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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-05 · Heft 6 (5.2.1844) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 6 (5.2.1844)
Date
1844-02-05
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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werden aus ihren Verhältnissen plötzlich herausgerisscn und auf einen Boden verpflanzt, wo Alles überfüllt ist und ihrer nur wenige Beschäftigung und Arbeit finden, die meisten elend verkümmern werden. Und der Schmuggelhandel, den man als Grund dieser Maßregeln anführt, ist der großen Mehrzahl dieser Unglücklichen ganz unbekannt und wird sich auch nach ihrer-Entfernung nicht verlieren, so lange nicht die Grenzbewachung aus ganz zuverlässigen, jeder I Bestechung unzugänglichen Mannschaften besteht. j Als eine Folge jenes Ukases muß man auch die strengen, beinahe unmenschlichen Maßregeln betrachten, welche von der Moldau gegen das Eindringen fremder Juden ergriffen wurden. Aus den süd-russi-! schon Grenzprovinzen nämlich wunderten bereits vor i mehren Monaten, als man ihnen noch nicht so streng! aufpaßtc, da ihre Austreibung noch nicht so nahe j bevorstand, viele Juden , thcilweise sogar mit Pässen,; nach der Moldau ein. Wer dort auch kein Unterkommen hoffte, gedachte wenigstens einen Paß zur Weiterreise zu erlangen. Da man nun, sobald jener Ukas in wirkliche Ausführung käme, ein noch weit zahlreicheres Eindrängen fürchtete, erließ man die bekannten strengen Edikte. j Als vor mehr denn hundert Jahren im Erzbis-! thum Salzburg die Protestanten wegen religiöser j Bedrückung freiwillig auswandertcn, kaum so vielj Seelen als jener Ukas Familien vertreibt, verwende-! ren sich mächtige Fürsten für die Unglücklichen, und! «UerwärtS nahm man die Flüchtlinge willig auf. j Was wird ein späteres Jahrhundert dazu sagen,; wenn es die ihm von der Geschichte überlieferte Ausj Wanderung der Salzburger mit der weit härtern! Vertreibung der jüdischen Grenzbewohner vergleicht? Wie armselig steht das neunzehnte Jahrhundert gegenüber den Sympathien, welche die Salzburger im achtzehnten Jahrhundert erweckten! Doch hoffen wir, daß jener Ukas vielleicht noch ganz zurückgenommen j oder doch noch solche Modifikationen empfangen! werde, daß er das Ansehen einer gewaltsamen Ausi trcibung verliert. Möchte man sich mit den Garan- I ticn begnügen, welche die jüdischen Gemeinden, durch j solidarische Verpflichtung zur Unterdrückung des! 'Schmuggelhandcls unter den Ihrigen, in ihren Ge-! genvorsicllungen anbicten. Und wenn man bei freuj digcn Ereignissen sich so gern der Unglücklichen crini ncrt, so möge die jetzt stattsindenbc Vermählung! zweier mit so vielen Tugenden geschmückten Prinzessinnen des russischen Kaiserhauses Hunderttauscnden in ihrer Existenz gefährdeten und geängstigten jüdischen Grenzbewohnern Hoffnung und Leben wicdcrgcben und Veranlassung zur Rücknahme jenes Ukases werden. Griechenland. Athen, 6. Januar. Der Entwurf der neuen Verfassung Griechenlands ist erschienen. Den ersten Paragraphen, mit dem er beginnt, können auch wir mit freudigem Danke ausnehmen. Er lautet: Art. 1. Die herrschende Religion ist die orientalische orthodoxe Kirche Christi; aber jede andere bekannte Religion ist erlaubt und ihre kirchlichen Gebräuche sind ungehindert. Der Prosclytismus ist verboten. Literarische Nachrichten. Aus Ungarn, im Dezember. (Privatmitth.) Beleuchtung der ungarischen Broschüre: Anspruchlose^ vom religiösen Standpunkte ausgehende Ansichten, über die Emanzipation der Juden in Ungarn von Di. G.... (Schluß.) Da erwachte in ihnen die Sehnsucht nach einem Manne, der ebenfalls die Krankheit der Nation fühlen und an ihren Schmerzen leiden wird dem sich der Wetttücke duldend entgegen zu stellen mehr Muty — und der Pöbelkritik durch Gelassenheit den Stachel benehmen mehr göttliche Milde und Beruf eigen sein wird — der endlich den Bösen das ihm bereitete Grab überlassen und die Sünde verschwinden heißen wird — und das waren die ihnen stets vorgeleuchtercn Messiaswünsche und Hoffnungen. — Diese von den Propheten so oft geäußerte Idee eines göttlich berufenen moralischen Erlösers — wurde zum stehenden Glaubensartikel der ganzen Nation. Den Weisen, welche den Verfall der Gesammtheit erkannten und beftuftten, stand der Meffiasglaude in seinem ursprünglicher Lichte vor Augen, indessen der Pöbel, welchen immer die ersten Eindrücke am meisten beherrschen — und der daher immer an die äußere Form sich halt — indessen der Pöbel, sage ich, welcher die eigene Krank-

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