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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 77 (sequence 9)
Language
German
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77 heit nicht kannte — und daher auch nicht die Nothwendigkeit eines Arztes, in dem, von seinen Sehern so heiß ersehnten Meflias bald einen König glaubte, der ihnen das Joch der Fremdherrschaft abnehmen — oder in spatem Jahrhunderten darunter einen Mann verstand, der ihm das Joch der Gesetze (von den Pharisäern auf das Unglaublichste gesteigert) erleichtern wird. Wundern Sie sich nun noch, Herr Dr. G., wenn wir in dem Hochgefühle, daß Kanaan die Mutter des Lichtes und der Lehre ist — daß dort unsere hohen Meister gelebt, unsere göttlichen Dulder, unsere Helden, unsere Weisen, an deren Licht noch heute die Welt ihre Glaubensfackeln zündet — an deren Ruhm und Sieg noch heute die Welt Trost und Hoffnung sucht — wundern Sie sich noch, daß wir uns nach Osten wenden beim Gebete? Ist es Kanaan nicht würdig, daß unser Busen bei dessen Angedenken sich erweitre — und das Angedenken unserer göttlichen Ahnen: Abraham, Moses, David, Hillel, Akibba ff. — unsere Herzen zu allem Großen, Erhabenen und Schönen entflamme und begeistre? — Was Sie ferner äußern, daß wir in steter Hoffnung umher gehen, daß unsere ganze Nation nach Kanaan ziehen werde — ein ruhmvoller König aus unsrer Mitte hervorgehen, der unsere Feinde besiegen wird, ist reine Verlaumdung. — Aus Unwissenheit ist man selten so böswillig.. Was Gott unserem Stammvater verheißen, daß er seine Nachkommen in Kanaan zu einer großen Nation machen werde „zum Segen aller Völker der Erde," ist bereits in des Wortes tiefster Bedeutung erfüllt. In dem Innersten unserer Seele sind wir nur noch so frei zu wünschen, hoffen und erwarten, daß Israels Mission an die sammtliche Menschheit sich einst reatisiren wird — daß die Benennung des alleinigen Gottes auch eine Einige sein wird. So hoch erkühnt sich wol unser Geist, unsere Denkart — das wäre in unsern Augen Seligkeit — > aber nicht der irdische Besitz, eines Landes, dem nur die historische Bedeutung Wichtigkeit giebt. — Ferne, sehr ferne ist von uns der Wunsch, ein Land zu verlassen"), wo es noch zu allen Zeiten genug Edle gab, die uns wahrhaft brüderlich behandelten — wo Gottes Segen in reicher Fülle herrscht —- und die Herzen treu und *) Die Israeliten Ungarns bauen Schulhauser und Synagogen deren Dauer für Jahrhunderte berechnet wird — sie wünschen nichts sehnlicher als daß ihnen der Besitz von Grund und Boden ungehindert gestattet wäre. Korresp. warm für Gott, König und Menschenrechte schlagen. Ein Land welchem, da darin Milch und Honig fließt, nichts zu unserem Kanaan fehlt, als daß uns „statt der mannichfachen Rechte und Freiheiten, Recht und Freiheit würde" — Recht, unsere geistigen und leiblichen Kräfte für König und Vaterland benützen zu können und Freiheit, damit dem drückenden Bewußtsein, einem Lande nicht ganz angehören zu dürfen, das wir so heiß und innig lieben, ein Ende gemacht würde. — Hören wir noch schließlich — damit der Dr. G. nicht glaube, daß sich bloß in meinem Gehirne die Idee eines Messias aus diese Weise darstelle — drei der größten jüdischen Gelehrten unserer Zeit, wie selbe ihren Zeit- und Glaubensgenossen zurufen: „Was redet und streitet ihr, ihr Gelehrten und ihr Laien, ihr Pharisäer und ihr Saduzäec, ihr Denkglaubigen und ihr Gefühlsgläubigen—! was streitet ihr über die Ankunft und die Auffassung eines Messias?- Unser Befreier, unser Heiland ist kein Mensch und kein Menschensohn! Unser Erlöser ist Gott, der da war, und der da ist und da sein wird! Er wird und muß sein Wort lösen — unsere Schultern vom Joche befreien, unsere Schmach vor sich nehmen, unsere Freiheit anordnen. Es kann ein Weib ihren Säugling, es kann eine Mutter das geliebte Kindlein vergessen — Gott aber kann uns nie und nimmer vergessen")!- . „Ja, ihr Völker in Osten und Westen in Süden und Norden so endet das Merkchen eines amerikanischen Rabbi — „ihr Farbigen und Weißen — ihr Verehrer des Moses, des Jesus und des Mahomed —: Gott über Alles — und Bruderliebe unter den Menschen! Das laßt fortan unsern Wahlspcuch sein, dann ist das Reich des Messias erschienen — und auf der weiten Erde lebt, nach dem Worte der Verheißung, nur ein großes Volk des Herrn!" — „Mögen immerhin" (lesen wir in einer der jüngst gehaltenen Predigten) die Völker ihrem Ursprünge und ihren geschichtlichen Erinnerungen treu bleiben — in dem Ausdruck und dem Bekenntniß ihrer gläubigen Begeisterung von einander abweichen, wenn sie nur einig sind in der Liebe — und in dem einigen Ausblicke zu Gott!""") *) Dr. Salomon: „Verklärte Bild der Freiheit." **) Dr. Saalschutz in seiner Rede, bei Gelegenheit des Festes der 1000jahrigen Einigung Deutschlands? 6*

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