hierzu müßten sie aber das Land als Söhne und den König als wahre Unterthanen betrachten — demnach ihre Verbindungen mit auswärtigen Juden aufgeben und ihr heißes Sehnen nach ^Kanaan und einem kanaanitischen Könige müßte ein Ende nehmen. Das ist aber, meint G.... im dritten Punkte, undenkbar — die Juden erkennen nur Kanaan, wohin sogar Jakob und Joseph ihre Leichname zu tragen anordneten, als ihr Vaterland. Sie sehnen sich noch stets nach einem Könige aus dem Stamme Davids, sie erwarten stündlich den Befreier und Erlöser — sie betrachten die Christen als Heiden, halten sich für die Erwaht- *) Konv. Lexikon 1833. co) Allg. Zeit, des I. 1843. 327. ten und jene für die Verworfenen. Sie können durch ihre Koscherregeln nicht mit uns essen und trinken, müssen auf diese Weise abgesondert leben — und können sich nicht mit den Christen befreunden. Es ist mit einem Worte unmöglich, sagt Dr. G..., daß sie sich mit uns Unreinen und Heiden aus andern Ursachen zu vereinigen wünschen, als bloß ihr eigenes Jntcefse zu befriedigen. — Sie betrachten sich hier als Zerstreuete und Verbannte — demzufolge haben wir das Recht, von einem Juden, der eingebürgert zu werden wünscht, zu fordern, daß er sich taufen lasse. Man kann, meint er ferner, den Juden nur vom religiösen Standpunkte aus betrachten, da ihr Staat rein theokratisch ist. — Die Wenigen, die sich um die Koscherregeln nicht kümmern, sind eben in dem Sinne Juden wie Voltaire und D'almbert Katholiken sind — hier aber ist nicht die Rede von Emanzipation der Atheisten und Deisten, sondern von Einbürgerung der Juden. Auch ist die Aussicht, daß die Emanzipation die Juden zum Christenthume führen werde, wol vorhanden, aber wahrscheinlicher ist's, sie werden ihrer Religion untreu werden — ohne die Andere anzunehmen, auf diese Weise Ungläubige werden, welche dem Staate gefährlich sind. — Würde aber die Emanzipation dennoch zu Stande kommen, so hätte sie, erklärt der vierte Punkt, die traurigsten Folgen. Die Juden, welche im Grunde mit allen ausländischen Juden in einem Verband (eben und einander gegenseitig stützen, würden sich entweder adeln lassen — oder von den auswärtigen Juden unterstützt, die ungarischen Gü- > ter an sich bringen — die Christen in ihre Unterthanen umwandeln und die größten Staatsämter in Besitz nehmen — dann braucht man nur noch einen zweiten Barcocheba — und die Frage der Pharisäer: ob es sich ziemt, daß das erwählte Volk Gottes einem heidnischen Könige steuern soll, wird uns zwingen, zu den Maßregeln eines Pharo und Vespasian zu greifen. Endlich müßte bei einer stattfr'ndenden Emanzipation auch die Ehe zwischen Juden und Christen gestattet werden. Eine Christin würde dann jüdische Kinder erzeugen. Man könnte sodann selbst den Uebertritt des Christen zur jüdischen Religion nicht hindern; um aber nicht diese, mit! sich selbst in Widerspruch stehende Unthaten zu begehen, würde der zerrüttete Staat, aus Verzweiflung, die Religion, als die Störerin des innern Friedens, als etwas Ueberflüssiges im Staate erklären — und natürlich von seiner schwindlichen Höhe in die fürchterlichste Tiefe hinab sinken. — Zum Schlüsse, äußert Dr. G., daß er kein

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